Kulturelle Sommerfantasien RHEINPFALZ Plus Artikel Auf einen Kaffee mit Balu

Matthias Nowack trifft den Sänger Balu (rechts) im Flaming Star.
Matthias Nowack trifft den Sänger Balu (rechts) im Flaming Star.

Wie verbringen Künstler oder Kulturtreibende den Sommer? Was fehlt, wenn es keine Auftritte und keinen Applaus gibt? Was ist ihr Sommerrückzugsort?

Sein Künstlername ist „Balu“, und wer ihn kennt, der weiß: Wenn es in Speyer um coole Kneipen geht, steuert er am liebsten das „Flaming Star“ an - früher in der Halle 101, heute in der Gilgenstraße, wo einst der „Pfalzgraf“ residierte. Das Diner-Restaurant im amerikanischen Comic-Film-Stil ist für ihn weit mehr als eine kulinarische Anlaufstelle. Kein gewöhnliches Burger-Lokal, sondern ein kleines Popkultur-Paradies: Gäste treffen dort auf lebensgroße Skulpturen bekannter Filmikonen - von einem grün wutgeladenen Hulk über den lässig hockenden Spiderman bis hin zu Mr. Spock und Boba Fett. Ein Ort, der so sehr nach 80er-Jahre-Kult, Rock'n'Roll und Comic-Herzblut aussieht, als wäre er direkt einem Musikvideo entsprungen. Kein Wunder also, dass Balu diesen Burger-Tempel für ein Sommergespräch vorgeschlagen hat. Schon als junger Musiker hat es ihn nach der Probe mit der Band immer wieder in dieses Diner verschlagen, um sich zu stärken. Dort gab es die ersten echten Burger in Speyer und dort wurde auch über Jahrzehnte hinweg amerikanische Musik- und Popkultur zelebriert, einschließlich legendärer Konzerte.

Auch wenn ihm ein Teilzeitjob als Techniker bei der BASF ein verlässliches Einkommen sichert, schlägt Balus Herz für die Musik. Aufgewachsen in Otterstadt, erinnert er sich noch lebhaft an die wilden Nächte seiner Jugend - wenn es mit dem letzten Bus um 23 Uhr nach Speyer ging, um Partys, späte Jam-Sessions oder Livekonzerte mitzufeiern. Der Heimweg? Oft im Morgengrauen - um 4:12 Uhr mit dem ersten Schichtbus Richtung Ludwigshafen zurück nach Otterstadt. „Das gehörte einfach dazu“, sagt er rückblickend, „das hat mich in diesen Jahren geprägt.“

In mehreren Musikprojekten aktiv

Schon als Teenager spielte er in Punkrock-Formationen, brachte sich früh das Gitarre spielen bei und begann bald, eigene Songs zu schreiben. Heute ist er in mehreren Musikprojekten aktiv - unter anderem in der Band „Whisky-Kong“, mit der er einen Groove-Blues-Rock auf die Bühne bringt. Daneben tritt er mit der Westerngitarre als „Balu Solo“ auf und verwebt seine Musik gern mit Literatur - bei gemeinsamen Auftritten mit dem Speyerer Autor Manuel Zerwas. Gerade diese stilistische Vielfalt ist es, die Balu besonders schätzt: Die Mischung aus Folk, Country, Punk und Rock verleiht seinen Konzerten eine eigene Handschrift, eine unverkennbare Tiefe und Persönlichkeit. „Ich mag es, wenn Musik Ecken und Kanten hat - aber ehrlich bleibt“, sagt er.

Balus Songs kommen ohne Schnörkel aus und genau das macht ihren Reiz aus. Die Arrangements sind bewusst reduziert, die Instrumentierung schlicht. Was zählt, ist der Ausdruck. Seine Musik lebt von ehrlichen Emotionen, persönlichen Geschichten und spürbarer Haltung. Viele seiner Stücke stammen aus eigener Feder, andere sind persönliche Interpretationen von Liedern, die vielleicht nicht jeder kennt, die ihm aber emotional viel bedeuten. Komplizierte Musiktheorie? Braucht es nicht, findet Balu. „Drei Akkorde und die Wahrheit machen einen guten Song“, zitiert er eine alte Country-Weisheit - und meint es genauso. Dabei nennt er Namen wie Johnny Cash oder die Punkrockband „The Clash“ - Musiker, die Haltung zeigen, ohne großes Pathos. „Musik muss nicht komplex sein – aber sie muss echt sein“, sagt Balu. Für ihn ist ein Song dann gelungen, wenn er etwas Wahres erzählt - ein Gefühl, ein Moment, eine Erfahrung. Es ist ein klares Plädoyer für Reduktion, Authentizität und emotionale Tiefe - Qualitäten, die in seiner Musik nicht nur hörbar, sondern spürbar werden.

Kreative Zwischenphase

Die Sommerzeit ist für Balu keine Auszeit, sondern kreative Zwischenphase. Konzerttermine sind in der heißen Jahreszeit spärlicher gesät, aber ganz ohne Auftritte bleibt er nicht. Ein gemeinsames Konzert mit dem Speyerer Autor Manuel Zerwas ist demnächst im Domgarten-Café geplant - ein Format, das Musik und Literatur atmosphärisch miteinander verbindet. Daneben nutzt Balu die Sommermonate, um laufende Projekte voranzubringen, an neuen Songs zu feilen, eine CD-Aufnahme abzuschließen oder auch einfach mal „ein bisschen was zu schreiben“.

Sein liebster Rückzugsort in dieser Zeit? „Überall dort, wo Platz für eine Hängematte ist - aufspannen, reinlegen, abschalten,“ sagt er. Für große Urlaubsplanungen fehlt ihm meist die Muse, das übernimmt traditionell seine Frau. Im September geht es gemeinsam nach Italien, bevor der Herbst anklopft, seine liebste Jahreszeit. „Ich mag die melancholischeren Töne - in der Musik wie im Leben“, sagt Balu. Der Herbst sei für ihn die ehrlichere Jahreszeit - weniger heiß und weniger laut, aber dafür oft tiefgründiger.

Damit Nähe entsteht

Was ihm in der Speyerer Kulturlandschaft fehlt? Ein Ort, an dem auch solche Töne den richtigen Raum bekommen: ein kleiner, gut ausgestatteter Musikclub, mit Bühne, Technik und einem klaren Fokus auf regelmäßige Konzerte im familiären Rahmen. Ein Treffpunkt für Musiker, Kulturschaffende und Publikum gleichermaßen. Die Halle 101 sei als Veranstaltungsort zwar etabliert, für intimere Clubformate aber schlicht zu groß. „Je kleiner die Location, desto direkter das Erlebnis - für die Band genauso wie fürs Publikum“, sagt Balu. In Städten wie Weinheim oder Mannheim spiele er gerne in solchen Clubs. Dort entsteht Nähe - nicht nur klanglich, sondern auch menschlich, was ihm besonders wichtig ist.

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