Speyer „Auf gut Pfälzisch bei einem Glas Wein“

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Herr Feiniler, Herr Oelbermann, Sie beide lächeln auf Ihren großen Wahlplakaten, die an den Straßen stehen, Ihre Spitzenkandidatinnen an. Sind das eigentlich Originalaufnahmen oder ist das mit Photoshop gemacht? Feiniler:

Bei uns hatte jeder einzelne Kandidat, der es wollte und die großen Plakate finanzieren konnte, ein Fotoshooting mit Malu Dreyer in Mainz. Oelbermann: Nach meiner Nominierung im Dezember hat’s geeilt, ich war in Mainz in der Landesgeschäftsstelle. Dann kam Julia Klöckner und hat gesagt, ich sei schön genug, aber sie müsse sich noch etwas herrichten. Ich habe gemeint, es sei anders herum, aber dann ging es sehr schnell. Wir haben uns wirklich angelächelt. Sie sind beide nicht über die Landeslisten Ihrer Parteien abgesichert und somit in einer besonderen Situation im Wahlkampf. Wie geht man damit um? Feiniler: Ich bin in diesen Wahlkampf mit dem Ziel gegangen, dass ich die Wahl gewinne. Das ist die Voraussetzung. Und ich bin auch davon überzeugt, dass das klappt. Spielt da nicht trotzdem auch Nervosität eine Rolle? Feiniler: Ich gebe zu, dass ich am Anfang nicht so ruhig war, bin aber in den letzten drei Wochen ruhiger geworden. Natürlich spielen dabei auch die Umfragen eine Rolle, über die ich mich im Moment freuen kann. Auch positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung tun gut. Oelbermann: Für mich war die ganze Kandidatur von Anfang an spannend und ist es auch geblieben. Ich hatte damit keine Erfahrungen und erlebe jeden Tag etwas Neues. Natürlich will ich gewinnen, gehe aber auch mit einer gewissen Gelassenheit daran. Jetzt schauen wir, was herauskommt. Die Rückmeldungen, die ich bekomme, sind außerordentlich positiv. Muss man einen anderen Wahlkampf machen, wenn man keinen sicheren Listenplatz hat? Oelbermann: Wir müssen sicher mit mehr Einsatz reingehen als Kandidaten auf sicheren Listenplätzen. Ich weiß aber nicht, ob diese Kandidaten es nicht genauso intensiv tun. Feiniler: Wir haben derzeit einen Drei-Parteien-Landtag, aber ich gehe nicht davon aus, dass es dabei bleiben wird. Insofern wird es bei beiden großen Parteien weniger sichere Listenplätze geben als 2011. Da müssen sich viele Gedanken machen. Oelbermann: Die Listenplätze von uns beiden werden nicht ausreichen. Wir müssen eben schauen, dass wir das Direktmandat gewinnen. Das ist ein richtig strammes Programm, aber es macht Spaß. Herr Oelbermann, eine etwas freche Frage mit Blick auf das stramme Programm: Haben Sie abgenommen in dieser stressigen Phase? Oelbermann: Das kann ich Ihnen nicht beantworten. Ich habe seit etwa zehn Jahren mit meiner Waage den Pakt geschlossen, dass ich sie nicht mehr behellige. Ich könnte Ihnen also mein Gewicht nicht sagen, es ist mir auch egal. Herr Feiniler, Sie als Dressman unter den Kandidaten: Wie viele Anzüge haben Sie gekauft für den Wahlkampf? Feiniler: Gar keinen. Alles Altbestand. Ich warte jetzt, bis die Sommerware da ist. Bei mir ist das Problem in diesem Wahlkampf übrigens ein anderes als bei denen, die vor lauter Stress abnehmen: Ich könnte mich im Moment totessen, das hatte ich noch nie. Vorige Woche habe ich in einer Landtagssitzung glaube ich eine ganze Tafel Schokolade verdrückt. Gummibärchen liegen im Plenarsaal übrigens auch in allen Ecken herum. Was haben Sie im Wahlkampf am liebsten: die direkte Ansprache am Stammtisch oder auf der Straße oder die Rede drinnen am Pult? Oelbermann: Für mich am besten ist, wenn man direkt ins Gespräch kommt und dann auch mal etwas länger Zeit hat. Am Wahlkampfstand sind es meist nur relativ kurze Gespräche. Anders war es am Dienstag: Da haben wir gemeinsam in Berghausen das Fernsehduell geschaut: Klöckner – äh, wie heißt se …? Feiniler: Oh, das ist schlecht, wenn man seine eigene Ministerpräsidentin nicht kennt. Oelbermann: Nein, war nur ein Spaß. Feiniler: Zurück zu den Wahlkampfmethoden: Man wird mit der Zeit besser, das habe ich auch gemerkt. Ich sitze