Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Bronze für Martin Salmon bei deutscher Meisterschaft

Alles richtig gemacht: Martin Salmon vom RV Dudenhofen gewinnt Bronze im Ausscheidungsfahren.
Alles richtig gemacht: Martin Salmon vom RV Dudenhofen gewinnt Bronze im Ausscheidungsfahren.

Bei der deutschen Meisterschaft glückt einem Lokalmatador ein Husarenstück. Sein Kumpel beißt sich nicht zum ersten Mal durch und beeindruckt seit seinem ersten Training.

Was für ein Coup von Martin Salmon! Es war kurz nach 21 Uhr am Mittwoch des ersten Tages der deutschen Bahnradmeisterschaften, die Temperaturen ins Angenehme gefallen, leichter Wind wehte. Als klar war, dass der Lokalmatador in Dudenhofen aufs Treppchen gefahren war, jubelten ihm die Zuschauer zu, riefen „Martin, Martin“, und der grüßte auf seiner letzten Runde mordsmäßig stolz ins Publikum zurück. Dritter im Ausscheidungsfahren hinter dem Europameister in dieser Disziplin, Tim Torn Teutenberg, und Tobias Müller, aber vor den Mitfavoriten Moritz Augenstein und Roger Kluge, der mit Teutenberg amtierender Weltmeister im Madison ist.

Ein hammerhartes Ergebnis. Viele Konkurrenten kamen und gratulierten von Herzen für diese offensive Fahrweise. „Im Ausscheidungsfahren musst du probieren, Kraft zu sparen, wo es nur geht. Und irgendwann wusste ich, dass ich hinten nichts mehr ausrichten kann, nur noch vorne“, gab der Maschinenbau-Student einen Teil seiner Strategie preis. Der andere Teil klingt sogar noch wesentlich simpler. „Spaß haben“, lautet der nämlich.

Salmon verblüfft

Kurzum: Salmon griff an, als er und noch sieben weitere Fahrer im Rennen, bei dem alle zwei Runden der letzte auf der Ziellinie ausscheidet, waren. Die Flucht nach vorne. „Dann musst du aber auch durchziehen, darfst nicht aufgeben“, sagte der 27-Jährige. Die Verfolger fanden kein Mittel dagegenzuhalten, erst als der Viertletzte ausgeschieden war, nahm Salmon die Füße hoch. Ziel erreicht, Podium. Mehr war nicht drin.

„Dass ich mich solange vorne halten kann, hätte ich nicht erwartet“, gab er zu, und auch noch etwas anderes: „Ich liebe Ausscheidungsfahren, aber eigentlich bin so Sch… drin.“ Schon beim Pfingstrennen hatte er als Siebter gezeigt, dass er reinhalten „und mein Ellenbogen ganz schön scharf sein kann“.

Radmacher macht Spaß

Martin Salmon trauert heute noch der vertanen Chance nach, die er 2018, als schon mal der RV 08 Dudenhofen die DM ausrichtete, nicht nutzte. Damals gerade im Team „Sunweb“ am Beginn einer Straßenkarriere, quälten ihn gesundheitliche Probleme, und „Sunweb“ hatte es nicht so mit der Bahn. „Ich hätte weinen können“, erinnert sich Salmon. Und 2024/2025? Seit August des vergangenen Jahres habe er nur ein Ziel gehabt, habe ihn die anstehende Heim-DM „jeden Tag aus dem Bett geholt und vor die Tür getrieben“. Das mit einem Profivertrag auf der Straße hat sich erledigt, jetzt will Salmon irgendwann seine Karriere auf der Bahn anständig beenden. Aus seinem Wohn- und Studienort Aachen sei er zuletzt etwa zweimal im Monat ins elterliche Heim in Dudenhofen angereist, um mit seinem Freund und Teamkollegen Nils Radmacher vor allem das Madison zu trainieren. Miteinander habe man mehr Spaß, „wenn man sich gegenseitig pusht, und mit Nils macht es einfach doppelt so viel Spaß“, versichert der Blondschopf, der schon sehr strukturiert, aber auch lustig und cool unterwegs ist.

Nils Radmacher, der 23 Jahre alte Polizeibeamte aus Neustadt, bestritt das Ausscheidungsrennen, das er auf Platz 14 unter 19 Teilnehmern beendete. Auf der linken Körperhälfte mehrfach bandagiert und verbunden. Die schlimmste Wunde, die er sich am Montag in Ludwigshafen beim Sturz mit dem Niederländer Roy Efting zugezogen hatte, sah man aber nicht: eine 2-Euro-Stück große und offene Wunde im Handteller. „Die ist recht schlimm, weil ich da den Lenker halten muss, aber ansonsten geht es mit den Schmerzen“, sagte Radmacher, wie Salmon ein Urgestein beim RV 08 Dudenhofen. „Nils kam als Neunjähriger zu mir ins Training. Er fuhr damals eine halbe Runde, stürzte, brach sich den Arm und ich dachte, den seh’ ich nie mehr“, erinnert sich Martins Vater Nick, ein Brite, der 1992 in den Verein kam, als die Familie noch in Berghausen wohnte. „Ich bin sehr stolz auf Nils“, meinte Nick.

Radmacher jedenfalls, eigentlich ein Straßenfahrer beim Team „Möbel Ehrmann“, will wie Salmon alle Ausdauerdisziplinen bei dieser DM fahren. „Dumm gelaufen, wir hatten beide Schuld an dem Sturz. Es behindert mich nicht wirklich. Ich blicke nach vorne, wer weiß, wann wieder eine DM hier in der Badewanne stattfindet“, sagte er und äußerte sich über Salmon sehr wertschätzend: „Er hat sich wirklich extrem hart vorbereitet. Es freut mich total, dass ihm dieser dritte Platz gelang, vor allem, wie er das machte. Einfach super“.

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