Speyer BDZ: Pravo-Ärzte machen jetzt Druck

Placeholder-Image

Eine Mutter mit zwei kranken Kindern und aufgrund eines Trommelfellrisses im Ohr selbst von höllischen Schmerzen geplagt, steht in der Nacht auf Sonntag um 0.15 Uhr vor dem „Diak“. Sie will zur Bereitschaftsdienstzentrale (BDZ), braucht dringend ein Schmerzmittel. Sie wird aber abgewiesen. Die diensthabende Notärztin dürfe sie nicht behandeln. Sie solle stattdessen nach Germersheim oder Ludwigshafen gehen. Resultat: Entsetzen und Unverständnis bei der Patientin.

So hat Sabrina Kreiselmaier am Wochenende die Auswirkungen der seit 1. April von der Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz in Kraft gesetzten Neuregelung der BDZ mit Anchlusszwang an Germersheim erlebt (wir berichteten mehrfach). „Mir wurde Hilfe verwehrt. Man kann ja etwas neu regeln, aber die medizinische Versorgung muss gewährleistet sein“, forderte die alleinerziehende Mutter von drei Kindern angesichts des Erlebnisses. Mit Ach und Krach habe sie eine Tablette erhalten. Mit den zwei Kindern hätte sie in der Nacht nicht mehr anderswo hinfahren können. Sie sei schon mit dem Taxi zur Klinik gefahren. Insgesamt habe sie der Arztbesuch 43 Euro gekostet. „Was machen alte Menschen oder die Leute, die nicht mehr fahren können?“, sagte sie gestern im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Solche Fälle sind Wasser auf die Mühlen der niedergelassenen Ärzte in Speyer. Rund 100 davon sind seit 2000 im Praxisnetz Vorderpfalz (Pravo) zusammengeschlossen. Sie lehnen die Neuregelung ab. Nach drei unbeantwortet gebliebenen Schreiben beziehungsweise 71 abgelehnten Widersprüchen von Pravo-Ärzten machen sie nun in einem offenen Brief ihren Unmut über die „Verschlechterung der medizinischen Grundversorgung“ deutlich. „Schon seit längerem hatte die KV die Organisation der BDZ an sich gezogen; ohne Not, war doch die Speyerer Zentrale wirtschaftlich gesund und funktionierte im Rahmen der Selbstorganisation durch Speyerer Ärzte problemlos“, heißt es in dem Brief, unterzeichnet von den Ärzten Uli Kohler, Vorsitzender, und Clemens Spiekermann, Geschäftsführer von Pravo. Die Neuregelung sei ohne Info an die Mediziner vor Ort in Gang gesetzt worden, protestieren sie gegen die „schlechtere Versorgung der Bevölkerung“, unter anderem, dass Hausbesuche von Germersheim aus erfolgen. Die Pravo-Ärzte wollen drei Monate lang Fälle wie den von Sabrina Kreiselmaier dokumentieren, die Entwicklung beobachten, um dann in einer konzertierten Aktion mit Patienten und Politik die KV zu einem Gespräch über die Situation an den Tisch bitten. Eine Patientenbefragung werde erwogen, so Spiekermann. Eine Unterschriftenliste wäre auch angebracht, schlug Kreiselmaier als Protest vor. (ell)

x