seit 2004 im Stadtrat und habe mich da anfangs gar nicht getraut, etwas zu sagen. Man wird lockerer, freier. Dabei bin ich nicht der Typ, der sich vorne hinstellt und eine 30-minütige Rede hält. Mir ist das lieber, wenn ich das in Form eines Interviews machen kann, wie bei meiner Nominierung oder kürzlich beim Besuch von Malu Dreyer. So ein bisschen gesträubt hatte ich mich zunächst gegen das Thema Haustürwahlkampf. Heute muss ich sagen, dass das eine positive Sache ist, die gut ankommt. Was nervt Sie im Wahlkampf? Feiniler: Ich wollte eigentlich zu dem Thema AfD nichts mehr sagen. Mittlerweile ist es so, dass ich Drohungen bekomme. Deshalb halte ich mich da sehr zurück. Ich hoffe nur, dass es uns gelingt, dass wir sie nicht im Landtag sitzen haben. Das wäre eine Katastrophe für dieses Land. Was da in Facebook abgegangen ist, ist schon grenzwertig. Oelbermann: Auch wir leiden als Partei unter dieser aufkommenden Stimmung. Wirklich nerven die Gespräche mit Leuten, die nur kommen, um mit Schlagworten ihren Totalfrust zu äußern, aber keinerlei Diskussion wollen. Man muss sich dann damit trösten, dass es über 90 Prozent sind, die diesen Unsinn nicht wählen. Deshalb tun wir im Wahlkampf auch alles dafür, um ihn einzudämmen. Was waren denn die Themen, die bisher dominiert haben im Landtagswahlkampf 2016? Feiniler: Das Thema Flüchtlinge hat fast alles überlagert, aber ich hoffe, dass wir in den bis zur Wahl verbleibenden Tagen noch mit anderem vordringen können. Bisher überschattet die Bundespolitik diesen Landtagswahlkampf. Gemerkt hat man aber auch, dass gebührenfreie Bildung und das Thema Schreiben nach Gehör die Leute bewegt haben. Oelbermann: Flüchtlinge ist sicherlich ein Hauptthema. Wir werden aber auch zu Bildung, Sicherheit, Verkehrswegebau angesprochen und können dann vernünftig über unterschiedliche Positionen diskutieren. Sind Sie im Wahlkampf eigentlich auch verstärkt mit Flüchtlingen in Kontakt gekommen? Oelbermann: Ich habe vorher schon Kontakte im Bekanntenkreis gehabt, aber das verstärkt sich jetzt natürlich. Ich weiß nicht, ob ich vor meiner Kandidatur so lange beim Freitagsgebet der muslimischen Gemeinde gewesen wäre, um mit ihr zu feiern und intensiv zu reden. Und ich weiß nicht, ob ich so viele interessante Kontakte mit wunderbaren Menschen beim Asylkreis in Römerberg geknüpft hätte. Es ist großartig, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Feiniler: Ich bin oft bei meiner Mutter in Speyer-Nord, wo wir die große Erstaufnahme haben. Da sind oft auch viele Flüchtlinge. Ich kann nur sagen, dass ich positives Bild von diesen Leuten gewonnen habe. Sie sind sehr, sehr dankbar, es ist eine Bereicherung mit ihnen zu reden. Alles andere, was man schon gehört hat, kann ich nicht bestätigen. Man muss sich selbst ein Bild machen. Ich weiß aber auch nicht, ob ich so viele Kontakte hätte, wenn ich kein Kandidat wäre. Oelbermann: Wobei das unsere persönlichen Erfahrungen sind. Aber man kann auch nicht so tun, als wäre überall alles wunderbar. Es gibt auch Auswüchse und Ängste, wegen denen gehandelt werden muss. Feiniler: Man muss auch die Leute ernst nehmen, die Ängste haben. Es ist nicht alles wunderbar und toll. Ich habe Leute in Speyer-Nord erlebt, die ich persönlich kenne und die mich gefragt haben: „Wie kannst du für eine solche Flüchtlingspolitik eintreten?“ Uns muss es gelingen, diese Ängste zu nehmen. Wo bauen Sie sich wieder auf, wenn es im Wahlkampf Durchhänger gibt? Oelbermann: Ich habe ja ein ungewöhnliches Hobby, und darüber habe ich auch dem Moderator beim Besuch von Kanzlerin Merkel in Frankenthal berichtet: So eine Stunde auf dem Traktor entspannt überaus, und so eine halbe Stunde zwischen richtigen Rindviechern, die ich züchte, auch. Wir haben einen funktionierenden Freundeskreis und eine große Familie. Die Kollegen im Betrieb machen einen Schutzkokon um mich derzeit. Das sind nicht unbedingt alles CDU-Wähler, wie das im Buchhandel so üblich ist, aber sie sind ungeheuer fürsorglich. Das klappt sehr gut … Feiniler: Bei mir kommt noch die Arbeit in Mainz dazu. Die Hin- und Herfahrerei belastet schon. Ich schaue, dass ich mir den Sonntag freihalte. Das ist mir jetzt zumindest einmal gelungen. Da habe ich dann den halben Tag auf meiner Couch verbracht, und nachmittags sind wir spazieren gegangen. Montagsmorgens will ich außerdem in mein Sportstudio gehen. Hat sich der Wahlkampf verändert? Früher wurde auf den Kugelschreiber und den Luftballon gesetzt: Kann das wirklich noch was bewirken? Oelbermann: Ich glaube nicht. Es sorgt aber für einen angenehmen Antritt. Die Leuten reagieren relativ freundlich auf kleine Geschenke, ich kann nicht sagen, ob es wirklich etwas bewirkt. Wie Sie mit den Leuten ins Gespräch kommen, liegt an denen, aber auch an Ihrem Talent, und meistens klappt es ganz gut. Was verschenken Sie, Herr Feiniler? Feiniler: Wir haben Mikrofaser-Brillenputztücher, die kommen sehr gut an. Ich wollte sogar welche nachbestellen, bekomme aber keine mehr. Oelbermann: Hast Du eines dabei? Das könnte ich auch brauchen … Feiniler: Nee, ich hab’ keins dabei, muss ich auch aufheben für potenzielle Wähler. Die Klassiker gehen immer. Bei Infoständen habe ich manchmal eine andere Meinung als mein Wahlkampfteam, aber ich mach’s halt. Für mich mutet es ein bisschen komisch an, wenn am Altpörtel sieben Parteien in Reih und Glied stehen, nur weil’s immer so war. Oelbermann: Sie bekommen allerdings an keinem anderen Ort mehr Leute an die Stände als dort. Das heißt nicht, dass es anderswo nicht auch toll wäre. Es gibt allerdings auch die Sammler, die überall vorbeilaufen und am Ende fünf, sechs Kugelschreiber haben. Es sei ihnen von Herzen gegönnt. Wenn das alles ist … Was machen Sie eigentlich, wenn Sie nicht in den Landtag einziehen? Oelbermann: Bei mir ist das einfach: das Gleiche wie vorher, aber dann wieder mit etwas mehr Zeit. Feiniler: Es gibt keinen Plan B, es gibt auch keinen Plan A, weil ich davon ausgehe, dass ich einziehe. Herr Feiniler, warum würden Sie Herrn Oelbermann wählen, und wie wäre es umgekehrt? Oelbermann: Ich antworte als Zweiter, sei vorsichtig. Feiniler: Ich wähle mich natürlich selbst. Ich schätze aber den Herr Oelbermann auch als Menschen. Wir haben von Anfang an sehr gut miteinander gekonnt. Mit ihm kann man sich auf gut Pfälzisch bei einem Glas Wein mal normal unterhalten. Und ich schätze ihn als guten Unternehmer, bei dem ich früher schon meine Schulbücher gekauft habe. Oelbermann: Wenn der Walter sich entschließen würde, in eine vernünftige Partei einzutreten, würde ich ihn selbstverständlich wählen, weil er ein anständiger Kerl ist. Er hat gerade Ansichten und vernünftige Einstellungen und ist im menschlichen Umgang – soweit ich ihn kennengelernt habe – völlig problemlos. Letzte Frage: Wer wird Chefin der großen Koalition nach dem 13. März? Frau Dreyer oder Frau Klöckner? Oelbermann: Es gibt keine einzige Umfrage, und es wird auch in den nächsten Tagen keine geben, in denen die CDU schlechter abschneidet als die SPD. Wir sind momentan wieder am Steigen, die SPD sinkt wieder. Welche kurzfristige Situation am Ende dazukommt, weiß man nicht. Klar ist aber: Frau Klöckner wird die neue Ministerpräsidentin. In der Frage ging es auch um eine große Koalition … Oelbermann: Das ist zwar für keinen von uns die Wunschkonstellation. Aber da sich keiner auch nur andeutungsweise mit der AfD abgeben wird, kann es schwierig werden. Das heißt nicht, dass nicht jeder für seine Traumkoalition kämpfte. Feiniler: Ich sehe das natürlich anders, weil es keine große Koalition geben wird. Was die Umfragen angeht, muss ich natürlich den Kollegen revidieren: Die CDU ist am Fallen, die SPD klettert. Wenn das Theater in der CDU weitergeht, wird das so weitergehen. Aber es könnte sein, dass wir ein Vier- oder Fünf-Parteien-Parlament bekommen – und da fällt auf, dass im Moment auch sehr viel über eine Ampelkoalition geredet wird. Ich denke, dass wir durchaus in die Richtung gehen könnten.

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