Speyer Auf dem Rücken der Kriegsgefangenen

Pfalz-Flugzeugwerke: Zwangsarbeiter am Band.
Pfalz-Flugzeugwerke: Zwangsarbeiter am Band.

Seit Montag sind 45 hölzerne Skulpturen des Bildhauers Robert Koenig Teil des Stadtbilds. Wie berichtet, will der Künstler aus Manchester damit auch seiner Mutter gedenken, die während der Nazi-Zeit als polnische Zwangsarbeiterin in den Flugzeugwerken arbeiten musste.

Mit der „Zwangsarbeit in Speyer 1939 bis 1945“ befasste sich der Geschichtslehrer Jan Storre in seiner Staatsexamensarbeit für die Universität Mainz. Am 11. Juni hält er einen Vortrag zu dem Thema. Einige Speyerer Betriebe hatten mehr oder minder freiwillige Zivilarbeiter, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene beschäftigt. Dazu zählen die Flugzeugwerke Saarpfalz, das Großunternehmen Siemens & Halske, die Firma Heß, die Schuhfabrik Rovo, die Tabakfabrik Brinkmann und die Gemüsekonserve-Firma Wirth. Auch kleinere landwirtschaftliche Betriebe sowie kommunale und kirchliche Einrichtungen nutzten diese Möglichkeit, „preiswerte“ Arbeitskräften zu beschäftigen. Auch in Dudenhofen gab es ein Lager für Zwangsarbeiterinnen. Sie waren in der örtlichen Firma Walter und in der Speyerer Rovo beschäftigt. Der Historiker Paul Warmbrunn vom Landesarchiv Speyer berichtete darüber. Die Speyerer Arbeiter kamen vorwiegend aus Polen, der damaligen UdSSR und aus Frankreich. Im Dezember 1943 gab es in Speyer 1942 Fremdarbeiter, von denen über die Hälfte aus der Sowjetunion stammte. Sie alle lebten in Firmenunterkünften, zu Schlafräumen umfunktionierten Gasthaussälen und in städtischen Lagern, die sich auf der Kuhweide, am Eselsdamm, an den Flugzeugwerken und an der Waldeslust befanden. An den mit Draht abgegrenzten Wohnbarackenlagern für Kriegsgefangene waren Schilder angebracht mit der mehrsprachigen Aufschrift „Halt! Wer den Warndraht überschreitet, wird ohne Anruf erschossen“. Storre berichtet auch von Zwischenfällen. So etwa von der Arbeitsniederlegung französischer Zivilarbeiter am 12. Juni 1943 in der Tabakfirma Brinkmann. Die deswegen alarmierte Kriminalpolizei hielt fest: „Sie haben angegeben, vor Müdigkeit nicht mehr arbeiten zu können.“ Der Streik sei gütlich beigelegt worden. Diebstähle von Lebensmitteln und Tabakwaren endeten meist weniger glimpflich. So wurden zwei „Ostarbeiterinnen“ in ein Konzentrationslager gebracht. Drei Franzosen erhielten infolge eines Tauschgeschäfts Gefängnisstrafen zwischen sechs und 18 Monaten. Sie versuchten Berichten zufolge zweimal erfolglos aus dem Amtsgericht in der Wormser Straße auszubrechen. Die Strafkammer Frankenthal verurteilte die Franzosen im Juli 1944 wegen Gefangenenmeuterei zu hohen Gefängnisstrafen. Verboten war der nähere Kontakt zwischen Ausländern und Deutschen. Storre: „Die öffentliche Diffamierung einer einheimischen Arbeiterin, der ein Verhältnis mit einem Franzosen nachgesagt wurde, blieb in Speyer die Ausnahme.“ Kultur regional Termin Vortrag von Jan Storre am Sonntag, 11. Juni, 11 Uhr, im Vortragssaal der Villa Ecarius.

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