Speyer
Besondere Polizeikontrolle: Wenn vor der Schule die Eltern erzogen werden
7.30 Uhr. Zuerst fahren die drei Polizeiautos durch den Rainer-Maria-Rilke-Weg zur Woogbachschule. Acht Beamte steigen aus – und sind sofort im Einsatz. Denn jetzt kommen die Kinder und ihre Begleiter. Der Verkehr nimmt kurz vor Schulstart deutlich zu. „Wir wollen Präsenz zeigen“, erklärt Valerie Jakob, Sprecherin der Polizeiinspektion Speyer, den Ortstermin mit gelben Warnwesten über der Uniform. In den ersten Wochen nach den Sommerferien würden die Kontrollen vor den Schulen ausgeweitet. Jeder Standort in Speyer und Umland werde besucht. „Wo es eher zu problematischen Situationen kommen kann, sind wir häufiger“, so Jakob. Zum Beispiel an der Woogbachschule, Speyers größter Grundschule.
„Späher“ ums Eck
Acht Beamte ermöglichen eine sogenannte große Kontrolle. Ein Beamter steht ein Stück entfernt in der Kurve und schaut als „Späher“ in die Autos, um Gurt- oder Handyverstöße zu entdecken. Diese könnten vor einer Schule besonders fatale Wirkungen haben. Weitere Kollegen winken die Autos heraus, wenn sie angefunkt werden. Zwei Beamte stellen sich an die Kreuzung direkt vor dem Schulhof: Die Hauptkommissare Marcus Ammer und Thorsten Hofmann sind sonst im Bezirksdienst tätig, um den Kontakt zur Bevölkerung zu halten. Sie übernehmen heute eine ganz ähnliche Rolle: „Wir kommunizieren viel“, sagt Hofmann. Sie erklären die Polizeipräsenz vor Ort, helfen Kindern über die Straße, gestikulieren und grinsen. „Die Leute sind sehr verständnisvoll“, so Hofmanns Bilanz.
Um Viertel vor acht werden erste Punkte verteilt. Zwei Autos stehen hintereinander am Straßenrand, weil ihre Fahrer Verstöße begangen haben. Der Papa, dessen Tochter aus dem Fond des SUV springt, muss sich einem „verkehrserzieherischen Gespräch“ stellen: Das Mädchen war nicht angeschnallt. 60 Euro Buße und ein Punkt in Flensburg kommen auf den Erwachsenen zu. Jakobs Gesamtbilanz am Ende: drei Kinder ohne Kindersitz, vier Kinder ohne Sicherheitsgurt, ein Erwachsener ohne Gurt sowie eine Fahrt ohne Fahrerlaubnis. Das sei nicht wenig – obwohl es auch den eindeutigen Effekt gebe, dass Fahrer schnell noch nachbessern, wenn sie die Polizisten erblicken.
Knöllchen für Falschparker
„Die meisten wissen, was sie falsch gemacht haben“, sagt einer der Kontrolleure. Ihre „Ausrede“ sei meist der Zeitdruck am Morgen – was natürlich nicht vor Strafe bewahrt. Ein Knöllchen erhält auch der Halter des Wagens aus Oer-Erkenschwick, der im Halteverbot steht. Dafür unterstützt das städtische Ordnungsamt samt der Beigeordneten Irmgard Münch-Weinmann (Grüne) die Kontrolle. Das Halteverbot auf einigen Metern vor der Einmündung des Eduard-Mörike-Wegs sei aus gutem Grund eingerichtet worden, so die Politikerin. Dutzenden Kindern versperrt der Falschparker an diesem Tag den Blick auf die Straße, die sie überqueren müssen.
Sowohl die Beigeordnete als auch Polizistin Jakob loben die Präventionsbemühungen der örtlichen Schulen. Die Woogbachschule etwa habe vorbildlich Kinder wie Eltern sensibilisiert. Selbstgemalte Schilder an der Zufahrt sind Aufforderungen an die „Elterntaxis“, hier nicht anzuhalten – was an diesem Tag auch klappt. Michaela Einse, die gerade ihre Tochter zur Schule gebracht hat, findet es gut: „Wir Eltern sind ja auch interessiert daran, dass die Kinder sicher ankommen.“ Auch die Polizeikontrollen begrüßt sie: „Ich war zwar zuerst überrascht über die viele Polizei, aber natürlich ist der Einsatz sinnvoll.“
Für das zu Fuß gekommene Mutter-Tochter-Gespann gibt es umgekehrt Lob von den Ordnungshütern: „Sie beachten unseren Appell, nicht vor die Schule zu fahren. Besser ist es, in Gruppen, zu Fuß oder mit einem sicheren Fahrrad zu kommen“, erklärt Jakob. 100-prozentige Sicherheit gibt es indes nicht: Das ist auch allen Beteiligten an der Woogbachschule klar, wo es an diesem Morgen auf der Kreuzung 20 Minuten lang in alle Richtungen wuselt. Dennoch fruchte die Aufklärungsarbeit, sagt die Kommissarin. Direkt vor Speyers Schulen habe es in den vergangenen zwei Jahren keine Unfälle mit Kindern gegeben.
Zufrieden mit der Bilanz
Die Verkehrssachbearbeiterin sieht aktuell auch keine Schule in Speyer mit erheblichen Problemen im Anfahrtsverkehr. Ein erhöhtes Verkehrsaufkommen gebe es jedoch fast überall: an den Grundschulen wegen der „Elterntaxis“, an großen Standorten wie dem Doppelgymnasium wegen der Anzahl an Personen, an einem Mehrfachstandort wie der Siedlungsschule wegen der ganz verschiedenen Altersklassen. Folge laut Jakob: „Da die wenigsten Schulen für diesen Umfang an Parkmöglichkeiten ausgelegt sind, kommt es immer wieder zu Parkverstößen und temporären Verkehrsbeeinträchtigungen.“ Dennoch ist sie zufrieden mit der Kontrollbilanz des Sommers: Verstöße habe es eher vereinzelt gegeben, besondere Vorkommnisse aus ihrer Sicht gar nicht.
Auch wenn das Schuljahr fortschreitet, wolle die Speyerer Polizeiinspektion nicht nachlassen: Jakob kündigt weiterhin regelmäßig Präsenz an den Schulen an, „insbesondere wenn es in Richtung der dunklen Jahreszeit geht, um den Schulweg für alle Beteiligten sicherer zu machen“.