Speyer
Ausstellung in der Städtischen Galerie
Vor elf Jahren stellte die FKG – die Frankfurter Künstlergesellschaft – zum ersten Mal in Speyer aus. Sie ist eine der ältesten noch aktiv wirkenden Künslerbünden. Gegründet wurde sie im Jahr 1857. Künstler aus der Anfangszeit waren beispielsweise Hans Thoma und Wilhelm Trübner.
Aktuell gibt es 20 aktive Künstler, von denen 18 jetzt ihre Arbeiten nach Speyer gebracht haben.
Macht es Sinn? ergibt es Sinn? Was ist leichtsinnig an den Werken. Sinnfrei ist Kunst nie und leichtsinnig in der Vieldeutigkeit des Wortes sollte sie doch immer sein. Leichtsinn birgt Gefahr, fordert auf Grenzen zu balancieren, oder über sie zu gehen – Tabus zu brechen. Gleichwohl hat Leichtsinn etwas von Leichtigkeit und Unbekümmertheit. Er gibt der Kunst einen tröstenden Charakter mit und kann auch sehr unterhaltsam sein.
Leicht und flüchtig
So bei den Aquarellen und Rohrfederzeichnungen des Zeichners und Illustrators Klaus Puth. Seine comicartigen Arbeiten sind leicht und flüchtig. Ein erstes Lachen mutiert zum Schmunzeln bis hin zu bissiger Kritik – in einem Werk. Leicht hingeworfen sitzen die Linien. In der Arbeit mit dem Titel „Tischlein deck dich“, eine Federzeichnung mit Aquarell auf Büttenpapier sitzen die geladenen Gäste mit herrlich hungrig gierigen und mürrischen Gesichtern vor der prall gedeckten Tafel. In den Tuschezeichnungen „Der Hungerkünstler“, lllustrationen zu einem Werk Franz Kafkas, sperrt er rappeldürre Künstler in einen Käfig und stellt sie der Öffentlichkeit aus. So bitterbös und gleichzeitig mit leichtem Strich. Mit seinem Stil zitiert er aus der Kunstgeschichte. Anklänge an Wilhelm Busch oder Otto Dix sind unverkennbar.
Auch die Acrylbilder von Andreas Wald versetzen in vergangene Zeiten. Wald fügt Architekturelemente zusammen. Morbide rostige Gerüste, vergammelte Geländer und Fassaden mit Rissen in warmem Abendlicht geben Zeugnis menschlichen Lebens, aber Menschen sind nicht zu sehen.
Die kleinen abstrakten Sandsteinskulpturen von Michael Sieben, einem Croissantschüler, sind wohl durchdacht. Stimmig auch in diesem Kleinformat. Man könnte sie sich auch als Modell für monumentale Skulpturen denken.
Gut gemachte Kunst
Die Bronzeplastiken von Uli Mai und auch von Clemens Maximilian Strugalla sind gut gemachte Kunst, die aber ebenfalls kein Risiko eingehen. Es fehlen Experimente um klare zeitgenössische Akzente zu setzen. Ebenso bei der Malerei. Die Ölgemälde von Yuriy Ivashkevich mit gekonnter Farbgebung in leuchtenden Farben sind aufgespachtelt. Sie sind abstrakt und doch mit konkreten Landschaftsmerkmalen ausgestattet.
Auffallend sind realistische Richtungen. Teils hyperrealistisch oder auch fotorealistisch.
Die Holzskulpturen von Achim Ribbeck leben von realistischen Formen, denen er aber ganz eigene und auch mutige Akzente beigibt. Ribbeck, der 2012 den Preis der Ike und Berthold Roland-Stiftung erhielt, zeigte schon mehrfach Arbeiten in Speyer. Er ist Mitglied des BBK und der Pfälzischen Sezession. Mit Lindenholz schafft er eine pralle sinnliche Körperhaftigkeit. So bei der lebensgroßen Skulptur „Curva“, die leidenschaftlich ihren Kopf nach hinten wirft und ihre Holzhaare schüttelt, und bei der mit Spiegeln kombinierte Arbeit: „Hinterbewußtheit“. Bei der Skulptur „Angemessenen Anforderung“ verwendet er das wunderbare Holz der Elsbeere, mit einem Charakter und einer Glätte wie Marmor.
Nicht festzulegen
Der Bildhauer und Grafiker Martin Konietschke lässt sich nie festlegen auf ein Konzept oder ein Material. Er zeigt in der Ausstellung der Frankfurter Künstlergesellschaft ein Acrylgemälde und eine Tuschezeichnung. Bei der großen Arbeit mit dem Titel „Das Pflaster“ schaut ein Mann mit einem Verband über dem Auge entsetzt und mit aufgerissenem Mund in den Spiegel. Nur im ersten Moment er scheinen die strubbeligen Haare witzig. Erfasst man die Situation in ihrer Tragik wechselt der Eindruck sogleich.
Ausstellung
Zu sehen in den Räumen der Städtischen Galerie im Kulturhof Flachsgasse bis 11. Juli. Geöffnet donnerstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Es gilt eine Vorausbuchungspflicht. Diese kann telefonisch montags bis mittwochs von 8 bis 13 Uhr sowie während der Öffnungszeiten unter 06232 14-2399 erfolgen.