Speyer
Bange Blicke aus Speyer nach Yavne und Jericho
Matthias Nowack, unter anderem für die Städtepartnerschaften zuständiger Fachbereichsleiter im Speyerer Rathaus, hat gleich in die Tastatur gegriffen, als ihn vergangene Woche die Nachrichten über die kriegerischen Auseinandersetzungen erreichten. Eine Antwort aus Yavne – seit 1998 Partnerstadt Speyers – stand am Dienstag noch aus. Auch die RHEINPFALZ hat die dortige Stadtverwaltung nicht erreicht. BBC-Berichten zufolge ist die 23 Kilometer südlich von Tel Aviv gelegene Stadt aber ins Visier von Raketen der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas geraten.
„Yavne liegt im Großraum Tel Aviv. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Stadt auch von den Raketenangriffen aus dem Gaza-Streifen betroffen ist. Yavne verfügt über ein gut ausgebautes Bunkersystem zum Schutz der Bevölkerung“, berichtet Nowack, der seit 1998 mehrfach vor Ort war.
Bürgermeisters Krisenbotschaft
Ein guter Bekannter in Speyer ist Yavnes Bürgermeister Zvi Gov-Ari, der sich „vor dem Hintergrund der Sicherheitslage“ im Internet an die Bewohner seiner Stadt wendet: „Es ist wichtig, ruhig zu handeln und Familienmitglieder zu umarmen“, wird seine in Hebräisch verfasste Botschaft von Google übersetzt. Es seien für alle „schwierige Tage“, aber die Regierung sei „auf der Hut“. Im Bildungswesen habe man sicherheitshalber auf Fernunterricht umgestellt. Kliniken, Apotheken, Einkaufszentren und Tankstellen seien auf den „langen und schwierigen Kampf“ vorbereitet.
Die Speyerer Kontakte nach Yavne waren in den vergangenen Jahren rückläufig. Die Corona-Pandemie habe sie dann seit 2020 völlig zum Erliegen gebracht, berichtet Nowack. „Bürgerreisen oder auch ein Schüleraustausch konnten nicht stattfinden.“ Verwaltungssprecherin Annika Siebert betont, dass die im Sommer erwartete Entscheidung zum Welterbe-Status für die jüdischen Wurzeln der „SchUM“-Städte Speyer, Worms und Mainz zum Anlass genommen werden solle, um die Kontakte wiederzubeleben. Bis dahin solle auch die vakante Personalstelle für die Städtepartnerschaften in der Verwaltung besetzt sein. Nowack: „Wir haben geplant, im Herbst eine Delegation aus Yavne nach Speyer einzuladen.“
Antwort aus Jericho
Kontakte pflegt die Stadt Speyer auch mit der Verwaltung in Jericho im wie der Gaza-Streifen palästinensischen Westjordanland. Eine Tourismus- und Marketing-Fachfrau von dort hat unter anderem 2017 in der Brezelfest-Zeit Erfahrungen in Speyer gesammelt. Aus Jericho hat Nowack am Montag auf Anfrage Informationen erhalten: Auch im Westjordanland komme es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischer Armee beziehungsweise Siedlern. Ein junger Mann aus Jericho sei bei einer Demonstration an einem israelischen Checkpoint ums Leben gekommen.
Der Fachbereichsleiter: „Unabhängig von der aktuellen Situation haben wir geplant, im kommenden Jahr die Gespräche über eine projektbezogene Zusammenarbeit mit Jericho im touristischen Bereich wieder aufzunehmen. Das wird natürlich nur dann realisierbar sein, wenn in Palästina wieder touristische Aktivitäten möglich sind.“