Am Rande Brezelfest: Diebstahl als Erinnerung fürs Leben
Das Speyerer Brezelfest mit seinen geschätzt 100.000 Besuchern über sechs Tage wäre längst nicht so erfolgreich, wenn es keine treuen Fans wie Anna und Otto Haaf aus Berghausen hätte. Otto Haaf war vergangenes Jahr sogar der älteste Besucher beim Seniorennachmittag auf dem Fest. Der 94-jährige Römerberger bedauert es sehr, dass er diesmal gesundheitsbedingt nicht dabei sein konnte. Er teilt mit den Leserinnen und Lesern allerdings gerne eine Episode, die seine jahrzehntelange Verbundenheit mit dem Brezelfest bestens belegt.
1968 war es, da ist er sich ganz sicher: Wie so oft sind die Haafs die fünf Kilometer aus dem Nachbarort zum Festplatz geradelt. Wie so oft haben sie ihre Drahtesel an den Bäumen zur Industriestraße hin angeschlossen, bevor sie sich in den Trubel stürzten. Ein paar Fahrten in den Boxautos gehörten laut Otto Haaf ebenso dazu wie kühle Getränke im Festzelt. Es wurde jedenfalls abermals ein schöner Abend – bis das Ehepaar sich nach Mitternacht wieder auf den Sattel schwingen wollte und feststellte, dass eben jener Sattel am Rad von Anna Haaf fehlte. Er war tatsächlich gestohlen worden. „Wir haben gesucht bis in die Steingasse“, berichtet Otto Haaf über die erfolglose Aktion danach.
„Ich hatte schon Malheur“
Nach Hause gekommen sind sie dennoch: Der Gentleman der alten Schule überließ seiner Gattin das intakte Herrenrad und strampelte auf deren Gefährt im Stehen bis ins Dorf. Das erklärt wohl auch, warum ihm die Sache so gut in Erinnerung geblieben ist: „Ich hatte schon Malheur.“