Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Busfahrer-Streiks: „Viele gehen in die Altersarmut“

Georgios Vassiliadis
Georgios Vassiliadis

Seit elf Jahren steuert Georgios Vassiliadis (57) Stadtbusse durch Speyer. Zuletzt standen wieder alle Räder still. Ellen Korelus-Bruder hat mit dem Busfahrer, Betriebsratsvorsitzenden des Auftragnehmers DB Regio Bus Mitte GmbH und Ludwigshafener Stadtrat über seine Einschätzung zu den Streiks und zur Zukunft des Stadtbusverkehrs gesprochen.

Herr Vassiliadis, das Verständnis der Fahrgäste für mittlerweile acht Arbeitsniederlegungen der Speyerer Busfahrer in der laufenden Tarifrunde nimmt ab. Können Sie das nachvollziehen?
Ja klar. Wir sind traurig, dass wir die Fahrgäste immer wieder enttäuschen müssen. Am hätten alle 90 Speyerer Busfahrer die Arbeit sofort wieder aufgenommen. Aber es geht um angemessene Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen und damit um die Zukunft des Speyerer Busverkehrs. Denn ohne attraktive Angebote können wir keine neuen Busfahrer gewinnen. Die meisten von denen, die jetzt da sind, gehen in zehn Jahren in Rente, viele von ihnen direkt in die Altersarmut. Wir verdienen zu wenig, um so viel in die Rentenkasse einzuzahlen, dass die Rente reicht.

Warum reichen Ihnen die Angebote des Arbeitgeberverbandes nicht?
Wichtig ist, dass Landes-Mobilitäts-Ministerin Katrin Eder uns inzwischen die Einführung des Rheinland-Pfalz-Index für 2025 zugesagt hat. Damit können höhere Gehälter für uns gesichert werden. Die zehnstündigen Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband am Dienstag vor einer Woche über den Tarifabschluss sind wieder gescheitert, einen neuen Termin haben wir nicht bekommen. Darum haben wir jetzt bis Sonntag eigentlich gegen die Politik gestreikt. Sie muss die finanzielle Differenz ausgleichen, die ohne Index entsteht. Aber seit Montag fahren wir wieder, obwohl die Bezahlung in allen Bundesländern um uns herum um drei bis vier Euro pro Stunde höher ist. Einer unserer Busfahrer hat deshalb einen Vertrag in Baden-Württemberg unterschrieben.

Ist jetzt Schluss mit Streik?
Weitere Arbeitsniederlegungen ab Anfang Juni kann und will ich nicht ausschließen. Dann streiken wir aber mit Notfall-Fahrplan, weil die Oberbürgermeisterin die Teilschließung unseres Unternehmens aufgehoben hat. Zehn Fahrer müssen sich bereiterklären, ihren Streik dafür zu unterbrechen. Das wird bestimmt gelingen. Dann sind die Schulbusfahrten abgedeckt und Stadtbus-Fahrten beispielsweise im Stundentakt möglich. Wir brauchen aber auch den Druck der Bevölkerung auf die Politik, um unsere Ziele durchzusetzen. Busfahren muss für Fahrer und Fahrgäste attraktiver werden.

Haben die Fahrgäste seit Einführung des neuen Linienverkehrs gewonnen?
Auf jeden Fall. Die Speyerer haben aus meiner Sicht jetzt einen hoch attraktiven ÖPNV mit einem flächendeckend guten Angebot. Ausgenommen die, die in Speyer-West an der Strecke der Linie 566 wohnen. Sie sind wirklich Leidtragende. Mehr Haltestellen, eine Direktverbindung in die Innenstadt, Sonn- und Feiertags-Fahrplan, Haltestellen-Häuschen und Papierkörbe fehlen. Hier müssen schnellstmöglich Verbesserungen her. Die OB hat deshalb bereits Gespräche mit dem Betreiber geführt. Ich bin sicher, dass sich nach der Sommerpause auch für die Nutzer der Linie 566 vieles zum Guten ändert.

Zur Person

Georgios Vassiliadis ist vor 57 Jahren in Ludwigshafen-Oggersheim zur Welt gekommen. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und vier Enkel. Der gelernte Geburtshelfer arbeitet seit elf Jahren als Busfahrer in Speyer und ist ehrenamtlich als Arbeitsrichter eingesetzt. Kommunalpolitisch ist er bei der SPD in Ludwigshafen engagiert und er ist Betriebsratsvorsitzender der Niederlassung Süd bei DB Regio Bus, zuständig für Speyer, Worms, Kandel und Albig.

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