Speyer Briefe an die Lokalredaktion:

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Speyer

als Bistum und Speyer als Stadt können es sich nicht leisten, das christliche und kunsthistorische Kleinod St. Ludwig mitsamt dem Boßweiler Altar zu verlieren – und dies aufgrund kaum nachvollziehbarer und kurzsichtiger finanzieller Interessen der Kirche. (...) Die Stadt war früher quasi gepflastert mit Klöstern, Kirchen und Kapellen, eine Stadt der Kirchtürme. Immer wieder wurden historische Gebäude auch aufgegeben und abgerissen, da der Erhalt zu teuer und der Abriss günstiger erschien. (...) St. Ludwig jedenfalls ist der Überrest der nach dem Dom zweitältesten Kirche der Stadt und der Boßweiler Altar ein kunsthistorisch bedeutender spätgotischer Flügelaltar. Es ist eine wahre Schande, wenn diese Kunstschätze wie im Fall des Altars abwandern beziehungsweise wie im Fall des Kirchenraumes umgenutzt und der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sind. Bischof Wiesemann könnte in meinen Augen viel tun für die Glaubwürdigkeit der Kirche und gegen die Verdrossenheit wegen der offensichtlich mangelnden Wahrhaftigkeit der Kirche in ihren finanziellen Angelegenheiten, wenn er die Kirche in ihrer kunsthistorischen und spirituellen Funktion Speyer und den Speyerern erhalten würde. Niemand wird angesichts von Prunk und Verschwendung, wie sie nicht nur an anderer Stelle wie in Limburg an den Tag gelegt werden, glauben, dass der Verkauf aus einer wirklichen finanziellen Notlage heraus notwendig ist. Man fragt sich oft, ob nicht noch viel mehr Sinnvolles mit dem in Deutschland sehr hohen Kirchensteueraufkommen geleistet werden könnte. (...) Bischof und Bistum haben hier eine kulturhistorische wie auch spirituelle Verantwortung gegenüber dem ihnen hinterlassenen Erbe dieses Kirchendenkmals. Der Erhalt eines wichtigen Kulturgutes und eines religiösen Symbols für die Stadt sollte nicht an kaum nachvollziehbaren finanziellen Argumenten scheitern. Es ist erfreulich, dass Bischof Wiesemann ein Gebäude in der Engelsgasse für geflüchtete Menschen zum Wohnen anbietet. Zu welchen Konditionen? Jetzt wäre zu wünschen, dass die Verhandlungen nicht scheitern, ob am Kaufpreis oder an den Renovierungskosten. Der politische Anspruch auf Wohnen geflüchteter Menschen in unserer Mitte und die Bereitschaft privater Vermieter zur Bereitstellung privater Wohnungen gehen leider weit auseinander. Das beklagt die zuständige Bürgermeisterin zu Recht immer wieder in ihrem Werben um privaten Wohnraum für geflüchtete Menschen. An wen wird eigentlich das Bistumshaus verkauft? Wäre das nicht eine Chance, mitten in der Stadt Wohnungen für geflüchtete Menschen zu schaffen? War das nicht auch ein „Hotelbetrieb“ mit besten Voraussetzungen für eine offene Begegnungskultur und Betreuung? Oder wenn schon verkauft wird, warum nicht an einen sozial engagierten Investor, der sich einem beispielhaften Integrationskonzept verpflichtet? Das wäre ein Beitrag zu einer echten Willkommenskultur, wo sich gerade in Speyer die Kirchen mit ihren Verbänden vielfältig und für mehr Vielfalt in besonderem Maße gesellschaftlich engagieren. Und wenn – abgestimmt mit der Stadtverwaltung und ihren Anstrengungen zur sozialen Wohnraumförderung – im ehemaligen Bistumshaus sogar ein integriertes Gesamtkonzept zum preiswerten Wohnen für Menschen mit geringen Einkommen und geflüchtete Menschen zustande käme, wäre dies ein großartiges Signal für unsere Stadt, die heute leider landesweit die Hitliste für das teuerste Mietpreisniveau und die höchsten Immobilienpreise anführt. Wohnraum in dieser Stadt fehlt im unteren Preissegment.

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