Speyer CDU und BGS fordern Grabeskirche

Überraschende Wende beim Thema St. Ludwig: Die CDU-Stadtratsfraktion hat sich gestern in der Ratssitzung für eine Grabeskirche ausgesprochen. Auch die Bürgergemeinschaft Speyer schloss sich der Forderung an. Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU) kündigte an, die Idee ins Auge zu fassen.
„Ich habe eine Wandlung durchgemacht und auch wenn der Tagesordnungspunkt Bistumshaus St. Ludwig uns nur zur Kenntnisnahme vorliegt, möchte ich es nicht dabei belassen“, eröffnete der CDU-Fraktionsvorsitzende Gottfried Jung gestern seine Rede. In der Sitzungsvorlage und auch im Ausschreibungstext des Investorenwettbewerbs zur Nachnutzung des Geländes stehe, dass die Seminarkirche St. Ludwig entweiht werden solle. Dies lasse schon jetzt keine Nutzung als sakrale Grabeskirche mehr zu. „Ich möchte all jenen 1700 Menschen eine Stimme verleihen, die sich für den Erhalt der Kirche als sakralen Raum aussprechen und dafür unterschrieben haben. Damit vertrete ich auch die Meinung meiner Parteikollegen“, sagte Jung. Letztere verliehen seiner Forderung durch lautes Klopfen auf den Tischen Nachdruck. Er habe kürzlich in Maastricht eine Kirche gesehen, die zur Buchhandlung mit Kaffeebar umfunktioniert wurde. Dies wolle er nicht mittragen. „Ich fordere die katholische Kirche auf, ihre Position zu überdenken. Eine Grabeskirche ist wirtschaftlich rentabel“, betonte Jung. Unterstützung erhielt er von der Bürgergemeinschaft Speyer in Gestalt von Claus Ableiter: „Ich kann mich dem inhaltlich nur anschließen. Beide Kirchen, St. Ludwig und die benachbarte Heiliggeistkirche, sind sakrale Bauten. Sie für Konzerte zu nutzen, dazu fehlt der Stadt die Basis. Ich unterstütze die Idee der Bürger, daraus eine Grabeskirche zu machen.“ Er könne beim Bistum nichts erzwingen, bitte Oberbürgermeister Eger aber, noch einmal auf es einzuwirken. „Sollte sich das Bistum nicht erweichen lassen, könnte man gegebenenfalls prüfen, ob die Kommune St. Ludwig als Grabeskirche betreiben kann“, sagte Ableiter. Walter Feiniler (SPD) gab zu bedenken: „Damit würde sich die Stadt Konkurrenz zu ihrem eigenen Friedhof machen.“ Worauf Ableiter wiederum konterte: „Die Konkurrenz würde ich hinnehmen, statt aus St. Ludwig einen Abstellraum zu machen. Aber das ist eine Wertentscheidung, die jeder für sich treffen muss.“ Eger schaltete sich in die Diskussion ein und teilte mit: „Wir müssen uns ohnehin ein neues Konzept für den Friedhof überlegen. Da kann man die Grabeskirche als ein Aspekt mit einem Auge berücksichtigen.“ Er wies zudem darauf hin, dass die Stadträte, die Teil der Jury im Investorenwettbewerb seien, sich dort auch mit ihrer Meinung einbringen könnten im Hinblick auf die alternative Bestattungsform. Ableiter untermauerte seine Argumentation mit wirtschaftlichen Betrachtungen: „Die geforderten Brandschutzmaßnahmen im Bistumshaus umzusetzen, kostet ein horrendes Geld. Deshalb kann dort rein rechnerisch schon kein sozialer Wohnraum entstehen. Die katholische Kirche hat aber die Möglichkeit, das Haus an einen Investor zu verkaufen, der daraus teure Wohnungen macht und hat dadurch gleichzeitig Geld, um die Grabeskirche zu realisieren.“ Johannes Jaberg von den Grünen hatte zuvor im Hinblick auf die Nachnutzung des Bistumshauses gefordert: „Die Kirche hat eine soziale Verpflichtung und sollte nicht nach rein wirtschaftlichen Aspekten handeln. Dort sollte sozialer Wohnraum entstehen.“