Speyer Blüten in allen Regenbogenfarben

Ganz früh am Morgen: Langsam erhellt sich der Himmel über der Stadt, Vögel zwitschern, bei 15 Grad ist es windig. In der Dämmerung ist das sechs auf zwölf Meter große Bild kaum zu sehen, das einige Stunden später die Fronleichnam feiernden Gläubigen erfreuen soll. Am Vorabend haben Helfer aus Sand, Sägespänen, Blumenerde, Steinen und farbigen Holzhackschnitzeln die Grundlage geschaffen. Jetzt geht’s an den Feinschliff.
Es ist kurz nach 5 Uhr, als Gabriele, Sebastian und Helmut Schmotz mit Unterstützung von fünf freiwilligen Frühaufsteherinnen die am Vortag gesteckten oder gezupften Blüten und andere Utensilien aus den Anhängern laden. Alle frösteln. Johannes, Ruth, Veronika, Jonas und Sebastian verabschieden sich. Die Jugendlichen der Pfarreiengemeinschaft St. Otto und St. Hedwig berichten müde, aber glücklich von einer ruhigen Nachtwache am Dom. Nun gilt es, das Christusbild zu vollenden. „Wir entscheiden spontan, wo was hinkommt“, erklärt eine Helferin. Gabi Schmotz macht den Anfang und setzt lila Blüten auf das Gewand der Christusfigur. Weiße Sommerastern zieren den Heiligenschein, liebevoll setzt Regina aus St. Konrad kleine Blüten in Zwischenräume. Letzte Blumenköpfe werden von Marianne Gundersdorff und ihren Helferinnen abgeschnitten und behutsam um die ins Bild integrierten Steinpoller gelegt. Beim Strecken, Legen und Bücken darf nichts kaputtgehen. Die Zeit vergeht wie im Flug. Gegen 6 Uhr zieht Helmut Schmotz mit einem Stock die Konturen des Regenbogens über der Jesusfigur. Immer wieder geht sein Blick prüfend zum Blatt mit der Vorlage. Seine Frau überarbeitet das Gesicht und streut bunten Sand auf Lippen und Augen. Mit Hilfe von Dachlatten wird das Motto des Tages „Gutes Leben – für alle“ aus roten Gerbera in der unteren Bildhälfte ausgerichtet. Es duftet herrlich, als die Frauen mit vollen Händen aus weichen tiefroten, lila, gelben und orangen Rosenblüten den Regenbogen gestalten. Die beiden Männer rollen Rollrasen als Begrenzung des Bildes aus. Weitere Akzente kommen hinzu – gelbe Mummies verzieren den Rand, bunte Rosenköpfe den Weg aus Hackschnitzeln, auf dem später der Bischof entlanggehen darf. Um 7 Uhr werden die letzten Rosenblüten ausgelegt, dann ist alles fertig. Hummeln und Bienen fliegen über das bunte „Blumenmeer“, die Kirchenfahnen wehen im frischer werdenden Wind. „Schön, einfach schön“, so die Aktiven stolz. Auch die Pfarrer Hubert Ehrmantraut und Matthias Bender und einzelne Spaziergänger sind voll des Lobes. Noch einige Erinnerungsfotos, dann gibt es Kaffee und Frühstück im Dompfarrhaus. Dann rufen Dusche, Gottesdienst und Prozession. Abends wird alles wieder eingesammelt.