Speyer
Ausbildungsmesse „Katapult“: Direkt mit denen sprechen, die den Job machen
Linda Klein ist aus Schifferstadt und hörte von ihrer Speyerer Oma, dass eine Ausbildungsmesse stattfinden wird. „Dann wollte ich mal herkommen“, so die 17-jährige Schülerin. Denn: „Ich habe zwar eine grobe Idee, was ich nach dem Abi machen will, aber so richtig genau weiß ich das eben nicht. Ich hatte schon mal Jobs gegoogelt.“ Linda ist kein Einzelfall, knapp 500 Interessierte aus Speyer und Umgebung bestätigen dies. Ideen ja, konkrete Pläne nein. Viele, meist jüngere, Menschen strömen Richtung Stadthalle. Oft in Gruppen, man kennt sich vielleicht aus den Schulen oder vom Verein.
Am Eingang steht die Polizei. Ihr geht’s aber ausnahmsweise nicht ums Kontrollieren, sondern ums Ausstellen ihres Angebots als Arbeitgeber. „Polizei ist nichts für mich“, meint Linda, sie sei zu ängstlich für den Dienst in Uniform, so ihr persönliches Gefühl. Da kommt es gelegen, dass sich das Finanzamt mit seinem Ausbildungsprogramm auch vorstellt: „Das wäre eher etwas für mich, zumal ich Mathe gut kann“, sagt die junge Frau aus dem Nachbarort.
Dabei sei es gar keine Voraussetzung, dass man eine „Eins“ in Rechnen hat, um beim Finanzamt Karriere zu machen, erklärt die Dame am Stand des Fiskus. Vielmehr offene und wissbegierige junge Leute seien gewünscht, wenn die schulischen Leistungen stimmen, umso besser, so der Tenor der Aussteller. Manch ein Job braucht aber deutlich mehr als schulisches Wissen, zum Beispiel bei der Bundeswehr. Dort muss auch körperlich etwas geleistet werden. Dennoch ist der Stand des Heeres umringt von jungen und teilweise auch zierlichen Leuten. Wohl nicht alle haben Angst vor Uniformen oder Panzern.
Nicht nur googeln
Auch ganz klassische Ausbildungen wie zum Verwaltungsangestellten bei der Deutschen Rentenversicherung oder die Banklehre werden präsentiert. Discounter-Ketten, Ministerien, Akademien, Kliniken und die BASF stellen sich vor, die Stadtwerke Speyer haben einen Infostand aufgebaut. Einzelhändler und Seniorenzentren sind ebenfalls am Start.
„Die Messe soll künftig ein Mal im Jahr in Speyer stattfinden, die erste Resonanz ist auch gut“, erklärt der Veranstalter, Thorsten Karau. Er ist Diplom-Betriebswirt und Geschäftsführer der für die Messe verantwortlichen Red Brain Event UG aus Düsseldorf. In ganz Deutschland reist seine Firma mit dem auch in Speyer vorgestellten Konzept herum.
Was das hiesige Publikum durchaus bestätigen kann: „Es ist sehr schön, weil man direkt mit den Menschen, die den Job machen, sprechen kann und nicht nur lesen muss, was Google dazu sagt“ zieht Linda Klein ihre eigene Messe-Bilanz. Nächstes Jahr komme sie sicher wieder, meint sie. Und googeln wird sie doch: Nach den Verdienstmöglichkeiten beim Finanzamt. „Das wollte mir keiner so recht verraten.“ Auch Bildungsmessen hüten eben Berufsgeheimnisse.