Speyer Beben, bibbern, Gläser schwingen
Berghausen bebt. Die Erlösung kommt in der letzten Spielminute des WM-Gruppenspiels Deutschland – Schweden. Das 2:1 für die Nationalelf: ein Treffer für die Ausrichter des Brunnenfests. Während die Jungs auf russischem Rasen kicken, stehen die ehrenamtlichen Helfer der Vereine hinter ihren Ständen und zapfen, grillen, füllen, mixen und drehen. Sportliche Leistungen gibt’s überall.
Konzentration, Koordination und Köpfchen sind im Bierwagen des Fußballvereins Berghausen (FVB) gefragt. Die örtlichen Fußballer schieben alles andere als eine ruhige Kugel vor Kühlschränken und Zapfanlagen – vor allem nicht kurz vor dem Anpfiff, zur Halbzeit und nach dem Abpfiff. „Eine kleine Spezi. Nee, doch groß.“ „Mach mer än Weezeradler. Awwer net so arg viel Wasser.“ Auf alles müssen die Jungs an der Schänke reagieren. Abgerechnet wird zum Schluss. Die Sache mit dem Pfand bringt manchmal ins Straucheln. Aber dann: Treffer, der Betrag ist perfekt einkassiert, die Kundschaft zufrieden. Der Laden muss laufen wie der Ball auf dem Feld, den die deutsche Elf recht gut im Griff hat in der ersten Viertelstunde. Sportlich nehmen es die Instrumentalisten nebenan im „Kerschegaade“. Fernseher gibt’s dort keine. Dafür Blasmusik satt und das unermüdlich. „Gestern war’s fast übervoll“, ruft der Ehrenvorsitzende des Musikvereins, Manfred Ball, hinter dem Tresen. Super Fest, Wetter gut – optimal gelaufen. Gehalten haben die Helfer die Stellung beim Sturm auf das Angebot, die Rieslingschorle auf der Beliebtheitsskala ganz oben. Gefüllt hat sich der Festplatz. Trotz tickender Uhr kommen immer noch Gäste, um sich vom Fieber anstecken zu lassen. Leistung bringen die wahren Fans: Trikots, Tattoos, Farbe im Gesicht, Flaggen auf den Tischen. Die Ausstattung stimmt zum Anlass und zur üppig dekorierten Umgebung. „Wir haben unser erklärtes Ziel für den Freitag erreicht“, kommentiert Jutta Rohr von der Weiberbratenvereinigung die eingegangene Ablösesumme für die beliebte Schlammbowle. Von Rechts- und Linksaußen drängen die fußballaffinen Brunnenfestler am Samstag heran. Diesmal geht’s um den Abschluss mit Waffeln – der zweite Treffer des Weiberbratens. In Nationalfarben kommen die nicht auf den Teller. Rohr lacht: „Vielleicht morgen, wenn wir gewinnen.“ Davon sind die Löw-Jungs gerade mal weit entfernt. Das 1:0 der Schweden in der 32. Minute hat gefrustet. Dafür steht der Angriff auf die Erdäpfel bei den Pälzer Schnoogefetzern. In Spiralen winden sich Kartoffeln um Holzspieße – ein Tornado zum Anbeißen. In die Offensive gehen die Guggemusiker. Mächtig was auf die Ohren gibt es also nicht nur in der Spielerkabine in Sotschi während der Halbzeit. Berghausen bibbert. Nicht nur wegen der Anspannung, endlich ein Tor sehen zu wollen, sondern auch wegen der eingetretenen Kühle, die mehr als sommerfrisch ist. Durchhalten ist angesagt. Das 1:1 bringt Erleichterung, die rote Karte für Boateng in der 82. deprimiert, Kroos’ erlösendes Tor in der Nachspielzeit lässt jubeln. Berghausen schwingt sportlich die Schoppengläser. Die schwedischen Köttbullar (Fleischklößchen) aus der FVB-Küche sind vertilgt und das rote Pferd steht bereit. Schlagerkönig Markus Becker legt in der dritten Halbzeit nach. Aktive Vereine, glückliches Spiel, Party pur – was für ein Hattrick.