Speyer
„Bin eigentlich ein Raiffeisenmann“
Der Berghausener mit Leib und Seele bleibt zeit seines Berufslebens Genossenschafter. „Regionale Nähe ist mir wichtiger als Shareholder Value“, sagt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Mit diesem Bekenntnis zur Idee hat Heribert Hofmann eine beeindruckende Karriere hingelegt in der Genossenschaftsfamilie. „Ich bin eigentlich ein Raiffeisenmann“, sagt er von sich. Der Leitspruch „Einer für alle, alle für einen“ stammt vom Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818–1888): Der schuf Ende des 19. Jahrhunderts im Westerwald ein Modell zur Unterstützung unbemittelter Landwirte für den gemeinsamen Einkauf von Produktionsgütern wie Saatgut und Düngemitteln. Es wurde für die landwirtschaftlichen Genossenschaften die Basis des Handels, ebenso wie der Name des Erfinders „Raiffeisen“ Namensbestandteil und Marke wurde. Dem fühlt sich Hofmann verpflichtet, das sind seine Wurzeln. Er hat aber auch den Wandel und die Weiterentwicklung der Idee in den modernen Markt miterlebt: neue Entwicklungen, Geschäftsfelder, Fusionen beschäftigen ihn immer wieder, fordern ihn heraus, bringen ihn aber auch weiter. Dabei bleibt Hofmann immer regional „geerdet“.
Landwirte als Partner
Es ist irgendwie ein bezeichnender Zufall der Geschichte, dass die jüngste Fusion seines aktuellen Arbeitgebers, der seit 2019 inzwischen als Vereinigte VR Bank Kur- und Rheinpfalz Speyer, mit der VR-Bank Rhein-Haardt, dem Institut ausgerechnet – und erstmals für Speyer – ein landwirtschaftliches Warengeschäft beschert. Hofmann gefällt das. Zu einem „Raiffeisen“ hat das immer dazugehört. „ Landwirte haben was auf dem Konto und mit ihnen lassen sich Geschäfte machen“, wie Hofmann schon seit seiner Lehre in Berghausen weiß.
Die erste Station nach dem erfolgreichem Abschluss als Bankkaufmann ist 1976 die des Zweigstellenleiters in Heiligenstein. Nach der Bundeswehrzeit als Feldjäger kehrt er als Chef der Römerberger Filiale zurück. Von 1990 bis 1995 ist er schon Prokurist und Mitglied der Geschäftsführung der Speyerer Volksbank. „Der Name ist wichtig. Es gibt heute nicht mehr viel Genossenschaftsbanken mit vorangestelltem Ortsnamen als Zeichen der regionalen Bedeutsamkeit und Wertschätzung“, merkt Hofmann an.
Zwischen 1995 und 2001 ist er Bereichsleiter bei der VR Bank Südpfalz, trommelt in rund 60 Abendveranstaltungen mit den Politikern der Region für den Euro und stellt die Vorzüge der neuen Währung vor, erinnert er sich. Es folgt der Schritt über den Rhein zur Karlsruher Lebensversicherung AG und Karlsruher Hinterbliebenenkasse AG. 2007 wechselt er nach Wiesbaden in die Zentrale der R+V Allgemeine Versicherung. 2009 bis 2012 steht sein Schreibtisch in Stuttgart. Er koordiniert von dort aus bundesweite Kommunikations- und Vertriebsprozesse.
Bei einem Meeting spricht ihn der heutige Vorstandsvorsitzende der „Vereinigten“, Rudi Müller an und fragt, ob er nicht zurückkehren wolle nach Speyer. Es gebe eine geeignete heimatnahe Verwendung für ihn. Am 1. Januar nimmt der Diplom-Bankbetriebswirt (ADG) seinen letzten Job als Leiter des Immobilienvertriebs bei der heutigen VR Bank Kur- und Rheinpfalz an. „Mir kann da zupass, dass ich 1981 am Institut für Wirtschaftswissenschaften am Technikum in Weil am Rhein meinen Immobilienmakler gemacht habe,“ sagt Hofmann und schmunzelt. Auf dem „Spielfeld“ fühlt er sich pudelwohl. Der Kommunikator liebt das Reden mit Menschen und das Netzwerken. Er besitzt Verhandlungsgeschick und hat Gespür für den Immobilienmarkt. Nach eigenen Angaben kann er gut mit seinen Wettbewerbern. „Man kennt sich einfach“, sagt er.
„In der Region läuft das Geschäft sehr, sehr gut.“ Die Nachfrage sei da, in Speyer sowieso, aber auch in Ketsch, Schwetzingen, Haßloch, Bad Dürkheim. Inzwischen suchten viele auch wieder etwas auf dem Land mit eigenem Garten. Davon profitierten Gemeinden wie Dudenhofen, Lingenfeld oder Berghausen. „Eine S-Bahn-Anbindung ist zum wichtigen Kriterium geworden“, plaudert er über jüngste Erfahrungen.
Nachfolger steht bereit
Hofmann steckt noch voll drin im Geschäft, das ist bei jedem Wort zu spüren. Da trifft es sich gut, dass sein Nachfolger, der neue Bereichsleiter und Prokurist Bernhard Ellbrück schon da ist und von seinem Vorgänger profitieren kann.
„Ich hätte schon vor zwei Jahren in Ruhestand gehen können“, unterstreicht Hofmann. Aber auf Bitten seiner Chefs habe er weitergemacht bis nach der Fusion. Außerdem sei das Klima im Unternehmen ausgesprochen gut – auf allen Ebenen. Es gebe eigene Verantwortung, aber immer Rückenwind vom Vorstand“, schwärmt er von einer „tollen Bank, eine der Top Ten in der Bundesrepublik“. Dennoch freut er sich auf die neue Zeit. Der alte Fußballer Hofmann will wieder mehr Sport machen. Im Alter von 17 Jahren – damals nur mit einer Sondergenehmigung möglich – hat er schon in Berghausen in der Ersten“ gekickt. Mit 33 Jahren hat er die Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Seither waren Skifahren, Tennis und Radfahren seine Vorlieben. Und das Engagement in örtlichen Vereinen. Von daher kennt er genug „Spielkameraden“. Zur Not kann er mal in die Bank gehen.