Speyer
Bewässerung im Gemüseanbau: Viel verdunstet
Der Klimawandel in Form global steigender Temperaturen, gemeinhin als Erderwärmung bezeichnet, nimmt auch in der Pfalz an Fahrt auf und führt zu einem Absinken der Grundwasserstände. Langsam beginnt die Politik, darauf zu reagieren. Denn mit der bisher gebührenfreien Nutzung von Grundwasser in der Landwirtschaft soll es bald vorbei sein, sagte Diana Bunzel, wissenschaftlich-technische Direktorin der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (Lufa) in Speyer.
Die Politik habe sich bisher auf Sicherung der Wasserqualität konzentriert, während der Mengen-Aspekt kaum eine Rolle spiele, erklärte Bunzel am Donnerstagabend im städtischen Umweltausschuss. Doch nun würden Gesetze vorbereitet, nach denen der Grundwasserverbrauch künftig mit Gebühren belegt werden soll, teilte die promovierte Lebensmittelchemikerin mit. In Rheinland-Pfalz sind nach einem Gesetzentwurf der Landesregierung 6 Cent pro Kubikmeter für Grund- und 2,4 Cent pro Kubikmeter Oberflächenwasser vorgesehen. Den halben Preis zahlen Wasser- und Bodenverbände. Zum Vergleich: Pro Kubikmeter Trinkwasser zahlt ein Privatverbraucher derzeit im Bundesmittel ungefähr 2 Euro.
Sonnenstunden nehmen zu
„Ohne Beregnung kann man in der Pfalz kein Gemüse mehr anbauen“, so Bunzel. Denn in den vergangenen Jahren seien die Sommerniederschläge stark zurückgegangen; gleichzeitig hat die Anzahl der Sonnenstunden erheblich zugenommen. Nach dem sogenannten Dürremonitor (im Netz: www.ufz.de) liegt der Anteil an pflanzenverfügbarem Wasser im Oberboden bis 25 Zentimeter Tiefe in der gesamten Pfalz derzeit zwischen 0 und 20 Prozent. Bei weniger als 30 Prozent spricht man bereits von Trockenstress. In den vergangenen 16 Jahren habe die mittlere jährliche Grundwasserneubildung im Landesschnitt um 25 Prozent abgenommen. Besonders davon betroffen seien die Regionen Rheinhessen und Oberrhein.
Das Gemüseanbaugebiet in der Vorderpfalz mit rund 19.000 Hektar werde jährlich mit ungefähr 15 Millionen Kubikmeter Wasser beregnet, informierte Bunzel; das entspricht etwa 15 Milliarden Litern. 13.500 Hektar Anbaufläche werden vom Beregnungsverband Vorderpfalz mit Wasser aus dem Otterstadter Altrhein versorgt. Ein Ausbau auf 22.000 Hektar sei geplant. Wegen häufigeren Niedrigwassers des Rheins und sinkender Grundwasserstände sei eine Anpassung der Bewässerungsart nötig.
Mehr Hirse und Mais?
Die sogenannte Anwendungseffizienz bei der klassischen Beregnung liege lediglich bei 60 bis 70 Prozent, erklärte Martin Armbruster, Leiter des Lufa-Versuchsfeldes im Rinkenbergerhof. Die Versickerungsverluste seien zwar gering, doch die Verdunstungsverluste hoch. Optimal sei die Mikrobewässerung mit einer Anwendungseffizienz zwischen 80 und 90 Prozent, erklärte er. Bei Tropf- oder Sprühbewässerung seien die Verdunstungs- und Versickerungsverluste gering, allerdings die Material- und Lohnkosten relativ hoch. In Kleingärten entspricht der vorteilhaften Technik demnach die gezielte und vergleichsweise kostengünstige Bewässerung per Gießkanne.
Eine weitere Möglichkeit für Landwirte, sich auf die steigenden Temperaturen und trockenen Perioden einzustellen, sei der Wechsel zu Kulturpflanzen, die relativ wenig Wasser benötigen, so Armbruster. Beispielsweise könnten die trockenheitstoleranten Hirse und Mais die durstigen Sojabohnen und Kürbisse ersetzen.