Speyer
Basketball: Ein halbes Jahrhundert Korbjagd
Eckhard Schäffer und Siegfried Steigleiter – beide 76 Jahre – gehören zu den Männern der ersten Stunde. „Erhard Walther hat mich zum Basketball gebracht“, denkt Steigleiter an den Vater der Sportart in Speyer. Beim Christlichen Verein Junger Menschen wurde der damals zunächst ausgeübt.
Nachdem die aufzubringenden Kosten für eine zweite Hallenmiete den Rahmen gesprengt hätten, willigte der damalige TSV-Vorsitzende Willi Grüner einer Abteilung in seinem Verein zu. Das Training für Steigleiter und Schäffer begann in der Turnhalle der ehemaligen Pestalozzi-Schule.
Erfolgloser Spaß
Heute steht dort das Parkhaus der Sparkasse Vorderpfalz. „Am Anfang mussten wir selbst Beiträge zahlen, damit wir spielen durften“, erzählt Schäffer. In seiner Zeit als Finanzwart war es an ihm, das Geld einzutreiben.
Clemens King (66), der als Jugendlicher 1967 zum CVJM-Basketball stieß, erinnert sich noch gut an die Situation damals: „Letztlich war es so, dass wir mit viel Spaß, aber ziemlich erfolglos gespielt haben.“ Eine 30:130-Niederlage gegen Landau blieb ihm gut im Gedächtnis.
Nach der Gründung der Abteilung im TSV, durch die im Laufe der Zeit versierte Trainer dazukamen, änderte sich das Bild. „Der erste große Erfolg als TSV-Mannschaft war ein 47:29-Sieg über Landau“, sagt King.
Exotische Spielstätten
Die äußeren Bedingungen in der Süwe-Halle dort hat Schäffer noch vor Augen: „Jahrelang waren dort die Fenster kaputt.“ Unvergessen ist ihm auch der Gemeindesaal in Bad Dürkheim: „Dort waren oft Tanzveranstaltungen, und der Boden war gebohnert. Da lag bei uns immer ein nasser Lappen neben dem Spielfeld für die Schuhsohlen, weil wir gerutscht sind.“
King imponierte ein Holzofen, der andernorts bald bis in die Hälfte des Spielfelds hineinragte. Und: „In Rockenhausen war ein Balken über dem Korb. Wir mussten immer ganz flach werfen.“
Steigleiter spricht ergänzend die Spiele gegen die Franzosen in der Kaserne an – auf Betonboden. „Wenn man einmal fiel, war die Verletzungsgefahr immens“, sagt er. Gut vor Augen hat Steigleiter das Aufwärmtraining von einst: „Wir haben wirklich Froschspringen gemacht, vorwärts und rückwärts.“
Ära Glasauer
Den Startschuss für ein erfolgreiches Basketball in Speyer macht King an Günter Glasauer, der 1977 zum TSV kam, fest. „Wir haben uns stetig verbessert“, merkt er, auch in Bezug auf die Folgezeit, an.
Steigleiter berichtet von einem für ihn besonderen Ereignis in späteren Jahren: „Ich habe bei einer Pfalzmeisterschaft mit Glasauer in einer Mannschaft gespielt. Wir sind Meister geworden.“ Die beiden Namen Mike Harris und Horst Schmitz kommen King in den Sinn, wenn er von bedeutenden Speyerer Basketballern spricht. Deren Söhne Elias und Simon sind beide in der Bundesliga gelandet.
Über viele Jahre brachten sich die Spieler die richtigen Handgriffe im Basketball autodidaktisch bei. Erst später seien ausgebildete Trainer gekommen. „Wir haben lange in der zweiten Basketball-Bundesliga gespielt“, wirft einer der Coaches, Johannes Gottwald, rückblickend ein.
Deutscher Meister
Er nennt acht deutsche Jugendmeisterschaften, zahlreiche Herren-Mannschaften und drei Damen-Teams in Spitzenzeiten. „Wir sind zu einem Teil der Speyerer Sportkultur geworden“, betont er.
Bis heute sind Steigleiter, Schäffer und King dem TSV-Basketball verbunden. Schäffer, der selbst mal die Abteilung leitete und den Wirtschaftsausschuss ins Leben rief, trainiert heute noch in der Oldie-Gruppe, gemeinsam mit Ehefrau Margarete.
Großer Historienteil
„Ich bin glücklicherweise ohne größere Verletzungsprobleme durchgekommen“, meint Schäffer. Ein Schleudertrauma nach einem Sturz und ein Bänderriss im Alter von 60 Jahren sind für ihn nicht der Rede wert.
Pünktlich zum Jubiläumstag, am 1. September, wird auf der Homepage um 10 Uhr ein von Gottwald gestaltetes Historienteil freigeschaltet, das die Geschichte der Basketball-Abteilung erzählt. Ein großer Festakt fällt wegen Corona aus.
Zur Sache: Die Dokumentation
Mit einer aufwendigen Online-Präsentation begleitet Johannes Gottwald seit heute auf der Homepage der Basketballer (towers-basketball.de) die 50 Jahre alte Geschichte.
Gottwald scheint prädestiniert dafür, gehört er doch selbst seit Jahrzehnten als Spieler und Erfolgstrainer zum Verein. Jetzt sollte er eigentlich die Feierlichkeiten mit vorbereiten, die dann Corona zum Opfer fielen.
Besser gesagt, begann die Historie ja schon in den 60-er Jahren, was Gottwald mit Spielerpässen, Spielberichtsbögen, Mannschaftsfotos und Impressionen geselliger Veranstaltungen unterlegt.
Im Käfer
Das erste offizielle Verbandsspiel ist ebenso verewigt wie die erste Damen-Mannschaft, ein Ausflug im VW-Käfer in die Partnerstadt Chartres und Turnierteilnahme in Paris sowie Southampton samt Gegenbesuchen in der 70-ern. Auch Zeitungsberichte (mit Rechtschreibfehlern) zeugen davon.
Fotos (insgesamt fast 600) von Spielszenen, zunächst noch in Schwarz-Weiß, die Urkunden zur Ernennung als Speyers Mannschaft des Jahres, Mitgliederstatistiken und Videos mit den Machern des Speyerer Basketballwunders lassen in Erinnerungen schwelgen.
Nichts vergessen
Speyerer Nationalspieler, Titelblätter der Saisonhefte, Länderpartien in der Osthalle und natürlich die vielen, vielen Erfolge, nichts kommt zu kurz: ob Turniere im In- und Ausland, große Pokalspiele, Trainingslager in Wales und Schweden, Feriencamps, die Teilnahme am Brezelfestumzug und am Altstadtfest, der Aufstieg der Damen, der Zusammenschluss mit dem LC Schifferstadt zu den Towers, aber auch der Rückzug der Herren aus der Zweiten Bundesliga – und immer schön aufgeteilt nach Jahrzehnten.
An der Dokumentation mitgearbeitet haben viele Protagonisten der Speyerer Korbjägerei. Zu dem gibt es ein Jubiläumsvideo auf Youtube.