Speyer Baumwipfel als Dünger und Brennholz

Kennzeichnet Brennholz: Revierförster Jürgen Render.
Kennzeichnet Brennholz: Revierförster Jürgen Render.

«DUDENHOFEN.» In der Waldabteilung Brombeerheck am Dudenhofener Dünenlehrpfad sind im Februar 910 Festmeter Kiefernholz zur Verwendung als Sägebauholz (459 Festmeter), Verpackungsholz (273) und Industrieholz beziehungsweise Hackschnitzel (148) geerntet worden. Doch das ist nicht alles: Angefallen sind bei der Ernte laut Frank Müsel, Technischer Produktionsleiter beim Forstamt Pfälzer Rheinauen, und Jürgen Render, Leiter des Forstreviers Modenbach, auch Baumkronen und nicht verwertbares Stammholz. „Wir sprechen bei den Kronen und bei faulen Stammabschnitten vom ,Nicht-Holz’. Diese Kategorie macht bei einem Hieb ungefähr zehn bis 15 Prozent der insgesamt eingeschlagenen Menge aus“, teilte Revierförster Render mit. Im Brombeerheck haben die Waldarbeiter die obersten Teile aller Kiefern-Wipfel auf dem Waldboden zurückgelassen. „Äste oder Stämme, auch vom Jungholz, die weniger als acht Zentimeter im Durchmesser haben, bleiben als Dünger darüber hinaus im Wald“, sagte er. Dieses Holz mitsamt der Nadeln verrotte im Lauf der Jahre, wodurch beispielsweise Mineralstoffe frei und damit für umgebende Bäume verfügbar würden. In Waldbereichen, in denen besonders viele Baumkronen anfallen, weist Render auch kleinere Flächen aus, auf denen Brennholzkunden selbst Wipfel und Stämme für den Eigenbedarf kleinsägen dürfen. „Diesen Schlagabraum habe ich in diesem Winter im Dudenhofener Gemeindewald in den Abteilungen Dulflach an der Grillhütte und Löchel am Friedwald gekennzeichnet“, informierte er. Doch auch bei der Selbsternte von Brennholz gelte das Gebot, dass alle Teile, die schwächer als acht Zentimeter sind, im Wald bleiben. Im Brombeerheck mit seinem Kiefernanteil von mehr als 90 Prozent, der nicht zuletzt durch den Hieb im Februar zugunsten der Laubhölzer deutlich sinken soll, ist nur eine kleine Brennholz-Menge zusammengekommen. „Ein Polter Birkenholz von zwei Ster“ war laut dem Förster die gesamte Ausbeute. Als Polter werden aufgeschichtete Stämme und stärkere Äste bezeichnet. Ein Ster ist ein Raummeter – also in diesem Fall das gestapelte Holz inklusive der Leerräume in einem (vorgestellten) Würfel mit einem Meter Kantenlänge. Im Dulflach wurden nach Auskunft von Render zahlreiche Esskastanien und Roteichen sowie einige Birken und Buchen gefällt und zu Brennholz bestimmt. Im Löchel fielen vor allem Kiefern, um nachwachsende Buchen zu fördern, wie der Förster sagte. Alles in allem kamen im Dudenhofener Gemeindewald 75 Ster an Laubholz-Poltern und 141 Ster an Nadelholz-Poltern zusammen. 28 Ster hat Render als Erntemenge bei den Schlagabraum-Flächen bestimmt – darin sind Laub- und Nadelhölzer enthalten. Die Gesamtmenge an Brennholz beträgt damit 244 Ster (circa 170 Festmeter). „Das entspricht einem Heizwert von 45.000 Litern Heizöl“, sagte er. Der Kauf von Polter- und Schlagabraum-Holz aus Gemeindewäldern im Forstrevier Modenbach ist nur für Bürger aus den jeweiligen Kommunen möglich, betonte Render. Eine weitere Voraussetzung, um sich schriftlich mit einem Formular bei der Forstverwaltung um eine bestimmte Brennholzsorte und -menge bewerben zu können, ist der Besitz eines Motorsägenscheins, informierte er. Beim Polterholz sind die Stammabschnitte circa drei bis sieben Meter lang. Bis Weihnachten sind die Bewerbungen für den jeweiligen Winter abzugeben. Falls die Nachfrage größer als das Angebot ist, entscheidet das Los. Bis Ende März muss das Brennholz im Schlagabraum, bis Ende April bei Poltern abtransportiert sein. Dann muss das Holz noch trocknen, bevor es verbrannt wird. Eine Besonderheit stellt die Brennholzversteigerung in Harthausen dar. Auf Wunsch der Gemeinde habe Render diese Tradition, die einige Jahre nicht mehr praktiziert worden sei, 2017 wieder aufleben lassen und aufgrund des Erfolgs in diesem Jahr erneut veranstaltet (wir berichteten). „Die Versteigerung bedeutet einen großen Aufwand für mich. Ich organisiere sie aber gerne, weil das Brennholz eine hohe Wertschätzung in der Bevölkerung genießt“, sagte er. Die verfügbaren 130 Ster Laubholz seien zum Durchschnittspreis von 42 Euro pro Ster restlos ersteigert worden. Die Serie Wo landen eigentlich die Bäume, die in den Wäldern rund um Speyer gefällt werden? Am Beispiel eines großen Hiebs im Gemeindewald Dudenhofen wurde dieser Frage nachgegangen. Revierförster Jürgen Render und Technischer Produktionsleiter Frank Müsel zeigten die Wege des Holzes bis zum Verbraucher auf.

Langlebig: Sitzbänke aus Eichenholz im Friedwald.
Langlebig: Sitzbänke aus Eichenholz im Friedwald.
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