Waldsee
Ausstellung Kunstfaser im Rathaus
Einen „Blick zurück“ werfen die Künstlerinnen von „Kunstfaser“ im Waldseer Rathaus auf 25 Jahre künstlerisches Schaffen mit einer vielfältigen Ausstellung. Die ist noch zu den Öffnungszeiten des Rathauses bis zum 17. April zu sehen.
Kunstfaser. Nicht künstlich, sondern Kunst. Und zwar Kunst auf Fasern und mit Fasern, gern natürlichen Ursprungs. „Im Blickfeld stand damals eine Vernetzung von Künstlerinnen und Künsten. Regional und darüber hinaus.“ Das und vieles andere, selbstverständlich tiefgründig, zeigt die Ausstellung.
Gleich am Eingang der Ausstellung: Augen, die umherblicken. Sie blicken auf Pflanzencollagen, gefilzte Bilder auf Leinwand, Metallisches im Bild und Liselotte von der Pfalz. Auf maritimes Leben. Auf Zitate von Antoine de Saint-Exupéry. Und zwar unbedingt mit dem weiblichen Blick, der den manchmal männlichen in der Ausstellung ausdrücklich ergänzt, damit die Sicht auf die Welt eine runde Sache wird.
„Tieferes Sehen“
Wie beim Zitat von Antoine de Saint-Exupéry: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar“. Mit dem Titel „Tieferes Sehen“ wird das bekannte Zitat als Bild dargeboten von Regina von Bodisco. Weibliche Assoziation darauf: Nicht immer nur auf das Äußere sehen, und damit nicht nur das Äußere von Frauen sehen und beurteilen. Die Frau als Ganzes wahrnehmen, vor allem ihr Wesen. Oder, ebenfalls von der Künstlerin, „Kraft“: „Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, sondern um Kraft im Alltag“. Aus weiblicher Sicht könnte hier der ganze Mental-Load dahinterstecken, die Mehrfachbelastung von bezahlter und unbezahlter Arbeit im Alltag, die Männer in dieser Bandbreite immer noch nicht stemmen.
Noch deutlicher wird das im Gedicht „Als die Bretonen das Meer eroberten. Zeiten des Windes“ von Katrin Kirchner. Sie beleuchtet darin das harte Leben der Frauen der Seeleute mit all den Unsicherheiten, der mannigfaltigen Arbeit und der alleinigen Bewältigung des Alltags. In Worten: „Auf dem Kai des Wartens den Alltag bewältigen. Die Kinder großziehen. Die Alten versorgen. Krankheiten überwinden. Die Last des täglichen Lebens.“ Und trotzdem die Hoffnung in all der Last nicht verlieren. Verbildlicht wird das Gedicht mit den Bildern von Anita Meckel in Mixed Media. Fischernetze, Fische, Seevögel veranschaulichen das Leben mit und auf dem Meer. Und grüne Fische symbolisieren die Hoffnung, die Hoffnung auf einen guten Fang, auf wiederkehrende Ehemänner und Väter.
Verbindung von Text und Bild
Das Gedicht „Diese Frau“, entnommen aus der Ausstellung „Freiraum“, veranschaulicht ein Leben, das nicht auf Frauen, sondern auf Männer ausgerichtet ist. Es steht neben einem Text über Philipp Jakob Siebenpfeiffer, der gegen Widerstände die Demokratie verteidigt hatte und immer gegen Zensur und den „Tod der Pressefreiheit“ war. Angesichts der aktuellen politischen Lage ist die Verteidigung der Demokratie wieder dringend notwendig. Eng damit verknüpft sind die Frauenrechte, denn „Diese Frau“ beschreibt das Leben im Patriarchat, in bedrückenden, unsicheren Verhältnissen – für sie als Frau gilt unter solchen Umständen Demokratie nicht oder nur eingeschränkt. Sie muss auswandern, um bessere Lebensbedingungen zu finden.
Durch die Verbindung von Text und Bild bleibt die Message besser im Gedächtnis. Deutlich wird das auch beim Themenblock Liselotte von der Pfalz. Neben der Collage mit Briefausschnitten der bekannten Pfälzerin von Katharina Kuczinski ist eine Pflanzencollage mit Liselotte von der Pfalz ausgestellt. An Liselottes Finger hängt leger baumelnd der Sonnenkönig.
Betonung der Farbe Blau
Auffällig insgesamt die Betonung der Farbe Blau und der Naturfarben, Naturszenerien und des Naturmaterials zur Gestaltung der Bilder. Braun, Beige, Grün, Gelb, Rot dominieren neben dem Blau. Auch in den Werken, die Metallisches und Technisches darstellen – einem Bereich, der immer noch nicht mit Frauen in Verbindung gebracht wird. Diese Verbindung stellen die Bilder von Angelika Wahl-Roblot und Ingrid Kußmaul her. Blau war lange Zeit die Farbe der Frauen, der emotionalen Seite, des Unterbewusstseins, des (Frucht-)Wassers. Hier wird die Vernetzung mit Weiblichkeit und Natur, selbst in technischen Bereichen, unter anderem mit den Farben Blau und Braun, wieder geschaffen. Denn auch Metall kommt aus der Erde. Vergänglichkeit in Form von rostigen Eimern wird arrangiert neben dem lebendigen Frühlingserblühen als Pflanzencollagen. Die Arbeit mit Pflanzenteilen, mit Farben aus der Natur stellen die Verbindung der Menschen, hier vor allem der Frauen, mit der Natur wieder her. Menschen sind Teil der Natur, was auch die Pflanzencollagen-Portraits verdeutlichen.
„Atmen“, „Friede“, „Love“. Diese Titel weiterer Bilder in zyklischen Kreisen nennen die Sehnsüchte von Frauen. Das weibliche Auge ruht auch auf Afrika, der Urheimat, der Wiege der Menschheit. Siglinde Pfeifer zeigt afrikanisches weibliches Leben und die dortige Natur durch Filzarbeiten.