Speyer:
Briefe von Helmut Kohl an seinen „Kunstrat“ jetzt im Historischen Museum der Pfalz
Ab sofort sind die Briefe als Zeitzeugnisse im Museumsfoyer ausgestellt.
„Der Kunstrat soll kommen“: Wann immer Helmut Kohl, zunächst als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident, dann als langjährige Bundeskanzler, einen Rat in Sachen Kunst brauchte, war Berthold Roland gefragt. Der Kunsthistoriker arbeitete ab 1970 als Kunstreferent unter Bernhard Vogel im Kultusministerium in Mainz und war von 1982 bis 1998 offizieller Kunstberater des Bundeskanzlers Kohl. Unter seinem Mitwirken erwarb das Land Rheinland-Pfalz in den 1970er-Jahren das Schloss Villa Ludwigshöhe und den Slevogt-Nachlass mit 120 Gemälden. Von 1983 bis 1993 war Berthold Roland Direktor des Landesmuseums Mainz und der Villa Ludwigshöhe. Er stellte den Kontakt der Bildhauer Karlheinz Oswald und Serge Mangin zu Kohl her, die den Kanzler porträtierten. Beide Büsten schenkte Roland mit seiner Ike-und-Berthold-Roland-Stiftung 2017 dem Historischen Museum.
Zusammenarbeit auf Augenhöhe
Gestern erzählte der 92-jährige Roland in sehr lebendiger Weise von seiner „vertrauensvollen“ Zusammenarbeit mit Kohl, die „auf Augenhöhe“ und fern von parteipolitischen Verbindungen gewesen sei. Immer, wenn Kohl Vorworte und Reden zu kulturellen Themen schreiben und halten musste, war der „Kunschdrat“ gefragt.
Zu Rolands 80. Geburtstag bedankte sich Kohl in seinem Brief vom 24. Februar 2008 bei seinem Kunstberater: „Zudem haben Sie die Landesregierung und auch mich persönlich bei Kunsteinkäufen des Landes bestens beraten, und die Ausstellungen im Bundeskanzleramt wären ohne Ihre tätige Mithilfe so nicht denkbar gewesen. Zu all dem hat Ihre publizistische Arbeit viel zur Erforschung und Pflege der Kultur unseres Bundeslandes beigetragen.“
In diesem Brief ist auch von den Chagall-Fenstern in St. Stephan zu Mainz und Rolands Initiative dafür die Rede. Roland erzählte gestern, wie genau das war. Er, Roland, hatte von Pfarrer Klaus Mayers kühnem Plan dazu gehört. Aber wie das Ganze finanzieren? So sei er zu Kohl gegangen. Kohl habe nur gefragt: „Wird das was?“. Berthold Roland habe dem Politiker die Einzigartigkeit dieses Kunstprojekts klar gemacht, darauf Kohl: „Das erste Fenster ist bezahlt“.
Zeitlos aktuelle Äußerungen
„An manchen Stellen wirken Kohls Äußerungen zeitlos aktuell, etwa wenn er sich 1992 in einem Brief an Berthold Roland zur ,Gestaltung der deutschen Einheit ebenso wie […] der Fortführung des europäischen Friedenswerks, der Schaffung der Europäischen Union’ äußert“, sagt Museumsdirektor Alexander Schubert und zitiert aus einem der dem Historischen Verein der Pfalz geschenkten Briefe: „In einer Phase, in der tiefgreifende Veränderungen bei Vielen auch Ängste und Unsicherheiten auslösen, erfordert es große Anstrengungen, das als richtig Erkannte gegen Widerstände durchzusetzen. […] Zusammenhalt, Mitmenschlichkeit und die Bereitschaft zu solidarischem Handel werden in Deutschland auf dem Prüfstand stehen.“