Speyer
Aus die Maus: Mit der Schließung der Postbank endet eine lange Tradition in Speyer
Ab dem Jahr 1490 wurde es deutlich einfacher, wichtige Dokumente zwischen den Städten des mittelalterlichen Reiches zu befördern, das von Österreich bis zu den Niederlanden zusammengewachsen war: Es wurde ein regelmäßiger Botendienst für den Hof von Kaiser Maximilian I. eingerichtet – der historische Postkurs zwischen Innsbruck und Mechelen. Eine der Stationen auf der siebentägigen Reise berittener Boten über 1024 Kilometer: Speyer, das nach 546 Kilometern am vierten Tag der Reise erreicht wurde und somit etwa auf der Hälfte der Reisestrecke lag.
Es begann eine lange Postgeschichte mit Höhen und Tiefen, in der die Domstadt lange eine wichtige Rolle spielte. Ein erster Tiefpunkt datiert dabei schon auf das Jahr 1490, als der kaiserliche Hof die Einrichtung einer Posthalterei in Speyer erwog, der Rat der freien Reichsstadt diesem aber offenbar die kalte Schulter zeigte, wie Heinz Rassloff in einer Geschichte des Postamts Speyer schreibt. Den Vorzug erhielt das badische Rheinhausen, von wo die Reiter dann per Fähre auf die pfälzische Seite übersetzten.
Entscheidung für einen Neubau
Als Speyer im Jahr 1816 Sitz der Kreisregierung in der nun bayerischen Pfalz wurde, war auch der Weg für eine Aufwertung des Postamts geebnet. Diese war damals laut Rassloff eher bescheiden in zwei Zimmern des Lokals „Einhorn“ eingemietet. Am Gebäude wurde die Bezeichnung „Königliches Bayerisches Postamt“ angebracht. Die Hochstufung zum Oberpostamt und mehrere Umzüge folgten, bevor 1897 der Beschluss fiel, ein posteigenes Gebäude für dessen Unterbringung zu errichten. Für 160.000 Mark wurden Immobilien der damaligen Storchen-Brauerei erworben. Bis 1901 wurde das prächtige Gebäude errichtet, das auch dem angrenzenden Postplatz den Namen gab.
Es handelte sich mit Kosten von fast 1 Million Goldmark um eines der bedeutendsten Gebäude innerhalb eines Bauprogramms der bayerischen Regierung. Für die Immobilie im neubarocken Stil zeichneten die Beamten Anton Geyer und Otto Baer verantwortlich. In den 1920er-Jahren wurde sie erweitert und nimmt seitdem den gesamten Bereich zwischen Postplatz, Gutenberg-, Bahnhof- und Mathäus-Hotz-Straße ein. „Als überragender, weithin sichtbarer Baukörper mit anspruchsvoller Gliederung ist das Denkmal städtebaulicher Mittelpunkt“, urteilt die Denkmaltopographie des Landes Rheinland-Pfalz.
Fernsprechschule als besonderes Angebot
Oberpostdirektion war der Speyerer Standort von 1920 bis 1943. Im Nationalsozialismus wurde er der damaligen Reichspostdirektion Saarbrücken unterstellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Neustadt übergeordnet. Im mächtigen Gebäude reichte der Platz aus, um 1952 eine Post- und Fernsprechschule anzusiedeln, in der auch Postbeamte ausgebildet wurden und die mit ihren Schwerpunkten bundesweit einmalig war.
Die Lage änderte sich nach der Privatisierung des Staatskonzerns in den 1990er-Jahren. Damals wurde auch die historische Schalterhalle aufgegeben und die Postfiliale in den Gebäudetrakt in der Wormser Straße verlegt, der diese Woche den Abschied des langjährigen Mieters erlebt. Der einstige Sitz wurde zur Postgalerie umgebaut, wobei die Investoren seither zweimal wechselten. 2012 wurde sie als fast ausschließliches Einkaufszentrum eröffnet. Mehrere Umbauten später ist die Anzahl der Geschäfte verringert, und ein Großteil der rund 23.000 Quadratmeter Fläche wird von einem Hotel sowie von mehreren Dienstleistern belegt.
Die Postbank, heute zur Deutschen Bank gehörend, hat 2024 den Abschied aus Speyer angekündigt, den sie jetzt vollzieht. Sie verweist ihre an Beratung interessierten Kunden auf digitale Wege oder die Landauer Filiale. Die Speyerer Mitarbeiter würden an benachbarte Standorte versetzt – nach RHEINPFALZ-Informationen unter anderem nach Bad Dürkheim, wo aber wiederum die Filialschließung für das Jahr 2026 angekündigt ist.