Speyer
Überschuldung in der Region ist „im Rahmen“
Ein Überschuldeter kann die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen. Zur Deckung seines Lebensunterhalts stünden ihm weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung. So definiert Creditreform die Personen ab 18 Jahren, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung sie für jede einzelne Stadt oder Gemeinde im kürzlich vorgelegten „Schuldneratlas“ ausweist. Die Auskunftei greift dafür auf Daten von Tochterfirmen zurück, die diese nach nicht näher genannten Kriterien statistisch verarbeiten. Das sei ein bisschen wie bei der „Coca-Cola-Formel“, sagt Thomas Lück, Analyst von Creditreform Ludwigshafen, über die Zurückhaltung bei methodischen Auskünften.
Creditreform verkauft Kunden Informationen über Märkte, damit diese „wertvolle und sichere Geschäftsbeziehungen aufbauen“ können. An den Standorten Ludwigshafen, Speyer und Darmstadt stehen GmbH & Co KGs der Unternehmerfamilie Skoruppa dahinter. Bei diesen rückt Kim Skoruppa, Tochter von Geschäftsführer Reinhold Skoruppa, zunehmend in die Verantwortung. Firmenkundenberater Lück spricht von mehr als einem Dutzend Mitarbeitern am Speyerer Standort in der Karmeliterstraße, die auch immer wieder auf die Daten des Schuldneratlas zurückgriffen.
Es gibt Risikofaktoren
„In unserer Region ist alles noch im Rahmen“, ordnet Lück die Überschuldung in Speyer und Umland ein. Die meisten Kommunen blieben in diesem Jahr unter dem Bundesdurchschnitt von 8,09 Prozent. Der Reigen reicht von Harthausen (4,09 Prozent, siehe Grafik) bis Speyer (8,52 Prozent), wobei die Quote in Städten meist höher ist als in Dörfern. Creditreform kennt weitere Tendenzen: So seien Männer weitaus häufiger überschuldet als Frauen. Beim weiblichen Geschlecht lägen oft Alleinerziehende über dem Schnitt. Die jüngste und älteste Altersgruppe – unter 30 und über 70 Jahre – hätten zuletzt als einzige Anstiege der Quote verzeichnet.
Im bundesweiten Ergebnis berichtet das Unternehmen vom sechsten Jahr mit einem Rückgang überschuldeter Haushalte in Folge. „Ein erneuter Tiefstand.“ Ein Erklärungsansatz: „Die deutschen Verbraucher haben Angst vor der Zukunft und halten ihr Geld deshalb zusammen.“ Das habe in der Corona-Zeit begonnen und 2024 nochmals einen deutlich rückläufigen Konsum mit sich gebracht. Besonders herausgefordert seien Geringverdiener. Diese Gruppe müsse für Energie- und Lebensmittelkosten einen höheren Anteil ihres Einkommens ausgeben als andere. „Wir wollen aufzeigen, wohin der Weg geht“, sagt Lück über die Datenoffensive.