Speyer Briefe an die Lokalredaktion:

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Viele Speyerer, nicht nur Katholiken, empfinden es als ein unverständliches, rücksichtsloses Vorhaben der Verantwortlichen in der Speyerer Bistumsleitung, die ehemalige Konviktskirche St. Ludwig, errichtet auf dem Chor einer ehemaligen mittelalterlichen Dominikanerkirche, zu entweihen und irgendeiner sinnlosen, überflüssigen profanen Verwendung zu überlassen. Damit zieht sich die Kirche augenscheinlich mehr und mehr aus der Innenstadt (Bischofsstadt) zurück. Sie missachtet das Anliegen vieler Menschen, hier in der Hast des Alltags eine Stätte des Innehaltens oder des stillen Gebets mitten in der Einkaufsmeile zu finden. Der Zugang zur Ludwigskirche von der Korngasse her wäre ohne große Kosten zu ermöglichen, unabhängig davon, was auf dem Gelände des einstigen und jetzt ebenfalls im kirchlichen Ausverkauf feilgebotenen Bischofshauses (das eine gut eingerichtete und gerne auch von Nichtkatholiken genutzte Tagungsstätte war) einmal werden soll. Bei dieser Gelegenheit sollten sich ältere Speyerer Mitbürger daran erinnern, dass die ehemalige Villa Ecarius, ab 1972 verwahrlost und zum Abriss freigegeben, Ende der 70er Jahre durch eine beispiellose, breit in der Bevölkerung verwurzelte Bürgerinitiative gerettet wurde. Heute sind wir stolz auf die Erhaltung eines denkmalgeschützten Gebäudes, das für Kultur (Vortragsveranstaltungen, Stadtbücherei und Musikschule) zweckdienlich zur Verfügung steht. Muss also die Ludwigskirche zweckentfremdet werden für eine weitere kulturelle Begegnungsstätte, deren wir wahrlich in Speyer genügend haben? Und wo bleibt eine Bürgerinitiative zur Erhaltung eines kleinen, aber durch wertvolle Inneneinrichtung (Boßweiler Altar, spätmittelalterlicher Wandteppich und anderes) Gotteshauses, das unersetzlich zur Innenstadt gehört? „Der Geist des Herrn weht, wo er will…“ Vielleicht auch im Bistum, vielleicht auch im Stadtrat (mit einer christlich geprägten Mehrheitsfraktion), vielleicht auch bei Bürgerinnen und Bürgern, denen der Erhalt der St. Ludwigskirche am Herzen liegt. Zum nächsten Brezelfest wollen wir wieder unsere Dirndl und Lederhosen tragen. Wir fanden schon letztes Jahr, dass die Idee einer „gemeinsamen Tracht“ das Brezelfest ungemein bereichert hat: Die Menschen hatten unheimlich gute Laune, Dirndlträgerinnen und Lederhosenträger wurden von Nicht-Trachten-Trägern positiv angesprochen, Touristen waren angetan, und wir vermuten, dass die Trachten der gesamten Stimmung auf dem Fest sehr gut getan haben. Da wir zwei kleine Kinder haben, sind wir nicht zur offiziellen Polonaise mitgelaufen. Trotzdem haben wir uns alle in unsere Trachten geschwungen, sind mit Freunden aus Karlsruhe (auch in Trachten) vergnügt aufs Fest gegangen und haben der Polonaise, als sie auf dem Festplatz ankam, feste zugejubelt. Wir glauben, dass die Trachten das Brezelfest sehr bereichern und Potenzial zum „Kultstatus“ haben. Daher bitte daran festhalten. Die Idee wird sich nicht totlaufen. Es wird sicherlich kreative neue Ideen rund um das Dirndl geben – die Speyerer sind schließlich Weltmeister. Wer, wenn nicht wir, findet bis nächstes Jahr eine neue tolle Möglichkeit, um in Trachten ausgelassen feiern zu können?!

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