Speyer Auf den letzten Drücker
Anfang November wurde es für die CDU knapp. Fünf Monate vor der Landtagswahl im März stolperte Axel Wilke, der für die Partei 2011 das Direktmandat geholt hatte, über eine Kreditaffäre und erklärte unter großem öffentlichen Druck den Verzicht auf eine erneute Landtagskandidatur. „Dann wurde es arg eng“, sagt Reinhard Oelbermann (CDU). Bis Ende Dezember musste die Partei ihren Kandidaten benennen, Oelbermann war Ersatzkandidat, trotzdem kam er ins Zweifeln: „Ich habe mich lange mit meiner Frau und den vier Kindern beraten“, sagt Oelbermann. „Alle haben schließlich gesagt: ,Das macht dir doch unheimlich Spaß, also mach’ es’“. Geboren wurde Oelbermann 1955 in Speyer, dort machte er sein Abitur, studierte Betriebswirtschaft in Mannheim und stieg dann ins elterliche Unternehmen ein. Seit 1985 ist er Geschäftsführer der Firma, die heute vier Buchläden in Speyer (zwei Standorte), Limburgerhof und Schifferstadt betreibt. 1990 zog Oelbermann nach Dudenhofen, seine Freizeit verbringt er oft auf einer Weide, 21 schottische Hochland-Rinder hält er dort. „Das ist ein super Ausgleich“, sagt er. In die Politik kam Oelbermann vergleichsweise spät, Mitte des vergangenen Jahrzehnts wollte er seinem Freund Clemens Körner (CDU) einen Gefallen tun. Der wollte als Landrat kandidieren, musste sich dafür in der eigenen Partei durchsetzen. Oelbermann fragte: „Was kann ich machen?“ Körner meinte, er solle in die Partei eintreten, dann könne er ihn als Mitglied unterstützen. Noch am selben Tag trat Oelbermann ein, heute ist er stellvertretender Fraktionschef im Ortsgemeinderat Dudenhofen und im Verbandsgemeinderat Römerberg-Dudenhofen. „In der Kommunalpolitik kann man viel bewegen“, sagt er. Sollte er im März das Direktmandat gewinnen, müsste sich Oelbermann in die Landespolitik einarbeiten. Interessieren würde ihn die Bildungspolitik. „Ich habe kein Verständnis dafür, dass Grundschüler das ,Schreiben nach Gehör’ lernen.“ Seine Frau helfe der Enkelin oft bei den Hausaufgaben und wolle dann zum Beispiel korrigieren, wenn „Und“ mit „t“ geschrieben werde. „Da sagt die Enkelin dann, ,Das ist egal, Oma’“, sagt Oelbermann. Der CDU-Politiker hat auch einen Wunsch an seine eigene Parteivorsitzende: „Mir wäre es recht, wenn Angela Merkel mal ein Zeichen setzen würde, dass wir die Sorgen der Menschen wegen der Flüchtlingssituation ernst nehmen.“ Er sei zwar nicht für die von der CSU geforderte Obergrenze, plädiert aber dafür, dass Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen kommen, schneller abgeschoben werden. Ob seine Argumentationen demnächst im Mainzer Landtag zu hören sein werden, wird sich bei der Wahl am 13. März entscheiden. Bei seinem möglichen Vorgänger Axel Wilke hat sich Oelbermann schon mal informiert, wie man aus Speyer und Umgebung am besten in die Landeshauptstadt pendelt. „Mit dem Zug geht das wohl sehr gut“, sagt Oelbermann. Die fünf wichtigsten Ziele — Stundenausfall in den Schulen reduzieren, Erhalt der Schreibschrift. —Mehr Polizisten. —Drängende Probleme im Verkehrswegebau, in den Internet- und Mobilfunknetzen und der Mittelstandsförderung angehen. —Integration als Plicht, für die Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen. —Kassensturz, bei dem neue Prioritäten gesetzt werden, ohne Kommunen zu belasten.