Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Café Durchbruch: Liebesgeschichten aus der Kult-Kneipe

Kult-Kneipe: Im Durchbruch in der Schustergasse haben sich einige Paare kennengelernt.
Kult-Kneipe: Im Durchbruch in der Schustergasse haben sich einige Paare kennengelernt.

Das Café Durchbruch in der Schustergasse genießt Kultstatus. Auch, weil über viele Jahre Menschen dort Geschichten erlebt haben, die sie nie wieder vergessen. Mindestens drei von ihnen handeln von Liebe und dem Partner fürs Leben. Die RHEINPFALZ erzählt sie.

Aktuell ist es ruhig in der Schustergasse mitten im Herzen der Speyerer Innenstadt. Das Café Durchbruch im Keller und der darüberliegende Bierbrunnen haben derzeit nicht geöffnet. Es gibt Differenzen um den Brandschutz. Viele Jahre öffneten spätabends die Pforten der Kult-Kneipe, Menschen trafen sich, feierten und erlebten Geschichten, die ihr Leben veränderten. So wie Marijana, die nur mit Vornamen genannt werden will.

„Das muss Liebe für immer sein“

Eigentlich saß sie schon auf gepackten Koffern. „Ich bin als Geflüchtete aus Kroatien nach Deutschland gekommen. Aber mir hat es hier nicht gefallen“, erzählt sie. Doch es kam anders. Da war dieser eine Abend, im Mai 1992, der Marijana zum Bleiben brachte. Sie war schon vorher öfter im „Bruch“ gewesen, aber dieser Abend war speziell. Schon einen Monat vorher war ihr Dirk aufgefallen. „Da haben wir uns zum ersten Mal gesehen und gesprochen“, erzählt sie.

Er sei dann jedoch in den Familienurlaub nach Italien gefahren, und schrieb ihr eine Postkarte. „Er hat den Namen falsch geschrieben, Marijana mit zwei N“, erinnert sie sich lachend. Weil auf der Postkarte auch die Hausnummer nicht stimmte, kam sie erst kurz vor dieser magischen Nacht im Durchbruch an. „Ich bin dann dort hin gerannt, weil ich ihn unbedingt wiedersehen wollte“, weiß Marijana noch.

Und da war er. Sie stand oben auf der Treppe, die runter ins Kellerlokal auf die Tanzfläche führt. Dirk stand unten. „Dann haben wir uns einfach angeschaut“, erinnert sie sich. Die Blicke trafen sich und es funkte. Sie setzte sich in die kleine Nische oben an der Treppe, er kam zu ihr und sprach sie an. „Er hat viel Interesse gezeigt“, erinnert sie sich. Interesse an ihr und am Krieg, vor dem sie fliehen musste.

Es blieb nicht bei dem einen Gespräch. „Seit diesem Tag sind wir unzertrennlich“, erzählt sie. Die beiden trafen sich oft, gingen zum Beispiel zu Konzerten in die Kneipe, bei denen die Betreiber des Durchbruchs Geld für Kinderheime in Marijanas Heimat Kroatien sammelten.

Sich in der Kult-Kneipe zu verlieben, hat für Marijana etwas Magisches. „Wenn es im Bruch passiert, muss es Liebe für immer sein“, sagt sie und lacht. Für sie und Dirk traf das auf jeden Fall zu. Auch mehr als 30 Jahre später sind beide noch ein Paar, haben mittlerweile geheiratet und Zwillinge bekommen.

Gerne würde Papa Dirk seinen beiden Töchtern – inzwischen 20 Jahre alt – auch mal die Kultkneipe zeigen, wenn die ihre Pforten wieder öffnet. Zum 25-jährigen Jubiläum entschied Marijana, Dirk zu überraschen. Sie lud Freunde und Wegbegleiter aus all den Jahren ein – natürlich ins Bruch. „Da haben wir bestimmt mit 20 Leuten gefeiert. Das war eine schöne Nacht.“

Marijana und Dirk.
Marijana und Dirk.

