Interview
Astronaut Jack Lousma: „Sind nicht vor 2030 auf dem Mars“
Herr Lousma, Sie haben mit Kurator Gerhard Daum vom Technik-Museum die Ausstellung „Apollo and Beyond“ besichtigt. Wie war das für Sie als Astronaut, der am Apollo-Programm beteiligt war?
Es ist die umfassendste Sammlung von Exponaten, die ich jemals gesehen habe. In mehreren Bereichen wurde ich an meine eigenen Beiträge zur Raumfahrt erinnert: an meinen Flug mit einem Apollo-Raumschiff zur Raumstation „Skylab“ 1973 und an meinen Testflug mit dem Spaceshuttle „Columbia“ 1982. Das russische Spaceshuttle „Buran“ in der Ausstellung ist beeindruckend. Ich war auch an der Entwicklung des Mondautos beteiligt, habe mit einem Prototypen Testfahrten an einem Strand in Kalifornien gemacht. Dessen Nachbauten im Museum sind sehr authentisch.
Was halten Sie von den neuen Missionen zum Mond, die von den USA und Europa vorbereitet werden?
Wir nutzen dafür dieselben Technologien wie bei der Weiterentwicklung von Raumkapseln. Die Idee ist, eine Station in einem Mondorbit zu bauen. Von ihr aus kann man zur Mondoberfläche fliegen und wieder zurück. Ein Ziel ist es, den Südpol zu erforschen. Denn dort scheint es Wasservorkommen zu geben. Der nächste Schritt wird uns dann zum Mars führen.
Sie waren Verbindungssprecher im Kontrollzentrum in Houston, als bei der Mission Apollo 13 ein Sauerstofftank explodierte. Die geplante Mondlandung war nicht mehr möglich, die Astronauten mussten gerettet werde. Haben wir daraus gelernt?
Wir haben schon immer aus Fehlern gelernt. So gab es auch nach Apollo 13 Verbesserungen für die nächsten Missionen. Eines der größten Probleme war damals, dass wir am Boden keine Informationen über die Anzeigen an Bord bekamen. Die Astronauten mussten uns die Messwerte durchfunken – auch den bedrohlich steigenden CO2-Anteil in der Atemluft. Wir haben in Houston eine Verbindung zweier CO2-Filter improvisiert. Das hat zum Glück dann auch im Raumschiff funktioniert. Die Mondfähre, die ich mitentwickelt habe, wurde schließlich zum Rettungsboot für die Crew.
Milliardäre wie Amazon-Chef Jeff Bezos und Richard Branson schmieden gerade Pläne für Mond- und Marsflüge. Tagen die etwas?
Ich denke, ja. Wir haben in den vergangenen Jahren viel über den Mars gelernt, über seine Atmosphäre, seine Landschaft. Wir wissen, dass er einmal von Wasser bedeckt war. Es ist aber ein größerer Schritt für uns, zum Mars anstatt zum Mond zu fliegen. Ich bezweifle, dass Privatfirmen das so schnell schaffen werden. Ich glaube, dass die Regierungen den Weg dafür bereiten werden, auf dem dann Privatleute wie Branson und Bezos nachfolgen. Elon Musk ist schon sehr erfolgreich, wahrscheinlich, weil er von der Nasa viele Aufträge erhält. Der erste Mensch wird aber nicht vor den 2030er-Jahren zum Mars fliegen. Wir müssen noch sehr viel lernen.
Was haben Sie nach Ihrer Karriere bei der Nasa gemacht?
Ich habe mich an Projekten zur Entwicklung von Langzeitaufenthalten im Weltraum beteiligt, habe europäische Astronauten in Köln auf ihren Einsatz in der Spaceshuttle-Ladebucht vorbereitet. Später habe ich für die Europäische Weltraumorganisation Esa an der Raumfähre Hermes gearbeitet. Das Projekt wurde leider 1992 eingestellt. Außerdem habe ich für das US-Außenministerium unsere Botschafter mit der Raumfahrt bekanntgemacht.
Waren Sie schon mal in der Pfalz?
Nein, näher als Köln bin ich der Region bisher nicht gekommen. Mein Großvater väterlicherseits ging 1893 aus Friesland in die USA. Ich habe meine Verwandten in Friesland an den Wochenenden besucht, als ich in Köln gearbeitet habe. Die Friesen sind eigenwillig. Man sagt, wenn man will, dass ein Friese dies oder das macht, muss man das Gegenteil von ihm verlangen.
Interview: Christian Berger