Walking Football
ASV Waldsee richtet erstmals Turnier aus
„Ein Fuß muss immer auf dem Boden bleiben“, kommentiert Jan Müller während des Spiels des VfB Sankt Leon gegen den SV 06 Ketsch die Spielweise – ganz schön schwierig, die Einhaltung dieser Regel zu erkennen. „Das ist Auslegungssache“, meint Müller lächelnd und zuckt die Schultern.
Die Anfänge
Tatsache ist: rennen oder gar sprinten gilt nicht beim Walking Football. „Ich vergleiche das immer mit Nordic Walking oder dem Marathon im Gehen“, versucht Natalie Kessler sich in einer Beschreibung der zulässigen Bewegungsabläufe. Ihr Vater, Klaus Peter Kessler, brachte Walking Football beim ASV aufs Feld.
„Er hat im April 2024 den Startschuss gegeben“, denkt seine Tochter zurück. Müller lenkt ein: „Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich das auch nicht auf dem Schirm.“ Umso größer ist jetzt die Freude darüber, dass sich das Gehen mit dem Runden durchsetzt. „Die Nachfrage steigt, auch von Aktiven, die nicht mehr in ihren Klassen spielen“, berichtet Natalie Kessler.
Der Auftaktsieg
Sie ist selbst ein Teil der Walking Hämmel, wie sich die Waldseer angelehnt an ihren Spitznamen nennen. Beim ersten Turnier, das der ASV in der Rheinauenhalle ausrichtete, ging’s nach einem fulminanten 6:0-Auftakt gegen Sankt Leon Rot steil – bergab. „Die Positionsarbeit stimmt noch nicht ganz“, merkt Kessler an und grinst.
Aber: „Die Motivation ist definitiv da.“ Und der Zusammenhalt. Da macht der vorletzte Platz am Ende nichts aus und mit dem Sieger, dem 1. FC Lustadt, der mit 15 Punkten die Rangliste der sechs Teilnehmer anführt, geht’s zum Feiern. Gewöhnungsbedürftig ist das Zusehen für diejenigen, die sich bislang nur mit normalem Fußball beschäftigten.
Grätschen verboten
Abgesehen von der langsameren Gangart gibt’s weitere Vorgaben: grätschen verboten, Spiel ohne Abseits, kleinere und auf ein Meter Höhe beschränkte Tore ohne Keeper, ein Tabukreis vor den Gehäusen, der für alle außen vor bleibt und – besonders markant – Strafminuten statt Gelber sowie Roter Karten als die wichtigsten.
Müller ist zufrieden, dass die Spiele beim Premieren-Turnier bis auf einen Ausrutscher fair verlaufen. Kessler freut sich, dass sich der Einsatz ihres Vaters, dass auch jüngere Spieler und Frauen teilnehmen dürfen, Erfolg zeigt, sogar so sehr, dass die Walking Hämmel für Ende August eine Einladung nach Berlin bekamen. Dort vertreten sie Rheinland-Pfalz beim Walking-Football-Supercup.