Speyer Begeisterung trotz schlechten Wetters
„Jürgääään!“ Die Motivationsschreie seiner Teamkollegen treiben Jürgen Kluth an. Der Aktive der „Ingelumer Rotwoigeister“ gibt alles. Aber: Er unterliegt im Zweikampf beim Sumo-Ringen. Das ist eine der Herausforderungen für 23 Teams bei der ersten Gaudi-Olympiade der Guggemusik „Pälzer Scholleklobber“ am Pfingstsonntag. Eins ist gewiss: Das Ganze ist ein origineller Zeitvertreib.
Jürgen ist raus aus der Kluft. Geschafft sieht er aus. Anstrengend? „Klar“, lautet die erste knappe Antwort. Mit mehr Atem geht’s weiter: „Das hab ich das erste Mal gemacht.“ Völlig ohne Strategie ist er in den Sumo-Ring gegangen. „Du musst noch sagen, wie gut dein Trainer und die Vorbereitungsphase waren“, erklingt ein Ruf aus der Truppe. „Genau“, sagt Kluth, „ohne Team geht nix.“ Stimmt, wie sich an allen Stationen auf dem Hartplatz des FV Berghausen zeigt. Der Verein hat sein Gelände für die Gaudi zur Verfügung gestellt. Elf närrische Spiele sind dort aufgebaut. Bullenreiten, Quadro-Ski-Biathlon und Trompetenweitwurf sind drei davon. Letzteres hat Nadine Ferrer am meisten Spaß gemacht. Mit den „Daemonen Hexen“ aus Karlsruhe ist sie gekommen. „Die Idee ist lustig“, kommentiert sie den Wettbewerb. Generell sei er toll zur Stärkung der Gruppendynamik. Nicht verkehrt, wenn die Zusammenarbeit klappt. Beim Schubkarrenrennen wird das besonders deutlich. Denn das ist – logisch – alles andere als normal. Stefan Werle, Vorsitzender der „Purzelhasen“ von Billigheim-Ingenheim, zielt mit Plastikbällchen auf ein Sieb, das sein Kompagnon auf den Kopf geschnallt bekommen hat. Der sitzt in der Schubkarre und versucht zu „fangen“. Und: Er versucht, einen vollen Steinkrug Wasser bei der rasanten Fahrt durch einen Slalom im Griff zu halten. „Wir sind für jeden Spaß zu haben“, betont der Chef der Kompanie. Gleich drei Teams haben die „Purzelhasen“ am Start – die Chancen, dass irgendeines den Sieg davonträgt, sind insofern nicht gleich Null. „Wir lassen uns einfach überraschen. Aber in erster Linie zählt der Spaß an der Freude“, wiederholt Werle. Die Begeisterung ist selbst bei schlechter Witterung zwischendurch nicht flöten gegangen, wie ein „Purzelhase“ einwirft: „Wir waren die einzigen im Kistenlauf, die bei strömendem Regen angetreten sind.“ Weniger strömt es aktuell bei Lena Schmitt von den Lingenfelder Maskenträgern „Altrhoiner“. „Do geht nur ääner“, ertönt ein verzweifelter Ruf aus der Tiefe. Gebückt sitzt die 19-Jährige auf einem Hocker neben Modell-Kuh „Berta“ und versucht zu melken. Nur aus einer Zitze spritzt Wasser. Bei Teamkollegen Pascal Rüffel läuft’s. „Die Technik ist gewöhnungsbedürftig“, gibt Schmitt im RHEINPFALZ-Gespräch zu. Wie hat’s Pascal hingekriegt? „Äfach gedrickt“, so die simple Antwort. Beim Blick auf die bisher eingeheimsten Zeiten, Milliliter und Punkte kann Lenas Mutter Sandra nicht meckern: „Wir sind echt gut.“ Ihre Tochter ergänzt: „Sieg eher net, aber gut war’ mer.“ Anette Blumenschein, Schriftführerin der „Scholleklobber“, ist zufrieden mit der Olympiade. Der entsprechende Gedanke spielt bei allen mit. Auch das Wetter mit zunehmender Stunde. Nach zig in Mausefallen versenkten Speckmäusen, unzähligen mit Bechern eingefangenen Tischtennisbällen und etlichen ungewollten Kniefällen beim gemeinschaftlichen Hüpfen in einem Sack sind alle ausgepowert. Wiederholung gewünscht, so die einheitliche Bilanz.