Speyer Bunker unterm Hammer

Zentral: Der Bunker liegt gegenüber vom Rathaus.
Zentral: Der Bunker liegt gegenüber vom Rathaus.

«LUDWIGSHAFEN.» Das Berliner Auktionshaus Karhausen AG macht seit Jahren mit außergewöhnlichen Immobilien auf sich aufmerksam. Unter den verkauften Objekten waren zirka 1000 Bahnhöfe, einige Schlösser, ein ganzes Dorf in Brandenburg, Erich Honeckers Dienstwagen und das Jagdhaus des einstigen Stasi-Chefs Erich Mielke. Nun ist ein Ludwigshafener Hochbunker in der Bismarckstraße im Angebot. Der Hochbunker, der in den 1940er-Jahren gebaut wurde, gehörte lange Zeit der Deutschen Bahn. Die Nutzfläche von 1200 Quadratmetern erstreckt sich über acht Stockwerke. Die Lage ist zentral. Das Gebäude liegt mitten in einem Innenhof zwischen Ludwigsplatz und Bismarckstraße. Das Problem dabei: Zu betreten ist das Gebäude nur durch zwei Zugänge über die angrenzenden Nachbargrundstücke. Der Vorstand und leitende Auktionator des Auktionshauses, Matthias Knake, macht sich trotzdem keine Sorgen um den Verkauf: „Das Objekt ist wirklich sehr interessant und vielseitig nutzbar. Man muss sich eben mit den Nachbarn absprechen wegen der Zugänge.“ Knakes Unternehmen hat schon viele ähnliche Bunker in ganz Deutschland versteigert. Sie waren meist freistehend, dafür jedoch auch nicht so zentral gelegen. Was aus den Schutzräumen geworden ist, hat der Auktionator stets verfolgt: Mal wurden Millionen investiert und ein Penthouse auf dem Bunker installiert. Andere Male wurde kaum etwas geändert, und die Gebäude fanden als Proberaum oder Lager ihren Zweck. „Was aus den Gebäuden wird, interessiert mich immer brennend“, sagt Knake. Kaum jemand gebe vor dem Kauf bekannt, was er mit dem Gebäude vorhat – aus Sorge, dass dadurch der Kaufpreis steigen könnte. Selbst die Einrichtung eines Technoclubs, Konzertraums oder einer Disko wäre laut Knake im Ludwigshafener Bunker möglich: „Die Wände sind bis zu zwei Meter dick: Da kommt kein Schall durch. Selbst die Leute in den Häusern direkt nebenan hören keinen Ton mehr. Idealer könnte es für so ein geräuschintensives Projekt nicht sein“. Bei der Planung eines Veranstaltungsraums könnten aber fehlende Fluchtwege zur Herausforderung werden. Noch ein Grund für die völlig offene Zukunft des Bunkers ist der extrem niedrig veranschlagte Preis: Er könnte viele Interessenten anlocken, die nicht sofort Millioneninvestitionen etwa in Luxuswohnungen planen: Das Mindestgebot von 29.000 Euro ist weit unter dem Marktwert. Knake weiß: „Je niedriger der Mindestpreis, desto mehr Interessenten gibt es. Dadurch kommt das Objekt ziemlich sicher weg, und der Preis steigt oft noch mal enorm.“ Der Zustand der Immobilie könnte jedoch zum Hindernis für eine künftige Nutzung werden, falls das Gebäude nicht völlig kernsaniert werden soll: Es sind keine Sanitäranlagen mehr vorhanden, und im Innenraum ist es bereits zu Feuchtigkeitsschäden, Salpeterausblühungen, Vandalismus und tierischen Befall gekommen. Strom, Wasser und Abwasser fehlen ebenfalls. Trotzdem bleibt Knake optimistisch: „Das Sanieren geht auch ohne großen Umbau oft recht schnell, etwa um die weniger komplizierte Errichtung eines Lagers zu ermöglichen. Ein Abriss wäre ohnehin nicht finanzierbar und aufgrund des Tatsache, dass das Gebäude kürzlich unter Denkmalschutz gestellt wurde, auch gar nicht erlaubt.“ Termin und Kontakt Am 14. Juni findet die Versteigerung ab 11 Uhr im Auktionshaus in der Berliner Friedrichstraße 180 statt. Wer nicht vor Ort sein kann, darf als Telefonbieter teilnehmen oder einen schriftlichen Bietungsauftrag erteilen. In beiden Fällen muss sich der Interessent bis 7. Juni unter Telefon 030 8904856 oder E-Mail info@karhausen-ag.de registrieren lassen.

Potenzial: acht Stockwerke und 1200 Quadratmeter Nutzfläche.
Potenzial: acht Stockwerke und 1200 Quadratmeter Nutzfläche.
Optimist: Matthias Knake bei einer Auktion.
Optimist: Matthias Knake bei einer Auktion.
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