Speyer Auf Petrus’ Spuren

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Wohin gehen, was ist das Ziel, der Sinn des Lebens? Bei der Meditationswanderung des Natur- und Vogelschutzvereins Dudenhofen am Dienstagabend suchte der evangelische Pfarrer Volker Glaser eine Antwort in der Lebensgeschichte von Simon Petrus. Zwischen vier Stationen folgte Glaser mit 70 Teilnehmern den Spuren, Hoffnungen und Zweifeln eines der ersten Jünger Jesu Christi.

Los ging es an der Grillhütte hinter der Ganerbhalle. Glaser: „Das Ziel ist festgelegt, dass wir dort ankommen werden, ist anzunehmen.“ Da Bürgermeister Peter Eberhard, seines Zeichens ehemaliger Förster, voranging, bestand daran kein Zweifel. Er hatte zuvor die dösenden, Winterschlaf haltenden Waldtiere mit dem Jagdhorn auf die Meditationsgänger vorbereitet. Den Teilnehmern gab Pfarrer Glaser Fragen zum Nachdenken während der Wanderung und darüber hinaus mit auf den Weg: Wollen wir uns leiten lassen oder das Ziel selbst bestimmen? Was ist, wenn es irgendwann erreicht ist? „Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht, vor lauter kleinen Aufgaben das Eigentliche, Wesentliche nicht.“ Erste Station: der „Viehhof“, in Vorzeiten Verscharrungs-Stätte verendeter Nutztiere, Standort der ältesten Esskastanie im Dudenhofener Wald. Simon, erzählt Glaser, ist jung, zupackend, vorlaut, steht, von sich, seinem Tun, Wollen überzeugt am Ufer, reinigt, flickt Fischernetze, hört einen Rabbi zu den Leuten reden. Der bittet ihn: „Fahre hinaus auf den See und wirf die Netze aus.“ Am helllichten Tag ein sinnloser Vorschlag, da er die ganze Nacht nichts gefangen hat. Dennoch lässt sich Simon darauf ein. Wer weiß? Der Fang ist unglaublich. Für den Fischer ein Zeichen, so Glaser: „Jesus, dieser Rabbi ist nicht irgendjemand. Irgendjemandem kann man nicht folgen, sein Leben anvertrauen. Dieser ist anders. Sein Reden wird von Taten bestätigt. Auf den kann man hören, dem kann man folgen.“ Er hat sein Ziel, seine Aufgabe gefunden: „Was uns dauerhaft ausfüllen soll, muss unbegrenzt groß sein und darf nicht irgendwann seine Bedeutung verlieren.“ Am „Kriegsbaum“ von 1914 – alle anderen Bäume ringsum wurden zur Kriegsvorbereitung abgeholzt – ist in der Erzählung die Begeisterung für den, der das Brot vermehrte, verflogen. Von Tausenden sind lediglich zwölf geblieben: „So ist es oft. Der Weihnachtsjesus für die Stimmung, zum erwachsenen Jesus von Nazareth, der unseren Lebensstil, unsere Überzeugungen in Frage stellt, halten wir besser Abstand.“ Ist man noch auf dem richtigen Weg, lohnt es sich, ihm weiter zu folgen, wenn ihm so viele den Rücken kehren? Glaser: „Wer möchte nicht lieber einem gefeierten Star zujubeln als einem Versager.“ Simon schert sich nicht um die Masse, den vorherrschenden Wind: Der ist frei, der nicht jedem Trend folgt. In der Schutzhütte behandelt Glaser den Verrat: Jesus wird angeklagt, Simon fehlt der Mut, sich zum Freund zu bekennen, ihm beizustehen. „Bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ Er ist schwach, ein Feigling, bereut: Bitter, wenn man gegen seine Absichten gehandelt hat, hinter dem eigenen Anspruch zurückgeblieben ist. Bitter, wenn man schuldig geworden ist, das Falsche gewählt, das Wichtigste vernachlässigt hat. Glasers Ableitung für die heutigen Verirrten: „Gibt es einen Ausweg, Neuanfang? Wer führt Sie aus den Tiefen Ihres Lebens heraus?“ Was für Simon nicht so einfach ist: Jesus, dem er folgte, wird gekreuzigt, das Grab ist leer, der Tod löschte alle Illusionen. Am „Vier-Säulen-Stein“ angekommen, thematisiert Glaser die zweite Chance, die Jesus Simon, dem späteren Petrus, gibt. Simon darf wieder dazugehören, ihm nachfolgen, so gut er es vermag. Was genügt. Glaser: „Er weiß jetzt, dass kein Versagen, wie bitter es auch sein mag, alles beenden kann.“ Zurück von der Wanderung sind für Glaser die Fragen des Jahres 2015 auch die von 2016: „Wo gehen Sie hin? Auf welches Ziel gehen Sie zu? Wer oder was leitet Sie zu diesem Ziel? Wissen Sie, wo Sie willkommen sind, wenn Sie Fehler gemacht haben?“ Die Spende für die Einkehr in die Grillhütte gibt Glaser weiter an Kindertagesstätten in Brasilien, am Rande der Favelas. (län)

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