Speyer Bei jedem Hieb kann es schiefgehen

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Gesichter, Köpfe, das ewige Thema Frau/Mann oder eine Personengruppe werden von sechs der acht Teilnehmer des Bildhauerkurses der Volkshochschule bis Freitag vor dem Rathaus in Dudenhofen gehauen, gemeißelt, modelliert. Zwei, die zum ersten Mal dabei sind, versuchen sich die Woche über am Haardter Sandstein an einer Eule und einer Burg. Für alle sind es mit die spannendsten, auch deshalb schönsten Tage des Jahres. Regen, Hitze, Lärm, die körperliche Anstrengung, andere Widrigkeiten blenden sie aus. Wichtig ist allein die Konzentration auf den Moment.

Gustav Adlhoch, bei sechs der sieben Kurse dabei, hat sich vorgenommen, einen Januskopf zu schaffen: Das menschliche Antlitz im Profil einmal realistisch, einmal geometrisch, klare Kante, Kontur. Adlhoch nennt es: „Im Stein den Gegensatz ausloten.“ Ihn reizt, sich komprimiert Zeit für sich, das Wesentliche zu nehmen und zu entdecken, was im Stein steckt. Zum Stichwort Faszination sagt er: „Etwas zu schaffen, mit dem ich tief einverstanden, zufrieden sein kann.“ Bleibt auch die Zeit, nach rechts und links, zu den Kollegen, Kolleginnen zu schauen, sich auszutauschen. Nicht ganz so groß wie die Moais auf Rapa Nui wird der „Steinkoloss“ von Petra Nitsche. Geschätzt zwischen 400 und 1200 errichtet, als Bindeglied der diesseitigen mit der jenseitigen Welt gedacht, schlugen die Bewohner der Osterinsel bis zu elf Meter lange Blöcke aus den Felsen. Für die Krankenschwester aus Dudenhofen ist es auch der körperliche, geistige Ausgleich zum Alltags-Job. Die Frau und der Mann, die Skulpturen aus den vergangenen Jahren, stehen bei ihr im Garten. Sie will es jetzt „einfach nur das dritte Mal probieren“. Das Vorbild für „ihren Kopf“ fand Doris Hafner im Elfenbeinmuseum von Eberbach. Im Archaischen – die Vorlage ist aus einem Knochen gearbeitet – findet die ehemalige Lehrerin aus Speyer Schönheit und Ruhe. Sich meditativ auf das Schaffen, Werden einzulassen, macht ihr Spaß. Gelungen sind ihr bislang eine Schleiereule, Farn, ein Linden- und Ginkgoblatt. Und das im Gegensatz zu den meisten Kollegen „nie verbunden mit einem Muskelkater“. Auch weil sie immer aus dem Handgelenk meißelt – ein (Anfänger-)Tipp von Holger Grimm, dem Speyerer Bildhauer, der die Kurse betreut. Eveline Sanderbeck, Krankenschwester aus Dudenhofen, geht es auch beim zweiten Mal „doch arg auf die Knochen“. Dennoch möchte sie die Erfahrung, zu sehen, was Tag für Tag wird, nicht missen: „Das Erleben von Herausforderung, Spannung, Kreativität ist toll.“ Den polynesischen Tiki-Kopf hat sie als Modell (vor-)getöpfert. Auf die Frage nach dem Grund für das Motiv: „Das Profil ist flacher, maskenhafter, da muss ich nicht so sehr in die Tiefe gehen.“ Eine Woche, um das hinzubekommen, findet sie schon sehr knapp. Über die Veranstaltung las Evelyne Latz aus Speyer hie und da in der RHEINPFALZ. 2013 war sie bei der Finissage, war „erstaunt, bewunderte, was die Leute zustande brachten“. Jetzt hat sie sich selbst getraut: „Ich musste es probieren.“ Zumindest „etwas Einfaches“ (Eule mit Augen, Nase), „bei dem ich kein Ohr abschlagen kann“ soll es sein. Latz: „Mir geht es um die Form und darum, ein Gefühl für die Bildhauerei zu bekommen.“ Sie zeichnet, gestaltet Kunsthandwerk, Puppen, Marionetten. Ein Ehepaar gab es noch nicht beim Kurs. Achim Grefenstein aus Altrip baut eine Burg, eine richtige, aus Stein. Klar, als Ingenieur suchte er sich zunächst ein geometrisches Thema. Ohne sich vorher allzu große Gedanken zu machen: „Mal kucken, ich lasse mich überraschen.“ Wie kommt Mann dazu, traut sich das zu? „Ich habe meiner Frau oft beim Hämmern zugeschaut.“ Die Frau heißt Inge, nimmt das dritte Mal teil. Das Relief, eine Personengruppe, ist ein eigener Entwurf. Seit 14 Jahren ist sie Mitglied einer Bildhauergruppe an der Freizeitschule in Mannheim, suchte in Dudenhofen eine andere Möglichkeit. Mittlerweile „zu wissen, wie man die Meisel ansetzt“, verringere keinen Deut die Spannung: „Es kann bei jedem Hieb schiefgehen, anders werden, als geplant.“ Bruno Dasch kennt das aus sechs Jahren. Immer wieder neu für ihn: „Was kommt aus dem Klotz in ein paar Tagen zum Vorschein?“ Bei ihm stets ein Kopf, ein Gesicht. Auch diesmal. Gegenständlich, überlebensgroß, 30 mal 40. Jeden Tag, beruflich wollte er das nicht machen. Als Ausgleich, Ausbruch vom Gewohnten behalte es den Reiz des Außergewöhnlichen, Einmaligen. Neben dem Eigentlichen schätzt er auch die Gemeinschaft, das Bildhauern in der Clique als schönes Event. Marliese Goldschmidt, Leiterin der örtlichen Volkshochschule, vielfältig künstlerisch tätig, formt „ein Paar, Mann und Frau zueinander gedreht“. Sie erklärt auch, warum es lediglich acht statt zehn Teilnehmer sind: „Zwei mussten absagen, für die Nachrücker auf der Warteliste war es dann zu kurzfristig.“ Ihr Dank an Holger Grimm für die Anfahrt der Quader, die Kurs-Begleitung und die Gemeinde, die den Platz zur Verfügung stellt.

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