Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Boris Stijelja im Theater Alte Werkstatt

Boris Stijelja: Mit der Besinnlichkeit und dem vorweihnachtlichen Konsumrausch räumt er in seinem Programm zum Fest gründlich au
Boris Stijelja: Mit der Besinnlichkeit und dem vorweihnachtlichen Konsumrausch räumt er in seinem Programm zum Fest gründlich auf.

Die Lachmuskels des Publikums waren beim vielumjubelten Gastspiel von Boris Stijelja im Theater Alte Werkstatt einer regelrechten Dauerattacke ausgesetzt.

Dass dem in Ludwigshafen lebenden deutsch-kroatischen Comedian und Künstler, der das Boulevardtheater Deidesheim leitet, auf der Bühne so gar nicht nach Feiern zumute war, lag weniger am verpassten Einzug der Fußballer Kroatiens ins WM-Finale, sondern vielmehr an der thematischen Vorgabe, hat er doch seinem Soloprogramm den Titel „Weihnachten fällt aus! Josef gesteht alles!“ gegeben. Auch für den Protagonisten ist es verdammt schlecht gelaufen. Er muss seinen Trennungsschmerz verarbeiten und wird von der Horrorvision gequält, als Single die Feiertage im Kreis der Großfamilie verbringen zu müssen. Der Onkel ist der größte Aufschneider, seit es Chirurgen gibt, die Oma erzkatholisch und die Schwester eine vegane Waldorf-Öko-Feministin. Da fühlt er sich selbst als „Borkenkäfer am Baum der Familie.“

Boris Stijelja haut die Pointen fast schon im Sekundentakt heraus, neigt bisweilen zum Improvisieren und bedient sich eines originellen sprachlichen Konglomerats aus Hochdeutsch und Pfälzisch. Am Bühnenrand hat er ein megagroßes Tagebuch aufgeschlagen, das ihm als Spickzettel dient. Und in kurzen Abständen nippt er immer wieder am Schorleglas. Erwartungsgemäß geht der 40-Jährige auf Tuchfühlung mit dem Publikum und hat sich dabei Maren aus der ersten Reihe auserkoren. Sie wird wiederholt mit eindeutig zweideutigen Bemerkungen beglückt.

„Hölle pur“

Mit der Besinnlichkeit und dem vorweihnachtlichen Konsumrausch räumt Stijelja gründlich auf. Er reduziert die Feiertage auf Geschenke und Fressen, spricht von einer „Hölle pur“, in der die Signale auf Streit stehen, und beklagt, dass der tiefere Sinn des Festes abhanden gekommen sei. Dabei liebe doch Gott alle Menschen – „auch wenn das manchmal ein beschissener Job ist.“ Mit der Religion habe er als Katholik keine Probleme, verrät er. Dennoch verzichte er inzwischen trotz der fragwürdigen Kochkünste seiner Mutter auf das Tischgebet. Aus humoristischem Blickwinkel beleuchtet Boris Stijelja komplexe theologische Themen, philosophiert in trivialer Diktion über die Jungfrauengeburt und beleuchtet die Rolle des Josef, den er als Vorbild herausstellt, weil er alles gewusst, aber nichts gesagt habe. Diese Botschaft verbindet der Comedian mit dem Appell, nicht immer nur an sich zu denken, sondern hilfsbereit und menschlich zu sein.

Nicht alles aus dem Mund des routinierten Vortragskünstlers bewegt sich freilich auf anspruchsvollem Niveau. Ohne allzu flache Gags und den Griff in die Klischee-Schublade kommt das Programm nicht aus. Beispiel gefällig? „Warum verkauft Aldi Nord Südzucker?“ Der Kalauer vom Deckoffizier auf dem Kreuzfahrtschiff wirkt ebenso abgegriffen wie die Herstellung von Marmelade durch das Ausdrücken von Berlinern.

„Sex reizt mich nicht mehr“

Und die dem archaischen Rollendenken entsprungene Lebensweisheit, dass Männer daheim nichts zu sagen haben, weil Frauen rhetorisch stärker sind, eignet sich noch immer für herzhafte Lacher. Auch die Feststellung „Sex reizt mich nicht mehr“, die man einem 40-Jährigen Sonnyboy nicht ernsthaft abnehmen kann.

Der Bühnenprofi versteht es, immer wieder abzuschweifen, um ohne erkennbaren Zusammenhang die eine oder andere Pointe zu setzen, dann aber doch wieder zum eigentlichen Thema zurückzufinden. Dialog zwischen Mann und Frau: „Was wünschst du dir zu Weihachten? - Die Scheidung. So viel wollte ich nicht ausgeben.“ Nicht nur als Stand-up-Comedian mit kabarettistischen Anwandlungen, sondern auch musikalisch hat Boris Stijelja einiges drauf. Bei dem etwas makaber anmutenden Melodram, in dem er das Ende einer Beziehung mit der Axt besiegeln will, ließ er seinem schwarzen Humor freien Lauf. Doch er konnte auch anders – mit der Hymne „De Riesling werd knapp“, deren Wahrheitsgehalt vom amüsierten Pfälzer Publikum ganz massiv in Zweifel gezogen wurde.

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