Speyer „Bei Diabetes vor Fahrtantritt messen“

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Die Gesellschaft wird immer älter, auch die Autofahrer. Das Polizeipräsidium Rheinpfalz in Ludwigshafen nimmt deshalb die Generation 65+ hinter dem Steuer inzwischen besonders in den Blick. In der Aufklärungsreihe „Wir sind mobil“ geben Polizeibeamte und Mediziner Tipps zum richtigen Verhalten im Straßenverkehr für ältere Semester. Am Mittwoch fand der erste Infoabend dieser Art im Stadtratssaal Speyer statt. Stefan Keller hat Polizeihauptkommissar Michael Baron dazu befragt. Er hat die Reihe mit entwickelt und den Titel erfunden.

Ihre Vortragsreihe wendet sich explizit an die Menschen 65+. Dürfen auch Menschen 65- rein?

Grundsätzlich dürfen auch Menschen jüngeren Alters an dieser Vortragsreihe teilnehmen. Der Gesundheitszustand hängt nicht unbedingt vom Geburtsdatum ab. Durchaus gibt es auch Autofahrer, die bereits in früheren Jahren mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen behaftet sind. Waren überhaupt Besucher da? Wie groß war das Interesse in Speyer? Knapp 50 Personen besuchten den Abend. Und das bei bestem Grillwetter. Toll, dass sich sehr viele dafür interessieren. Die weiteste Anreise hatte ein Besucher aus der Westpfalz. Er war 97 Kilometer weit weg. Es kamen bestimmt mehr Männer? Ja, das war so. Zwei Drittel der Teilnehmer waren Männer, ein Drittel Frauen. Sind Sie mit der Größenordnung der Teilnahme zufrieden? Wir sind mit damit sehr zufrieden. Wir freuen uns über jeden Autofahrer der Generation 65+, der eine unserer Veranstaltungen besucht. Was war der Auslöser für dieses Angebot und seit wann gibt es das? Es hat tatsächlich einen ganz konkreten Anlass. Im Jahr 2012 ereigneten sich innerhalb des Polizeipräsidiums Rheinpfalz über 3000 Verkehrsunfälle, bei denen ältere Verkehrsteilnehmer ab dem 65. Lebensjahr als Hauptverursacher registriert wurden. Hiervon waren Fahrer in der Altersgruppe ab dem 75. Lebensjahr mit fast 1300 Verkehrsunfällen als Hauptverursacher vertreten. Gegenüber den Jahren zuvor konnten wir in diesem Bereich einen Anstieg von über 16 Prozent verzeichnen. Im ersten Halbjahr 2013 gab es nochmals einen Zuwachs von über acht Prozent. Gerade vor diesem Hintergrund musste und muss diese Altersgruppe besonders in den Blickpunkt der Verkehrsprävention eingebunden werden. Infolge dieser Entwicklung wurde die Präventionskampagne „Wir sind mobil“ vom Polizeipräsidium Rheinpfalz ins Leben gerufen. Durch diese Kampagne sollen den Automobilisten der Generation 65+ Tipps und Ratschläge an die Hand gegeben werden, um auch im fortgeschrittenen Alter noch sicher mit ihrem Fahrzeug am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen zu können. Und welche Art Tipps sind das dann? Etwa nicht rasen, nicht trinken, bevor man sich ans Steuer setzt, bei langen Fahrten Pausen machen, das gilt doch für jedes Alter? Mit „Wir sind mobil“ wollen wir nicht – wie in anderen europäischen Ländern – die gesetzlich vorgeschriebenen Gesundheitschecks propagieren, vielmehr setzt unsere Reihe auf Dialog, Einsicht und Beratung bei dem jeweiligen Verkehrsteilnehmer. Bereits im Oktober 2013 ist das Projekt an den Start gegeben. Wer hat den Titel erfunden? Den Namen für das Projekt haben Polizeihauptkommissar Uwe Becker und ich gegeben. Wer sucht die Themen aus? Die Kampagne besteht derzeit aus zwei Modulen. Modul 1 ist eine Tagesveranstaltung. Morgens werden theoretische Themen, aber auch rechtliche Aspekte angesprochen. Unter anderem wird dabei auf die Fahrassistenzsysteme eingegangen. Am Nachmittag finden dann praktische Übungen statt. Das Modul 2 ist eine Vortragsreihe von Ärzten, die über Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Problematik mit Diabetes im Straßenverkehr berichten. Ein weiteres Thema ist der Medikamenteneinfluss im Straßenverkehr. Als Zusatz berichten wir dann auch noch über E-Call – der automatische Autonotruf, der in absehbarer Zeit europaweit für alle Neuzulassungen von Fahrzeugen eingeführt wird. Wollen die Menschen 65+ das Angebot überhaupt? Wie reagieren die Gäste? Wenn wir von der Polizei einladen, sind die Interessierten zunächst eher vorsichtig, weil sie glauben, wir werden bei ihnen ihre Fahrtauglichkeit prüfen. Das ist aber bei diesen Veranstaltungen nicht der Fall. Sondern? Wir wollen, wie bereits erwähnt, die Besucher für die anstehenden Veränderungen sensibilisieren. Mit Veränderungen meine ich altersbedingte Beeinträchtigungen, die Einfluss auf die Sicherheit im Straßenverkehr haben. Wir wollen ihnen Hilfestellungen für die weitere und sichere Teilnahme am Straßenverkehr mitgeben. Drei Viertel der Autofahrer haben seit ihrer Führerscheinprüfung weder an einem Fahrsicherheitstraining noch an einem Seminar teilgenommen. Die Veranstaltung schließt immer mit einer „offenen Diskussion“. Worüber haben die Speyerer Besucher mit Ihnen diskutiert? Es kommen üblicherweise – das war auch in Speyer so – sehr viele Fragen auf, gerade was Krankheitsgeschichten angeht und vor allem, was man präventiv dagegen tun kann. Tipps dazu geben die Mediziner, die vortragen, und meine Kollegen den Zuhörern mit auf den Weg. Haben die Abende konkrete – positive – Folgen für die Generation 65+? Ich hoffe, dass wir mit diesen Veranstaltungen die Leute sensibilisieren können. Dass sie, wenn sie wirklich ein Stechen im Herz verspüren, zunächst einen Arzt konsultieren, bevor sie sich hinters Steuer setzen. Oder dass sie bei Diabetes vor Fahrtantritt erst messen und dann starten. Lernt die Polizei selbst auch noch etwas daraus? Einerseits bekommt man natürlich hautnah mit, was die Leute bedrückt, welche Probleme im hohen Alter auftreten. Man bekommt Situationen aus deren Sicht geschildert, insbesondere, welche Probleme bei der Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr bestehen. Wir müssen uns vor allem zukünftig dieser Altersgruppe vermehrt widmen, wenn man den demografischen Wandel beobachtet. Machen Sie und Ihre Kollegen das trotzdem gerne? Wenn wir für diesen Bereich kein Interesse hätten, hätten wir diese Kampagne nicht ins Leben gerufen. Wir beide betreuen die Kampagne neben unserer alltäglichen Arbeit und erhalten Unterstützung von den örtlichen Verkehrssicherheitsberatern.

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