Speyer Brand auf Passagierschiff: Das ist bisher zum Einsatz in Speyer bekannt

Lage vor Ort: Qualm aus dem Maschinenraum.
Lage vor Ort: Qualm aus dem Maschinenraum.

„Riesen-Glück im Unglück“: So bezeichnete Peter Eymann, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur in Speyer, die Umstände des Großeinsatzes wegen eines Feuers auf einem Fahrgastschiff. Wäre der Brand am Montagmorgen an anderer Stelle ausgebrochen, hätte die Sache deutlich schlimmer ausgehen können.

[aktualisiert, 13.10 Uhr] Die Brandmelder der „Thurgau Gold“ hatten kurz vor Speyer angeschlagen. Das Fahrgastschiff war auf dem Weg von Frankfurt nach Basel – der Besuch mehrerer Weihnachtsmärkte stand auf dem Programm –, als die rund 150 Passagiere sowie 42 Besatzungsmitglieder gegen 3.40 Uhr aus dem Schlaf gerissen wurden. Ein Kapitän und ein Maschinist erreichten laut Feuerwehrchef Peter Eymann als Erste den Bereich, aus dem schon dichter Qualm drang: den Maschinenraum.

Das große Glück bestand darin, dass das Passagierschiff nicht weit entfernt von Speyer war, wo es eigentlich gar nicht anlegen sollte. Die Crew versuchte laut Eymann noch, den Ölhafen zu erreichen, das Schiff war dazu aber nicht mehr imstande. Es musste am Steiger am Flaggenmast festmachen. „Da funktionierten nur noch die Manövrierdüsen am Bug“, so der Feuerwehrchef. Folge: Das Schiff ragte hinten in den Strom hinein und musste von der Feuerwehr mit einem Tau an das Ufer gezogen werden.

Schwieriger Einsatz: Löschen im Dunkeln vom Wasser aus.
Schwieriger Einsatz: Löschen im Dunkeln vom Wasser aus.

Löscheinsatz auch vom Wasser aus

Parallel startete ein großangelegter Löscheinsatz zunächst vom Wasser aus. Die Wehr musste per Boot um das Schiff herumfahren, setzte Pumpen und Wasserwerfer ein. Allein das Löschen des Vollbrands im Maschinenraum habe fast zwei Stunden gedauert, so Eymann. Die großen Flammen seien bald gebändigt gewesen, aber die Nachlöscharbeiten an Kabeln und in Hohlräumen des engen Maschinenraums hätten sich hingezogen. Es sei gegen Ende neben Wasser auch Schaum eingesetzt worden, von dem aber nichts in den Rhein gelangt sei.

101 Feuerwehrleute aus Speyer und aus der Verbandsgemeinde Rheinauen mit 32 Fahrzeugen sowie großem Equipment waren rund fünf Stunden lang im Einsatz. Polizei und Rettungsdienst kamen hinzu. Die Drehleiter der Feuerwehr wurde benötigt, um den morgendlichen Einsatzort von oben auszuleuchten, wie Eymann berichtet. Er ist heilfroh, dass weder jemand auf dem Schiff noch von den Einsatzkräften verletzt wurde. Das sei bei einer solchen Schadenslage keine Selbstverständlichkeit. Wenn das Schiff gerade auf offener Rheinstrecke, ohne Möglichkeit, schnell und sicher anzulegen, gefahren wäre, hatte das ganz anders ausgehen können.

Schlauch der Feuerwehr schmilzt

Die Flammen seien so heiß gewesen, dass nicht nur Lack des Kreuzfahrtschiffs abgeplatzt, sondern auch ein Schlauch der Speyerer Feuerwehr geschmolzen sei, berichtet der Einsatzleiter. Der Wind habe den Rauch in Richtung des badischen Ufers gedrückt, sodass die Wehrleute und die nach wenigen Minuten auf dem Deck versammelten Passagiere nicht stark beeinträchtigt worden seien. Für die Betreuung der internationalen Fahrgäste erwies sich wiederum der Einsatzort Speyer als Glück: Die Feuerwehr nahm Kontakt zu einem ehrenamtlichen Kameraden auf, der das Lokal „Alter Hammer“ direkt am Flaggenmast betreibt – und die Passagiere kamen dort morgens unter. Sie erhielten ein Frühstück und Getränke.

Mit schwerem Gerät: Wehrleute nähern sich dem Feuer.
Mit schwerem Gerät: Wehrleute nähern sich dem Feuer.

Um 4.08 Uhr hatte das Schiff in der Domstadt für die Brandbekämpfung angelegt, gegen 8.45 Uhr durften die Fahrgäste zurückkehren. Es ging aber für sie nur noch darum, ihr Gepäck zu packen. Die „Thurgau Gold“ ist aktuell nicht mehr fahrtüchtig. Die Reederei Thurgau Travel teilte am Montag mit: „Es wird von einem erheblichen Schaden an den Motoren ausgegangen, der eine Werftinstandsetzung erforderlich macht.“ Die eigentlich bis Dienstag angesetzte Kreuzfahrt war beendet, die Reederei musste sich um die Rückreisen kümmern. Das habe geklappt: „Bereits um 8.30 Uhr standen Busse bereit, die Passagiere und Gepäck gegen 10 Uhr Richtung Heimat beziehungsweise zum nächstgelegenen ICE-Bahnhof brachten.“

Reederei bezieht Stellung

In Bezug auf den Brand spricht sie von einem technischen Defekt, dessen genaue Ursache noch unbekannt sei. Die erste Bewertung: „Die Brandmelde- und Notfallsysteme funktionierten einwandfrei, was der Crew eine effiziente und koordinierte Evakuierung ermöglichte.“ Unter den Passagieren seien 135 Schweizer und 14 Deutsche gewesen. Sie seien individuell betreut worden und bekämen nun neben Umbuchungen die Rückerstattung bereits geleisteter Zahlungen angeboten. Auch für schon geplante weitere Fahrten auf dem Rhein wird das Schiff zunächst ausfallen. Es war am Montag unterwegs zu seinem nächsten Stopp Baden-Baden, hätte auf der Rückfahrt aus Basel aber am Mittwoch in Speyer anlegen sollen.

Kurz vor 9 Uhr: Rückkehr auf das Schiff.
Kurz vor 9 Uhr: Rückkehr auf das Schiff.

Reederei-Vertreter sind am Montag nach Speyer gekommen, um den noch nicht bezifferten Schaden zu begutachten. Laut Feuerwehrchef Eymann ist der Maschinenraum komplett zerstört: „Von alleine fährt das Schiff nirgendwo mehr hin.“ Die „Thurgau Gold“ ist ein noch junges „Fünf-Sterne-Luxusschiff“ – das Flaggschiff der AG aus Weinfelden (Schweiz). „Das 2023 gebaute Schiff wurde stets gemäß den gesetzlichen Vorgaben gewartet“, teilt diese mit. Thurgau-Travel-Werbung zufolge ist es „mit der derzeit fortschrittlichsten und umweltschonendsten Technik ausgestattet“. Es ist 135 Meter lang und für bis zu 182 Passagiere ausgelegt.

Die Wasserschutzpolizei und die Versicherung kamen ebenfalls für Ermittlungen vor Ort. Am Montagnachmittag gab es bei der Wasserschutzpolizei noch keine näheren Erkenntnisse, so eine Sprecherin: Ein Brandschutzbeauftragter sei bestellt, eine Weiterfahrt des Schiffes untersagt.

Glück im Unglück: Einsatz vom Bereich Flaggenmast aus möglich.
Glück im Unglück: Einsatz vom Bereich Flaggenmast aus möglich.
x