Nach ein paar gemeinsamen Schichten funkt es

Es war Anfang 2017, als Lorna Cerba mit einer Freundin eine Party besuchte. Sie wollte bei der Eventagentur Foonax als Aushilfe anfangen und schon einmal ein paar ihrer neuen Kollegen kennenlernen. „Danach ging es, wie in Speyer üblich, zum Weiterfeiern noch ins Bruch“, erzählt sie. Ihr jetziger Mann Marcel war damals ebenfalls bei Foonax als Aushilfe beschäftigt gewesen und kam an diesem Abend mit zum Feiern in die Schustergasse. „Er hat sich wohl auch gleich erkundigt, wer ich bin und mich dann angesprochen“, erinnert sie sich. Allerdings wimmelte sie ihren Zukünftigen erst einmal ab. „Mehrere Leute haben an diesem Abend versucht, uns zu verkuppeln“, weiß sie noch.

Doch es dauerte ein wenig, bis beide zueinander fanden: „Nach ein paar gemeinsamen Schichten auf unterschiedlichen Veranstaltungen hat es dann doch gefunkt.“ Bis die beiden letztlich ein Paar wurden, habe es jedoch noch ein Jahr gedauert. „Dann haben wir aber Nägel mit Köpfen gemacht, uns nach einem Jahr verlobt und kein ganzes Jahr später geheiratet“, erzählt sie. Mittlerweile hat die junge Familie ihr Glück gefunden, lebt mit dem gemeinsamen Nachwuchs im eigenen Häuschen. Beide haben ihr Kennenlernen nicht vergessen: „Im Spaß erwähnt er immer noch gern, dass ich ihn damals habe abblitzen lassen und er sofort wusste, dass er mich heiraten will“, sagt Cerba lachend.

Lorna und Marcel.
Lorna und Marcel.

Die Flasche Sekt führt zum Glück

Angefangen hat alles mit einer Flasche Sekt. „Das Nachtleben war damals wahnsinnig aktiv“, sagt Kerstin Rückwardt. Für sie blieb ein Abend 1993 besonders in Erinnerung. Mit ihrer Clique aus der 13. Klasse des Gymnasiums am Kaiserdom war sie oft in Speyer unterwegs. Damals sei für jeden Musikgeschmack etwas dabei gewesen. Start vieler Abende war das „Brighton“ in der Karmeliterstraße. Über das „Easy“ mit House-Musik in der Johannesstraße ging’s oft ins Bruch, in dem von Grunge, Alternativ, über Punk alles lief.

Dort musste Kerstin Rückwardt an diesem Abend 1993 unbedingt hin, denn „ich hatte eine Flasche Sekt gewonnen“, erinnert sie sich. So lernte sie in der Schustergasse ihren Mann kennen. Sie habe damals in die Runde gefragt: „Wer hat Lust, mitzutrinken?“ Neben einigen Freundinnen sei auch Matthias – der beste Freund des Bruders einer Freundin – mit in die Kult-Kneipe gekommen. Rückwardt nahm die Flasche Sekt in Empfang, stellte sie auf den Tisch und sie und Matthias begannen zu erzählen. Auch danach ging die Speyererin häufig ins Durchbruch: „Ich habe gehofft, dass ich ihn treffe.“ Das sei im Bruch eigentlich nie ein Problem gewesen, weil „man dort alle getroffen hat“.

Nach den Sommerferien 1993 sei Matthias aufs Pfalz-Kolleg gegangen und habe Abitur gemacht. „Wir waren in dieser Zeit eigentlich von Donnerstag bis Sonntag immer im Bruch“, erzählt Rückwardt. Die beiden gingen oft miteinander aus, verliebten sich und wurden ein Paar. „Nach elf Jahren haben wir geheiratet, nach 20 Jahren ein Kind bekommen“, sagt sie. Beide sind glücklich verheiratet. Für eine Rückkehr ins Bruch wäre sie jederzeit offen, sagt die Speyererin. Am liebsten bestimmt mit ihrer Clique von damals, ihrem Mann – und einer Flasche Sekt.

Kerstin und Matthias.
Kerstin und Matthias.

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