Speyer
Auftakt der zweiten jüdischen SchUM-Kulturtage
Ungefähr 20 Speyerer treffen sich am Mittwoch zur Begrüßungsveranstaltung vor dem Dom. Auch Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) ist dabei, wenn es darum geht, die reiche jüdische Kultur der Stadt zu würdigen. „SchUM ist weit mehr als nur ein Akronym, zusammengesetzt aus den jiddischen Anfangsbuchstaben der Städte Speyer, Worms und Mainz“, betont sie.
An der Geburtsstätte des aschkenasischen Judentums seien die Grundsteine der wichtigsten Lehren der Religion gelegt und Bauten geschaffen worden, die das Speyerer Stadtbild noch heute prägten, sagt Seiler. „Jüdische Tradition und Geschichte strahlen in unsere Zeit.“ Mit der Aufnahme der SchUM-Stätten in die Weltkulturerbeliste erfahre dieser Umstand verdiente Anerkennung und Aufmerksamkeit, so die OB, die auch Vorsitzende des SchUM-Vereins ist. „Jüdisches Leben war, ist und wird Teil der Stadt bleiben“, betont sie am Kaiser- dom, der seit 1981 von der UNESCO als Weltkulturerbe gelistet ist.
„Touristen“ aus USA suchen nach Spuren von Vorfahren
Mit Handwagen nähern sich Angela Pfenninger (Museum-Theater-Events, Speyer) und Ibrahim Karabed (Theater und Zeit, München) der Gruppe, gekleidet und frisiert wie Juden am Anfang des 12. Jahrhunderts. Sie schreiten mit ihrem Stationentheater voran zur Zeitreise, die im wenige Meter entfernten Judenhof beginnt. Pfenninger schlüpft vom wollenen Kleid ins linnene Gewand, Karabed wird auch optisch zum jüdischen Gelehrten. Zunächst bitten sie den damaligen Speyerer Bischof Rüdiger um Asyl und verlesen dessen Erlass vom 13. September 1084. Danach wollte der Bischof Speyer mit der Ansiedelung der Juden von der Klein- zur Weltstadt erheben.
„In Studium und Gebet sprechen wir Hebräisch“, erklärt Karabed in der Rolle des Gelehrten. Untereinander hätten die ersten Speyerer Juden Französisch und mit den Christen Deutsch gesprochen. Die Teilnehmer erfahren viel über Leben, Bildung und Kleiderordnung der Vorfahren. Im Judenhof mit Ritualbad, Monumentalmikwe, Synagoge und „Frauenschul“ wird Geschichte greifbar. Zwischen erhaltenem uraltem Gemäuer veranschaulischen die beiden Darsteller jüdisches Leben mit Überlieferungen, Musik und Charakterisierungen wie: „Zwei Juden, drei Meinungen“.
Zwölf Jahre nach Ansiedlung erste Verfolgungen
Auch Vorurteile der Bevölkerung gegen die Neubürger bleiben nicht verborgen. „Die haben bei der großen Pest auch die Brunnen vergiftet“, kritisiert Pfenninger als Speyerer Frau im Mittelalter die Juden. „Der Herr straft uns für unsere Sünden“, erklärt der Gelehrte Karabed den damals bereits verbreiteten Antisemitismus. Die erste Judenverfolgung habe schon zwölf Jahre nach ihrer Ansiedelung in Speyer begonnen, macht er die Ablehnung deutlich, die das jüdische Volk noch in unserer Zeit von Teilen der Gesellschaft erfahren muss.
Weiter geht es zum Kulturhof Flachsgasse und von dort zu der kleinen Gasse, in der anstelle der ersten Speyerer Synagoge heute eine Kaufhof-Filiale steht. Pfenninger und Karabed kommen als amerikanische Touristen auf der Suche nach ihren Vorfahren hinzu. Er im Hawaii-Hemd, sie mit Pelzmütze. Die einzigen Hinweise auf ihre Wurzeln finden sie auf dem historischen Pflaster der Stadt, den für Speyerer Opfer des Nationalsozialismus gelegten Stolpersteinen.
„Schalom Spira“ für friedliches Zusammenleben
Beeindruckt und erschüttert von traurigen Schicksalen, die sich durch die jüdische Geschichte der Stadt ziehen, aber auch überrascht über viele kulturelle Fundamente der ersten Juden in der Stadt wandert die Gruppe weiter zum Weidenberg, wo die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz in Beith-Schalom, der vierten Speyerer Synagoge seit Ansiedelung der Juden in der Stadt, seit dem 9. November 2011 betet, Feiertage begeht und Besucher empfängt. Auch die Gruppe um Pfenninger und Karabed. Die Teilnehmer erfahren von der Ankunft der Juden aus Osteuropa Anfang der 1990-er Jahre, von der Entwicklung der Gemeinde und des neuen jüdischen Lebens in Speyer.
Das Stationentheater mit Pfenninger und Karabed hat mit „Schalom Spira“ tief in die Historie der Juden in Speyer blicken lassen und für eine gute Zukunft für alle, die in der Stadt leben, geworben. Auch das weitere Programm der SchUM-Kulturtage wird dazu beitragen. Schalom.