Speyer Blindheit ist kein Hindernis

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Jeder kann helfen – das beweist der Schifferstadter Joachim Hinz. Er engagiert sich beim Schifferstadter Team 31 und bereitet Flüchtlinge erfolgreich auf Sprachprüfungen vor. Dass er blind ist, stellt für ihn kein Hindernis dar.

Natürlich muss Hinz aufgrund seiner Blindheit ein paar Hürden mehr nehmen als Sehende. Aber damit hat er nie gehadert. Der 55-Jährige ist von Geburt an blind, „so blind, blinder geht’s nicht“, sagt er und lächelt. Er erzählt von seiner Kindheit in den 1960er Jahren im Ruhrgebiet, die ausgesprochen schön gewesen sei. Nach dem Abitur folgte ein Lehramtsstudium für Französisch, Englisch und Spanisch. Heute arbeitet Hinz in der Textverarbeitung im Mainzer Bildungsministerium. Seit elf Jahren lebt er mit seiner Frau und seinem Sohn (11) in Schifferstadt. Der Sprache ist er also treu geblieben. Dank der digitalen Möglichkeiten. Hinz zeigt seine „Tastatur“, eine Blindenschriftzeile. Ein schmales Gerät, das er an den Laptop anschließt. Navigiert er über den Bildschirm, fahren millimeterkleine, graue Stäbchen hoch und geben in Blindenschrift wieder, was auf dem Monitor steht. Das Gleiche passiert, wenn er etwas über die „normale“ Tastatur eingibt. Mit der technischen Hilfe kann Hinz auch Sprachkurse für Flüchtlinge meistern. „Der Computerbildschirm dient mir dabei als Tafel“, erklärt er. Doch warum ausgerechnet Sprachkurse für Menschen, die kaum Deutsch sprechen? „Meine Frau ist schuld“, sagt er. Seit 2014, also noch vor der Flüchtlingswelle, gibt Andrea Hinz (48) Sprachkurse. Sie unterrichtet an der Volkshochschule und ist Koordinatorin für den ehrenamtlichen Deutschunterricht für Flüchtlinge in Schifferstadt. Schnell merkte sie, dass es besonders für Frauen mit Kindern schwierig war, zu den Gruppenstunden zu kommen – sei es wegen des Weges, sei es wegen der Betreuung der Kinder. „Es ist besser, in die Familien zu gehen, und dort zu unterrichten“, lautet ihr Fazit. Auch wenn das aufwendiger ist. Dann 2015, auf dem Höhepunkt des Flüchtlingsstroms, wurden händeringend Sprachlehrer gesucht: „Und ich konnte nicht helfen. Eben weil die Verständigung anfangs viel über Hände und Füße geht“, erzählt Joachim Hinz, das fuchste ihn. Aber bald stellte sich heraus, dass auch Asylbewerber, die bereits erste Deutschkurse absolviert haben, Unterstützung brauchen. Und zwar bei den Integrationskursen des Bundesministeriums für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die auch Sprachkurse beinhalten. Nach Erfahrung von Andrea Hinz „werden die Leute durch diese Kurse durchgepeitscht“. Aber die Teilnehmer haben ganz unterschiedliche Voraussetzungen. Für viele ist das Lerntempo zu schnell. Doch das Bestehen der Sprachprüfung in den verschiedenen Leistungsstufen sei elementar für die weitere Zukunft der Flüchtlinge, insbesondere für die Jobsuche. Und genau hier kommt Joachim Hinz ins Spiel. Er bereitet die Prüflinge intensiv vor, im Einzelunterricht oder in Zwei-Personen-Gruppen. „Wichtig ist, dass wir genügend Zeit haben“, sagt er. Der eine oder andere Schüler hatte schon Bedenken, ob der Sprachunterricht mit einem Blinden funktionieren könnte. „Doch nach der ersten Stunde ist das meist verflogen“, erzählt Hinz. Zu seinen Schülern zählt das Ehepaar Meri Gebre und Hagos Gobozay aus Eritrea. Seit eineinhalb Jahren leben sie in Deutschland. Kennengelernt hat das Ehepaar Hinz die beiden über das Lillengassen-Orchester, in dem die 20-jährige Meri mitmachte. Hinz ist ein ausgesprochener Musikliebhaber, spielt Instrumente und sammelt Musik anderer Kulturen. Sein „Appetit auf Neues“ macht es ihm leicht, Flüchtlingen zu begegnen, sagt er und ist überzeugt: „Wir können so viel voneinander lernen.“ In ein paar Wochen haben Meri Gebre und Hagos Gobozay ihre Sprachprüfungen. Einmal in der Woche ist Hinz bei ihnen: Heute geht es unter anderem um Textverständnis. Das junge Paar schlägt sich gut. Dann wird ein Diktat geschrieben. „Für die Auswertung brauche ich meine Frau“, erklärt er. Hierfür und für kleinere Fahrdienste zu seinen Schülern wünscht sich Hinz Hilfe. „Vielleicht findet sich ja ein Ehrenamtlicher“, hofft er. Dann wäre diese Hürde auch geschafft. Kontakt Das Team 31 sucht Helfer, vor allem für Deutschkurse. Kontakt: Vorsitzender Karl Fischer, Telefon 06235 1754, oder E-Mail an karl-josef.fischer@gmx.net. Infos auch unter www.team31.jimdo.com.

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