Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Buch über Speyer: „Ich hätte ganz andere Dinge schreiben können“

Als Buchautorin aktiv: Patricia Hemberger.
Als Buchautorin aktiv: Patricia Hemberger.

„Am Ende bin ich – ich selbst“. So hat Patricia Hemberger ihr zweites Buch genannt. Es handelt von ihr, und es handelt von ihrer Heimatstadt Speyer. Die langjährige Mitarbeiterin der Stadtverwaltung gewährt dabei Blicke in ihr Seelenleben und hinter die Rathaustüren und erklärt, warum sie lange nicht durchs Altpörtel laufen konnte.

Wer in Speyer städtische Marktmeisterin ist, ist auch eine öffentliche Person. Wer den Weihnachtsmarkt und all die Messen steuert, steht unter Beobachtung. Als Patricia Hemberger, damals noch unter ihrem Mädchennamen Holländer, 2013 nach 30 Jahren die Stadtverwaltung Speyer verließ, war das deshalb auch eine Meldung in der RHEINPFALZ wert. Sie sei längerfristig erkrankt, teilte ihr Arbeitgeber mit – und Hemberger zürnt noch heute ob dieser Indiskretion, wie sie meint. In ihrem neuen Buch macht sie das ebenso öffentlich wie die persönlichen Probleme, die sie damals und in anderen Phasen ihres Lebens hatte. Vor allem darum geht es in ihrem im Dezember erschienen Buch, aber auch darum, wie sie immer wieder aufgestanden ist.

Sie sei ein Scheidungskind, das oft kämpfen musste im Leben, so die heute 54-Jährige. Die Großeltern waren Ladeninhaber in Speyer, der Opa war Domorganist, sie selbst in der Verwaltung „ihrer“ Stadt tätig, also im vermeintlich „sicheren“ öffentlichen Dienst. Doch mehrere Stationen im Rathaus hätten sie nicht ausgefüllt. Zufriedener als von den Konflikten innerhalb ihrer Familie und im Hauptberuf erwähnt sie ihre selbstständigen Tätigkeiten als Stadtführerin, Ladeninhaberin und Designerin. Speyer-Kenner werden viele Schauplätze und handelnde Personen erkennen, ohne dass letztere namentlich erwähnt sind.

Heiße Eisen wie Korruption

Nein, sie wolle keine schmutzige Wäsche waschen, betont Holländer. „Ich will niemanden anklagen. In dem Buch kommen alle gut weg, ich hätte ganz andere Dinge schreiben können.“ Heiße Eisen wie angebliche Korruption in der Verwaltung oder Mobbing an ihrem zwischenzeitlichen Arbeitsplatz in der Tourist-Informationen deutet sie nur an. Vor ihrer Zeit als Marktmeisterin seien etwa allzu üppige Geschenkpakete nicht unüblich gewesen. „In der Zeit, als ich meine neue Stelle antrat, war das Thema Korruption ein großes. Es gingen Schreiben unseres obersten Dienstherrn durch die Büros, in denen angewiesen wurde, dass alle Beträge, auch Sachwerte über 5 Euro, nicht angenommen werden dürfen“, berichtet Hemberger. Sie habe Missstände immer angesprochen und sei damit angeeckt – auch das habe dazu beigetragen, dass sie letztlich gesundheitsbedingt die Stadt verlassen musste.

„Es hat mir das Herz gebrochen“, sagt Hemberger. „Ich konnte jahrelang nicht mehr durchs Altpörtel gehen.“ Durch das Stadttor, das für sie als Anbieterin von kulinarischen Stadtführungen jahrelang ein Dreh- und Angelpunkt war. Das sei ihr alles vermiest worden. Hemberger fand eine neue Liebe und zog nach Baden. Sie befreite sich „von alten Zwängen“, baute sich – nicht zum ersten Mal – etwas Neues auf. Sie betrieb ein Wolle- und Design-Geschäft, leitete Kreativkurse in Kliniken, war Lehrbeauftragte an Schulen, und sie war erfüllt davon. Dann kam Corona: „Wieder einmal musste ich von Neuem beginnen.“ Sie sei zur Texterin und Sachbuchautorin geworden, und sie habe die Gelegenheit genutzt, ihre eigene Lebensgeschichte aufzuschreiben. Sie tue das vor allem, um anderen Menschen Mut zu machen: „Schaut nach vorne, auch wenn ihr keine Luft mehr bekommt“, ruft Hemberger ihren Lesern zu. „Es gibt immer einen Weg.“

Roman in Vorbereitung

Der Kern-Verlag aus Thüringen mit seiner breiten Palette an Ratgeber-Literatur hat „Am Ende bin ich – ich selbst“ verlegt. „Mit diesem Buch habe ich mir einen Herzenswunsch erfüllt“, sagt Hemberger. Für sie ist es nicht nur eine Auseinandersetzung mit sich selbst und mit ihrer Heimatstadt. Es ist auch ihr zweites Buch nach „Maja“, ihrer Erzählung über das Schicksal einer Frau aus der Region („Keine leichte Kost“). Und es soll den Weg ebnen für ihren ersten Roman, an dem sie jetzt arbeitet. „Es wird eine geheimnisvolle Geschichte. Es geht um die Schöpfung, es geht auch wieder um Korruption“, kündigt sie an.

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