Speyer Ausdrucksvoll und anrührend

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Vor kurzem hat die junge Sopranistin Tatjana Rjasanova ihr künstlerisches Examen an der Mannheimer Musikhochschule abgelegt. Dem Klavierbegleiter Harald Braun hat ihre Stimme so imponiert, dass er gemeinsame Konzerte organisiert hat – eine Möglichkeit für sie, sich zu präsentieren, und eine Möglichkeit für Musikfreunde, diese Stimme kennenzulernen. Die Begegnung am Freitagabend in der Speyerer Heiliggeistkirche gab Anlass zu besten Hoffnungen auf eine große internationale Karriere.

Rjasanova begann ihre sängerische Ausbildung am Konservatorium ihrer Heimatstadt Moskau. 2007 setzte sie ihr Studium an der Mannheimer Musikhochschule bei Alejandro Ramirez und Katharina Dau fort. Sie wirkte in diversen Produktionen der Mannheimer Opernschule und bei Konzerten des Mannheimer Nationaltheaters mit. Am Nationaltheater sang sie die Rolle der Warwara in der vielbeachteten Uraufführung der Oper „Der Idiot“ von Mieczyslaw Weinberg. In Speyer präsentierte sie sich mit einem vielgestaltigen Programm, das von barocker Kirchenmusik über Opernarien und Kunstlieder bis zur Operette reichte. Sie wurde allen Genres gerecht und imponierte mit einer warmen und angenehm timbrierten, ausdrucksstarken, allzeit sicher geführten Stimme – frustrierend aber für die Künstlerin, dass fast niemand etwas davon mitbekam; nur sehr wenige Zuhörer hatten den Weg in die Heiliggeistkirche zu diesem beglückenden Konzert gefunden. Virtuose Geläufigkeit zeigte Rjasanova in den schwierigen Koloraturen des Alleluia aus der Motette „Silete Venti“ von Händel. Auch mit dem „Vidit suum“ aus Pergolesis „Stabat mater“ qualifizierte sie sich als Konzertsängerin für geistliche Musik. Aus dem Operngenre hatte sie sich zwei bekannte Arien ausgesucht und dabei Mut bewiesen, fordert das doch Vergleiche heraus. Aber da vermochte sie zu bestehen: Ausdrucksvoll und anrührend gestaltete sie die Arie der Pamina „Ach ich fühl’s“ aus Mozarts „Zauberflöte“, und dass sie nicht nur das lyrische deutsche Fach, sondern auch den koloraturengesegneten italienischen Belcanto beherrscht, demonstrierte sie mit der Arie der Norina aus Donizettis „Don Pasquale“. Vom großen Opernton in die dezenteren, aber differenzierteren Gefilde des klassischen Liedgesangs fand sie mit zwei Liedern von Schumann, die sie mit romantischem Gefühl sang. Auch anderen Liedstilen wurde sie bestens gerecht: der feinen französischen Poesie von Viernes „Chanson pour avril“, der üppigen slawischen Gefühligkeit in drei Liedern ihres Landmanns Rachmaninov und der deutschen Fin-de-siecle-Expressivität zweier früher Lieder von Schönberg sowie der als Zugabe gebotenen „Cäcilie“ von Strauss. Als Kontrast zu diesem ziseliert-schweren Stoff bewährte sich Rjasanova als treffliche Operettensängerin im ebenso charmant wie vollmundig vorgetragenen „Liebe, du Himmel auf Erden“ aus „Paganini“ von Léhar. Braun ist in der Region bekannt als langjähriger Assistent des Chordirektors am Mannheimer Nationaltheater. Heute wirkt er als Korepetitor an der Musikhochschule Karlsruhe. Als Klavierbegleiter war er damit in seinem Element, er unterstützte die Sängerin aufmerksam und sensibel. Dazu setzte er mit einigen Solobeiträgen eigene Akzente.

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