Speyer
Beispiel „New People“: Das lange Leid der Innengastronomie
Selbst wenn die Bundesnotbremse auch in Speyer außer Kraft gesetzt wäre, wäre für eine Branche der Lockdown immer noch nicht beendet: Für die Innengastronomie genügt keine Inzidenz zwischen 50 und 100, um Gäste mit negativem Test bewirten zu dürfen. Bei diesen Betrieben muss sie unter 50 liegen. Es gibt einige davon in Speyer. Wirtin Adriana Jombik gehört mit ihrem „New People“ in der Ludwigstraße dazu und macht sich seit Wochen mit Kritik an den Maßnahmen bemerkbar. „Zerstörung der Gastro – Stopp den Irrsinn“, steht etwa auf einem Transparent an dem Gebäude.
Jombik kritisiert die Kopplung der Öffnungsschritte an bestimmte Inzidenzwerte, für die sich der Bund und – was die 50er-Marke betrifft – auch das Land entschieden haben. Sie plädiert für eine Öffnung unter Vorgabe von Hygienevorschriften. Sie habe alle Behörden kontaktiert, dringe aber mit ihren Argumenten nicht durch, lautet ihr Eindruck.
Weitreichende Folgen
Die Folgen seien weitreichend für ihre Betriebe, so die 34-Jährige. 2018 hat sie das „New People“ übernommen, 2019 kam das „Bistro Vogelgesang“ hinzu, 2020 das „Magic Einstein“ in Speyer-West. Dieses sei nur einen Monat geöffnet gewesen, bevor der November-Lockdown kam, der nun schon mehr als ein halbes Jahr andauere. Die Festangestellten unter ihren zehn Mitarbeitern seien in Kurzarbeit, den Aushilfen habe sie gekündigt. Die Staatshilfen, die sie erhalten habe, reichten angesichts der laufenden Betriebskosten „vorne und hinten nicht“. Außerdem habe sie Speisen und Getränke im Wert von mehreren 1000 Euro wegwerfen und -schütten müssen.
Sie hatte für ihre beiden Betriebe mit Freisitzen im Vogelgesang und in West zumindest auf die zweite rheinland-pfälzische Öffnungsstufe zum 21. Mai gesetzt, so Jombik. Jetzt werde es 2. Juni, und auch dann bleibe die Testpflicht für ihre Gäste bestehen. „Wir waren kein Infektionsherd, daher verstehe ich nicht, warum unsere Branche so an den Pranger gestellt wird“, sagt sie.