Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Bernadetta Šunavská an den Orgeln im Dom

Bernadetta Šunavská spielte im Dom zu Speyer.
Bernadetta Šunavská spielte im Dom zu Speyer.

Krieger, Wiedertäufer, und Hexen in Musik: Einen grandiosen Orgelabend bot die slowakische Organistin Bernadetta Šunavská im Dom zu Speyer.

Einen grandiosen Orgelabend bot die slowakische Organistin Bernadetta Šunavská am Abend vor Fronleichnam im Dom zu Speyer mit einem außergewöhnlichen Programm, in dessen Zentrum eines der größten Monumentalwerke der Orgelmusik stand.

Nachdem im vorletzten Orgelkonzert mit einer Orgelfassung der „Tannhäuser“-Ouvertüre von Wagner der Venusberg in der Kathedrale beschworen wurde, kamen diesmal im sakralen Raum Krieger, Münsteraner Wiedertäufer, Hexen und eine Fliege „zum Klingen“.

Bernadetta Šunavská begann ihr Konzert an der Chororgel mit Musik von William Byrd. Seine Battell ist eine Schlachtmusik, allerdings weniger als Programmmusik denn als Folge von Märschen mit anschließendem Siegestanz, einer Galliarde. Bernadetta Šunavská bewies dabei, wie bunt und lebendig sie die Alte Musik zu entfalten vermag.

 Franz Liszts Grab auf dem Friedhof in Bayreuth.
Franz Liszts Grab auf dem Friedhof in Bayreuth.

Dann erklang auf der großen Orgel das erwähnte Monumentalwerk mit Franz Liszts knapp halbstündiger Fantasie und Fuge über den Choral „Ad nos, ad salutarem undam“ aus Giacomo Meyerbeers Wiedertäufer-Oper „Der Prophet“. Bernadetta Šunavská spielt die Komposition ebenso virtuos und vielgestaltig im Klang wie souverän in der Anlage. Ihr Vortrag war von einem packenden, in sich stimmigen Spannungsbogen und einer genauen Ausarbeitung der musikalischen Charaktere bestimmt, dabei nie auf Knalleffekte aus, sondern auf eine konsequente Auslegung des Riesenstücks.

Dieses war übrigens vor über zehn Jahren zum letzten Mal im Konzert auf der Domorgel in Speyer erklungen, in jüngster Zeit wurde es in Speyer dagegen mehrfach auf der großen Orgel der Gedächtniskirche gespielt.

Als Kontrast gab es nach Liszt drei kurze Stücke von Béla Bartók, darunter das kesse „Aus dem Tagebuch einer Fliege“. Auch hier faszinierte der Sinn der Musikerin für ein ebenso lebendiges wie farbiges Orgelspiel.

Die Speyerer Domorgel
Die Speyerer Domorgel

In der Fantasie C-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach traf Bernadetta Šunavská den Sturm-und-Drang-Charakter und die überraschende und originelle Form des Werks optimal und ließ dessen bemerkenswerte Modernität bestens zur Geltung kommen. Auch bei einer Suite aus César Francks „L’Organiste“ verblüffte die Wandlungsfähigkeit und Präsenz ihres Orgelspiels.

Zum Schluss dann kamen die Hexen in der „Nacht auf dem kahlen Berge“. Bernadetta Šunavská hatte Modest Mussorgskijs Tondichtung für die Orgel bearbeitet und dabei – was ausgesprochen verdienstvoll ist – das Original zugrunde gelegt und nicht die davon nicht unerheblich abweichende gefällige Version von Rimski-Korsakow. So kam das Unkonventionelle und Ungeheure dieser Musik bestens zur Wirkung, zumal die Organistin ihre ausgefeilte und schillernde Bearbeitung, bei der sie klanglich individuelle Akzente setzte, mit phänomenaler Intensität und schillernder Vielfarbigkeit musizierte.

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