Speyer Boßweilers Erbe

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Die Kirche St. Ludwig in der Johannesstraße soll entweiht werden. Darin befindet sich auch ein Schatz: der Boßweiler Altar. Regens Markus Magin hatte bereits im Frühjahr angekündigt, ihn an einer anderen Stelle aufzubewahren. Noch ist der Altar jedoch nicht umgesiedelt worden.

Seit März bietet das Bistum Speyer das große Grundstück samt Gebäuden des ehemaligen bischöflichen Konvikts und Priesterseminars in der Innenstadt zum Verkauf an und verhandelt wie berichtet darüber mit der Stadt. Ende des Jahres sollen Pläne zur künftigen Nutzung des Areals vorliegen. Die auf dem Gelände befindliche Kirche soll entweiht werden. Oberbürgermeister Hansjörg Eger kann sich dort eine kulturelle Begegnungsstätte vorstellen. Regens Markus Magin, der ehemalige Leiter des Bistumshauses St. Ludwig und Leiter des Priesterseminars St. German, will den Boßweiler Altar entnehmen zu lassen. Wohin er kommt, ist fraglich: Die Pressestelle des Bistums teilte dazu auf Anfrage mit: „Die künftige Verwendung des Altars und der weiteren Ausstattungsgegenstände von St. Ludwig, ebenso der Zeitpunkt ihrer Entnahme, sind noch offen.“ Bei dem Flügelaltar mit Darstellungen der Weihnachtsgeschichte und einem ebenfalls die Kirche schmückenden Wirkteppich handelt es sich laut Bistum um zwei bedeutende pfälzische Kunstwerke der Spätgotik. Zu ihrer beider Herkunft lieferte der verstorbene Speyerer Kunsthistoriker Clemens Jöckle ein interessantes Szenario. Der Teppich – der Fachbegriff lautet „Antependium“, er ist ein vor oder an den Seiten eines Altarunterbaus angebrachter reich verzierter Stoffvorhang – stammt aus Zeit von 1480/90. Er zeigt eine von Engeln und Heiligen umgebene Gottvater-Pietà und Wappen der Familie Geisenberg. Die lebte nahe Basel, ein in dem Speyerer Dominikanerkonvent eingetretenes Familienmitglied hat den Teppich vermutlich gestiftet. Etwa genauso alt ist der Boßweiler Altar, der nach dem Ortsteil der Gemeinde Quirnheim bei Grünstadt benannt wurde. Als Bischof Nikolaus von Weis im Jahr 1860 die Pfarrei des damals selbstständigen Dorfes Boßweiler besuchte, entdeckte der ihn begleitende Domkapitular Wilhelm Molitor mehrere unbeachtet herumstehende, stark verschmutzte Einzelgemälde. Molitor nahm sie mit nach Speyer, reinigte sie und legte dabei die Altarbilder frei. Er ließ sie auf eigene Kosten restaurieren und in der Katharinenkapelle des Doms aufstellen. Dort waren sie gut 100 Jahre untergebracht, begannen allerdings unter Feuchtigkeit zu leiden. 1961 kam der Boßweiler Altar in die klimatisch besser geeignete Seminarkirche St. Ludwig. Der mittlere Altarteil stellt die Verkündigung an Maria dar, der linke Flügel die Geburt Christi, der rechte Flügel die Heiligen Drei Könige bei der Anbetung. Nach Jöckles Erkenntnissen handelte es sich bei dem unbekannt gebliebenen Künstler um einen reisenden Meister ohne eigene Werkstatt, der in seinem Kunstwerk Anregungen aus dem oberdeutschen und flämisch-niederländischen Raum verarbeitete. Die Altardarstellungen entstanden demnach zwischen 1480 und 1490. Der Auftrag dazu kam möglicherweise aus dem Kloster Rosenthal bei Kerzenheim. Die Tafeln kamen nach der Auflösung des Klosters nach Boßweiler.

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