Speyer „Bin ich das Problem oder der Computer?“
Seit gestern hat Dudenhofen einen Computer- und Internet-Treff für Senioren. Bei der Eröffnung im Keller des Bürgerhauses kamen die drei extra dafür aufgerüsteten PCs erstmals zum Einsatz. Sowohl die Vorkenntnisse als auch die Interessen der Besucher waren dabei ganz unterschiedlich.
Es ist eine ganz grundlegende Frage, die Mathias Helfrich am Donnerstag ins Bürgerhaus geführt hat. „Ich würde gerne feststellen: Bin ich das Problem oder der Computer?“, sagt der 81-Jährige. Helfrich sucht seit Jahren im Internet Telefonnummern raus, oder informiert sich darüber, wo Veranstaltungen sind und was der Eintritt kostet. Als sein alter Computer den Geist aufgab, holte er sich mit der Unterstützung seines Enkels einen neuen PC. „Mein Enkel kennt sich da gut aus.“ Aber, wie das so ist, Zeit hat der Enkel nicht genug, um bei jedem Problem zur Stelle zu sein. „Jetzt habe ich da einen neuen Computer stehen, und komme nicht damit klar.“ Genau solche Probleme waren es, die Klaus Schmieder vor zwei Jahren auf die Idee brachten, einen Computer-Treff ins Leben zu rufen. Der Vorsitzende des Seniorenbeirats der Ortsgemeinde Dudenhofen kennt sich gut aus mit Computern, immer wieder wurde er von anderen Beiratsmitgliedern deswegen um Rat gefragt. „Ich war der Einäugige unter den Blinden“, sagt der 66-Jährige. Tatsächlich hat Schmieder reichlich Erfahrung: Er arbeitete nicht nur als IT-Techniker für ein großes Kommunikationsunternehmen, er leitete auch die Computer-AG in der Grundschule Heiligenstein. Vor zwei Jahren trat Schmieder also mit seiner Idee an die Gemeinde heran. Alles klar, hieß es dort, sobald wir neue Arbeitsplatz-PCs kriegen, könnt ihr die alten bekommen. „Eine Auflage gab es allerdings“, erzählt Schmieder. „Aus Datenschutzgründen mussten die Festplatten ausgebaut werden.“ Also überzeugte er die damalige Stadt- und Kreissparkasse Speyer davon, 500 Euro für den Kauf neuer Festplatten bereitzustellen. „Jetzt sind die Geräte so gut wie neu.“ Ein- bis zweimal im Monat soll der Computer-Treff zusammenkommen, die genauen Zeiten wird Schmieder noch bekanntmachen. Und was sollen die Senioren genau lernen? „Da bin ich ganz offen, jeder kann mit seinen Problemen zu uns kommen.“ Margret Burkhardt freut sich über das Angebot, die 69-Jährige würde sich gerne online über Rezepte und Dekorationen informieren, oder ein paar Tipps für den Garten raussuchen. „Ich habe auch ein Gerät, das ist aber noch nicht mal angeschlossen.“ Vor zehn Jahren habe sie sich schon mal ein bisschen eingearbeitet, „aber das habe ich alles wieder vergessen“. Während Burkhardt also bei den Grundlagen einsteigen will, ist ein anderer Besucher schon fast ein Profi am PC. Karl Lenz arbeitete früher am Computer, zum 65. Geburtstag bekam er von seinem Sohn ein eigenes Gerät geschenkt. Zum Dank bekommt der Sohn jetzt regelmäßig Bilder vom Wandern per E-Mail zugeschickt, oft bearbeitet Lenz die Fotos vorher am PC. Was er im Computer-Treff noch lernen will?„Es gibt immer wieder Dinge, wo man hängen bleibt“, sagt Lenz. Mathias Helfrich hat da schon Mal einen guten Tipp parat: „Gehe nie vor dem Einschlafen an den PC, sonst regst du dich so auf, dass du überhaupt nicht mehr schlafen kannst.“ (seed)