Speyer
Befreiungsschlag auf dem Wohnungsmarkt: Erste Mieter bei St. Otto
Viktoria Gremm lässt den Trubel tapfer über sich ergehen. Zur Übergabe ihrer Wohnung am Donnerstag ist nicht nur die bei der Gewo zuständige Kundenbetreuerin Anna-Katharina Weiler gekommen. Sie hat auch den Abteilungsleiter, den Geschäftsführer und weitere Kollegen plus Pressevertreter dabei. Neben drei Transpondern, sechs Schlüsseln und vielen Erklärungen zur Haustechnik gibt’s für Gremm Brot und Salz als Geschenk. Die 24-Jährige wurde für die symbolische erste von bisher rund zehn Wohnungsübergaben ausgewählt und freut sich auf die gemeinsame Zeit mit Partner und zweieinhalbjährigem Kind in der Kurt-Schumacher-Straße 39.
Ab Freitag wird es vermutlich eng rund um die drei neuen Blöcke neben der katholischen Kirche. Wenn Umzugswagen anrücken, müssen sie sich den Platz mit Handwerkern teilen, die noch einige Wochen an den Außenanlagen zugange sein werden. Drinnen riecht es zwar noch nach frischem Lack, und letzte Folien im Treppenhaus zeugen von den Malerarbeiten, aber die Wohnungen sind fertig. Gremms Familie bezieht 90 Quadratmeter im ersten Obergeschoss. „Sie hat sich über das Portal ,Wohnungshelden’ beworben und wurde ausgewählt“, berichtet Gewo-Geschäftsführer Oliver Hanneder.
Familie vergrößert sich
Für die junge Mutter ergab sich die Chance auf eine der begehrten Wohnungen auch, weil sie bereits Gewo-Mieterin war. Die 70 Quadratmeter in der Landauer Straße sind jedoch zu klein geworden, weil sich der zweite Nachwuchs für die Familie angekündigt hat. Ihre neue Vier-Zimmer-Wohnung mit Mietvertrag ab 1. Dezember ist eine der größeren in den neuen Häusern in Speyer-West.
Die Spanne reicht von 56 bis 137 Quadratmetern, wie Abteilungsleiter Marc Laubscher berichtet. Bis auf sechs davon sind alle vergeben und sollen bis Februar bezogen sein. Es hänge nur noch an Formalitäten, betont Laubscher. Das Interesse an den Wohnungen sei so groß, dass jede davon mehrfach hätte vergeben werden können. Für die Neubauten seien mehr als 1000 Bewerbungen eingegangen. Insgesamt nehme die Nachfrage nach Gewo-Wohnungen weiter zu, auch weil viele mit Sozialbindung und gedeckelten Kaltmieten – bei der ersten Mieterin 7,70 Euro pro Quadratmeter – am Markt sind.
Geringe Fluktuation
„Mit dem Neubau konnten wir für unsere Verhältnisse in kurzer Zeit einen relativ großen Bedarf decken“, betont Hanneder. Das werde – schlechte Nachricht für viele auf der Warteliste – nicht in diesem Tempo weitergehen. Solange keine neuen Wohnungen zur Verfügung stehen, muss mit dem Bestand von 2850 Einheiten gearbeitet werden. Dieser weise eine geringe Fluktuation von fünf Prozent (mit rückläufiger Tendenz) auf, sodass jährlich nur an die 140 Wohnungen neu vergeben werden könnten.
Auch in Zukunft wird die Gewo bauen. Sie ist der einzige rein städtische Akteur, mit dem die Kommune an den Zielen arbeiten kann, die im aktuellen Entwurf ihres Wohnungsmarktkonzepts formuliert sind. „1620 neue Wohneinheiten werden benötigt, 1130 davon in Mehrfamilienhäusern“, steht darin in einer bis zum Jahr 2040 angelegten Prognose. Die Gewo werde nach dem 18,2-Millionen-Kraftakt bei St. Otto nun erst mal wieder Liquidität aufbauen und dann in vielleicht zwei Jahren ihr nächstes Großprojekt anpacken, sagt der Firmenchef: Dafür ist der Eibenweg in Speyer-Nord ausgedeutet, wo in drei Blöcken mit einer Kombination von Aufstockung und Nachverdichtung 100 Wohnungen entstehen sollen.