Speyer
Bau-Alarm in der Herdstraße: Wie es nun weitergeht
Es war einiges los am Freitagabend rund um die Herdstraße. Auf Höhe des Königsplatzes stoppten Mitarbeiter des Ordnungsamts den Verkehr. In der Straße selbst waren Feuerwehr, Technisches Hilfswerk (THW) und Bauamt schon am Nachmittag zusammengekommen. Teile eines Gebäudes seien einsturzgefährdet, hieß es. Die zahlreichen Einsatzkräfte sicherten das Gebäude. Am Montag trafen sich Verantwortliche zu einem erneuten Ortstermin.
Betroffen ist das Ensemble, zu dem die Räume der Freien Reformschule und des ehemaligen katholischen Vereinshauses gehören. Teile der Substanz stammen aus dem Spätbarock im 18. Jahrhundert und sind denkmalgeschützt. Am Montag wurde die Sperrung einer Wohnung im Obergeschoss aufrechterhalten. „Das Obergeschoss des Gebäudes sowie ein Treppenraum sind aus Sicherheitsgründen geschlossen und eine Nutzungsuntersagung dafür ausgesprochen“, teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage mit.
Schule kann stattfinden
Die Reformschule sei davon ausgenommen. Deren Betrieb könne „weitgehend uneingeschränkt fortgeführt werden“. Die Rettungswege zur Grundschule hätten Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) gesichert. Der Einsatz sei durch eine Meldung des Mieters ausgelöst worden, der einen Wassereinbruch im Keller festgestellt habe. Die kräftigen Regenfälle Mitte voriger Woche hatten der teilweise schon schadhaften Substanz weiter zugesetzt. Auf die Treppe zur Wohnung sind Bauteile gebröckelt.
Die Stadt hat nun nach eigener Mitteilung Verfügungen erlassen. „Der Eigentümer ist verpflichtet, innerhalb von 14 Tagen sowohl den ersten als auch den zweiten Rettungsweg baulich zu sichern.“ Für die Wiederherstellung des Wohnbereichs gelte eine Frist von vier Wochen. Die Verwaltung fordere vom Eigentümer zudem ein Statikgutachten, um die Sicherheit des Gebäudes nachzuweisen. „Die Beauftragung der Bauarbeiten erfolgt durch den Eigentümer“, so eine Verwaltungssprecherin. Der Mieter ist nach RHEINPFALZ-Informationen bei Verwandten untergekommen.
Statiker gefragt
Für das THW war es ein langer Einsatz. „Eine sehr komplizierte Sache“, sagt Christopher Sohn, der als Fachberater für die Speyerer Einheit vor Ort war. Allein die Bewertung, ob das Gebäude einsturzgefährdet ist, habe mehrere Stunden in Anspruch genommen. Dafür war eigens eine technische Beraterin und ausgebildete Statikerin des THW Landau nach Speyer gekommen. „Wir als THW geben nur Empfehlungen ab“, betont Sohn. Entscheiden müssten am Ende Bauamt und Feuerwehr. Bei der Frage, ob ein Einsturz drohe, gehe es viel um Abschätzung und Erfahrungswerte. Der zur angrenzenden Freien Reformschule gehörende Rettungsweg wurde laut Sohn schon ab Freitagabend, 18 Uhr, gesichert. Aufgebaut wurde ein spezielles Gerüstsystem: Das sei eine Art Überdachung für den Fluchtweg. „Wie man es auch von Baustellen kennt.“