Radsport
Bahnentournee in Dudenhofen
Es ist zwar unwahrscheinlich. Doch Dudenhofen muss ein Stück vom Himmel sein, wie der österreichisch-ungarische Schauspieler Paul Hörbiger einst seine Heimstadt Wien besungen hat.
Was den aktuellen Anlass zu dieser Feststellung angeht: Just am Finaltag der internationalen Bahnen-Tournee vertrieb die Sonne den Regen, so dass alle Pfingstmontag-Rennen stattfanden. Das empfand Jens Hartwig, der Vorsitzende des Veranstalters RV 08 Dudenhofen, „einfach himmlisch“ und fügte an, dass die Chance, die 250-Meter-Badewanne überdachten zu lassen und damit wetterunabhängig zu machen, so gut wie unmöglich sei, es sei denn, Sponsoren spendierten dafür rund fünf Millionen Euro.
Hartwig überzeugend
Vor zehn Jahren wäre das, so der damalige RVD-Sportleiter Dieter Landry, noch mit einer Million Euro möglich gewesen. Aber diese Summe brachte damals auch niemand auf. Wie seine drei Landsleute trat der Inder trat Singh Harschveer Sekhon in die Pedalen. Wie berichtet, reiste er mit gerade mal 30 Euro nach Deutschland und plante, per Fahrrad zwischen Darmstadt, Singen am Hohentwiel und Dudenhofen zu pendeln, was ihm Hartwig ausredete und ihn im Auto dorthin verfrachten ließ.
Zur Geschichte des 1908 gegründeten und zunächst mit Straßenrennen beschäftigten RV 08 Dudenhofen gehört auch geradezu Abwegiges. Denn 1925, vier Jahre nach den ersten Bahnrennen am 8. Mai 1921, fragte die ADAC-Zentrale München wegen der Bahnbeschaffenheit an, „um Motorrad-Rennen erlauben zu können“.
Motorräder erlaubt
Die Auskunft des Vereins: Die Bahn ist für Motorräder bis 250 Kubikzentimeter zugelassen. Die Folge laut Vereinschronik: „Es wurden mehrere Rennen gefahren.“ Nur im Bahn-Radsport werden auch Männer mit Blumen beschenkt, im aktuellen Fall zunächst der 20-jährige Benjamin Boos vom RSC Turbine Erfurt.
Dem Gewinner des Ausscheidungsfahrens drückte RVD-Chef Hartwig ein Päckchen Spargel in die feucht-warmen Hände. Dazu überreichte der Sportliche Leiter der Veranstaltung, Markus Gensheimer aus Offenbach/Queich, ein kleines Sonnenblumen-Bouquet. Zwar ist nicht überliefert, ob auch die Gewinner des ersten Straßenrennens der Welt (1865 über 500 Meter im nordfranzösischen Amiens) und der Bahn-Premiere 1868 in England Sträuße erhielten.
Blumige Abgelegenheit
Doch vom Sieger der ersten Tour de France, 1903 der Franzose Maurice Garin, gibt es Fotos mit zwei mächtigen Gebinden. Warum das mit den Blumen so ist, weiß auch der Bund Deutscher Radfahrer nicht. Es handelt sich jedoch um eine nette Geste der jeweiligen Veranstalter, hat doch auf jeden Fall die Freundin, Frau oder Mutter außer Stolz und früher Sportsachen-Waschen noch etwas Anderes vom Triumph ihres Lieblings.
Wie sehr die Politik den Sport beeinflusst, macht das Beispiel der iranischen Radbahn-Athleten deutlich. Sie wollten sich in Dudenhofen auf offenbar gut dotierte Rennen in Belgien vorbereiten, erhielten aber aus unbekannten Gründen keine Visa und durften daher nicht ausreisen.