Speyer Blick über den deutschen Tellerrand

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Die Nachricht über das Erscheinen einer editierten Version von „Beren und Luthien“, der vermutlich wichtigsten Liebesgeschichte im Werk des im Jahr 1973 verstorbenen J. R. R. Tolkien hat sich unter der Speyerer Leserschaft wie im Lauffeuer verbreitet. Die neue Edition verankert die Liebesgeschichte zwischen einem Sterblichen, Beren, und einer unsterblichen, adeligen Elbin, Lúthien, im literarischen Weltkanon der Liebesgeschichten.

Neben Tolkiens Liebesmythos, erfreut sich Maja Lundes Roman „Die Geschiche der Bienen“ weiterhin großer Aktualität. Ansonsten hat der Sommer klar Einzug gehalten: die Meister des Krimihandwerks Donna Leon, Jean-Luc Bannalec, Martin Walker und Co waren fleißig, und so dürfen sich ihre Leser an heißen Sommertagen wie jedes Jahr von der spannenden literatischen Spurensuche im Süden Europas verführen lassen. Da die aktuellen Listen in Speyer somit nicht so viel Überraschungen bieten, werfen wir in diesem Monat einen Blick über die Grenze: nach Frankreich, genauer gesagt nach Paris. Direkt neben der renommierten Université de Sorbonne, neben den rot-beige geflochtenen Stühlen der benachbarten Brasserie, auf der Ecke der Rue des Écoles, Hausnummer 58, befindet sich die Buchhandlung „Compagnie“. Dort gibt es neben wissenschaftlicher Lektüre auch ein üppiges Angebot aktueller Belletristik. Welche Romane haben die Nase vorn, was lesen die Pariser Studenten, Dozenten und anderen Kunden im sommerlichen Zentrum von Paris? Die Buchhändlerin Bronia Cohut verrät den Lesern der Speyerer RHEINPFALZ die aktuellen Bestseller der Librairie Comagnie sowie ihren persönlichen Favoriten darunter. „Auf Platz eins steht im Moment der Roman von Tanguy Viel ,Article 353 du Code Pénal’ (Artikel 353 des Strafgesetzbuches). Der Roman dreht sich um die Gerichtsverhandlungen über den Mord am Bauträger Antoine Lazenac. Der Täter ist Martial Kemeurs, er hat Antoine ins Wasser gestoßen. Der bekannte Kriminal-und Thrillerautor Viel folgt den Ereignissen, die zur Tat führten: die Scheidung von Memeurs, die Bewachung seines Sohnes, dessen Entlassung und schließlich die verlockenden Immobilienprojekte in Lazenec.“ Platz zwei nimmt Eric Vuillards Roman „L’ordre du jour“ (Die Tagesordnung) ein – eine bissige historische Dokumentation über die Annexion Österreichs durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938. Auf Platz drei finden wir Arturo Pérez-Reverte mit seinem Roman „Deux hommes de bien“ (Zwei Edelmänner). Der aus dem spanischen übersetzte Abenteuerroman erzählt von der Reise zweier gebildeter Männer – dem Bibliothekar Hermógenes Molina und dem Admiral Pedro Zárate – von Madrid nach Paris am Ende des 18. Jahrhunderts. Dabei haben die beiden ein konkretes Ziel: Sie wollen von dort die 28-bändige Enzyklopädie mitbringen, die in ihrem Land aus religiösen Gründen verboten ist. In Paris stoßen sie nicht nur auf einen neuen, freieren Lebensstil, sondern begegnen auch unerwarteten Herausforderungen. „Dies ist mein momentaner Lieblingsroman, er liest sich hervorragend“, so die Buchhändlerin Cohut. Und lesen die Pariser denn gar keine Krimis? „Doch, natürlich, die Kriminalromane von Fred Vargas sind Kult und verkaufen sich Jahr um Jahr wie frische Baguettes“, sagt Cohut – und lacht. Der letzte Kriminalroman von Fred Vergas, der ins Deutsche übersetzt wurde, landete prompt auch in den deutschen Bestsellerlisten. Er trägt den Titel „Das barmherzige Fallbeil“. Der neueste französische Titel von Vargas „Quand sort la recluse“ (Wenn die Einsiedlerin herauskommt) erschien im März 2017 und spürt einer Mordserie im zoologischen Feld nach: Mord durch eine Einsiedlerspinne ...

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