Ludwigshafen / Speyer
Bei Überschuldung große Unterschiede in Speyers Stadtteilen
Die Überschuldungsquote geht in der Metropolregion laut Creditreform weiter zurück, sogar ein bisschen schneller als bundesweit. Eine Ausnahme bildet Ludwigshafen, wo der Wirtschaftsauskunftei zufolge auf das gesamte Stadtgebiet gerechnet der höchste Schuldneranteil vorherrscht (14,28 Prozent). In Speyer liegt der Wert bei 8,52 Prozent. Für die gesamte Metropolregion wird eine Quote von 8,39 Prozent ausgewiesen, 0,35 Punkte weniger als ein Jahr zuvor.
„Trotz einer nun mehrere Jahre anhaltenden Entspannung liegen mit Ludwigshafen, Worms, Mannheim und Frankenthal nach wie vor vier kreisfreie Städte bei einer Überschuldungsquote im zweistelligen Bereich“, teilt das Unternehmen mit. Für Speyer wird ebenso wie für Ludwigshafen und Mannheim auch eine Analyse auf Stadtteil-Ebene vorgelegt. Sie zeigt, dass trotz des städtischen Durchschnitts im einstelligen Bereich in einzelnen Vierteln zweistellige Quoten erreicht werden.
Zwei Gebiete mit deutlichem Anstieg
Betroffen sind Teile von Speyer-West, -Nord und der Innenstadt, aber auch ganz im Süden – mit auffälligen Entwicklungen. In dem Bericht heißt es: „Im Areal rund um den Flughafen Speyer im Südosten hat sich der Schuldneranteil 2024 deutlich erhöht. Lag dort die Quote im Jahr 2023 noch bei geringen 8 bis 9 Prozent, wurden im Jahr 2024 dort 12 bis 14 Prozent ermittelt.“ Auch im Gebiet rund um die Landwehrstraße habe die Überschuldung zugenommen und liege nun in der Kategorie 14 bis 20 Prozent.
Für die Untersuchung in Speyer hat Creditreform sogenannte Marktzellen herangezogen, Einheiten von circa 500 Haushalten. Die Auskunftei greift dafür auf Daten von Tochterfirmen zurück, die diese nach nicht näher genannten Kriterien statistisch verarbeiten. In den Speyerer Umlandgemeinden fallen die Überschuldungsquoten geringer aus als in der Domstadt.
Amtsgericht vorsichtig mit Prognosen
Die Fallzahlen spiegeln sich auch in den Zahlen des Amtsgerichts Ludwigshafen wider, das bei Insolvenzen auch für die Bezirke Frankenthal, Grünstadt und Speyer zuständig ist. Nach Auskunft des Gerichts sind im vergangenen Jahr 493 Verbraucherinsolvenzen eingegangen, 398 sogenannte Regelinsolvenzen, „wobei in der letztgenannten Zahl nicht nur Kapital- und Personengesellschaften, sondern auch ehemals selbstständige Schuldner enthalten sind“, so Daniel Kühner, Direktor des Amtsgerichts.
Bei Prognosen für 2024 hält man sich am Amtsgericht zurück. Fürs laufende Jahr ließen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch keine validen Zahlen ermitteln. „Die Entwicklung wird von den in Insolvenzsachen tätigen Kolleginnen und Kollegen als derzeit stabil mit einem leichten Anstieg bei den Unternehmensinsolvenzen eingeschätzt“, so Kühner.
Die Zahlen von Creditreform klingen dramatischer. Demnach sind in der gesamten Metropolregion rund 160.000 Menschen überschuldet. Die Diskrepanz liegt darin, dass Überschuldung nicht immer in eine Insolvenz führen muss. Umgekehrt kommt ein Unternehmen wie Creditreform als Inkassodienstleister immer dann ins Spiel, wenn Verbraucher nicht ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen, etwa Ratenzahlungen nicht leisten können. Gläubiger können dann ihre Forderungen an Inkassodienstleister abtreten, die ihrerseits versuchen, das Geld bei den Schuldnern einzutreiben.
Überschuldung in Zentren hat sich verstärkt
In den stärker als Speyer von Überschuldung betroffenen Großstädten der Region ist bei einer Aufschlüsselung nach Postleitzahlen Überschuldung vor allem in den nördlichen Stadtteilen Mannheims sichtbar sowie in den östlichen Stadtteilen Ludwigshafens. Demnach haben dort vor allem Menschen in Friesenheim und im Hemshof (Quote: 16,78 Prozent), Mitte, West und Mundenheim (Quote: 23) mit Überschuldung zu kämpfen. Die Schuldnerdichte nehme jeweils zu, je weiter man auf der Karte in Richtung Innenstadt blicke, so Creditreform. „Diese Situation der zentrumsnahen Überschuldung hat sich im letzten Jahr noch verstärkt.“