Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Arbeitsplatz Rhein: Der Wasserbaumeister und die Strömungen

Abfahrbereit: Gerhard Lehr vor der MS Speyer.
Abfahrbereit: Gerhard Lehr vor der MS Speyer.

Mithilfe des Schiffs „MS Speyer“ kontrolliert das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt der Domstadt die Flusstiefe des Rheins und markiert flache Stellen mit Tonnen. Bei der Fahrt flussaufwärts, an den Rand des Zuständigkeitsbereichs, begegnet die Mannschaft einem Naturphänomen. Die RHEINPFALZ war dabei.

Wie viele Stunden Gerhard Lehr schon auf dem Rhein verbracht hat, kann er nicht sagen. Nur eins weiß der Wasserbaumeister beim Wasserstraßen- und Schifffahrtamt (WSA) Oberrhein in Speyer sicher: „Ich habe eher Monate als Stunden auf dem Rhein verbracht.“ Damit sei er jedoch lange nicht Spitzenreiter. „Die Jungs“, sagt er über die Besatzung der MS Speyer, „sind deutlich öfter unterwegs.“ Manchmal sei das Schiff der Speyerer Außenstelle des WSA, das zur Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes gehört, bis zu neun Stunden am Tag auf dem Fluss unterwegs. „Die Besatzung ist ja immer an Bord“, sagt Lehr.

Vom heimischen Liegeplatz, direkt neben dem Speyerer Yachthafen, geht es hinaus auf den Fluss. Dort verrichtet die Crew der MS Speyer dann ihre Arbeit, gelegentlich mit Gerhard Lehr, der auch angehende Wasserbauer ausbildet, an Bord. Der sitzt an einem Rechner hinter dem Schiffsführer und überprüft, ob die Peilung – die Messung des Flussgrundes – und die Navigation via GPS funktioniert.

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Tonnen für flache Stellen

An diesem Morgen Anfang Februar, hat die MS Speyer eine Untiefe an der Grenze der WSA-Außenstelle Speyer, bei der Einmündung zum Berghäuser Altrhein im Visier. Bei der Tiefenmessung vor Ort werde überprüft, ob der Bereich, der schon als Unebenheit auf dem Flussgrund gekennzeichnet sei, noch flacher geworden ist. „Wir machen die Schifffahrt möglich“, sagt Lehr. Eine zu flache Stelle kennzeichnet das WSA mit einer sogenannten Tonne, eine auf dem Wasser treibende Markierung, die mit einer Eisenkette und einer Betonplatte am Grund fixiert wird. Durch Unterschiede im Aufbau und Lackierung erkennen die Bootsführer, ob es sich bei der Untiefe um eine Kiesbank im Flussbett oder um ein vom Ufer ausgehendes Bauelement handelt.

Die Besatzung der MS Speyer platziert und wartet die Tonnen. Mit einem Kran hievt die Crew den maritimen Wegweiser aus dem Wasser. „Mit einem Sandstrahler“, erklärt Lehr, werden Algen oder anderer Bewuchs entfernt. Das sei wichtig. „Je stärker eine Tonne bewachsen ist, desto weniger ist sie auf dem Radar sichtbar“, erklärt der Wasserbaumeister. Zudem würde sie immer schwerer werden. Bei Berghausen übernimmt das dieses Mal das Schwesterschiff der „Speyer“, die „Maxau“. Die gehört zur WSA-Außenstelle Karlsruhe und liegt in Germersheim.

Kette kann reißen

Zu den Aufgaben der WSA gehört auch, die Ketten, mit denen die Tonnen am Grund befestigt sind, zu überprüfen. „Durch das Wasser sind die konstant in Bewegung“, erklärt Matrose Thomas Schönig. Innerhalb eines Jahres könne es vorkommen, dass die Kette reißt, da sich die einzelnen Glieder so weit abgescheuert haben. Mit Edding wird zudem bei der Kontrolle der Standort der Tonne – angegeben in Kilometern von Konstanz am Bodensee aus – vermerkt – für den Fall, dass sie sich losreißt. „Wenn sie in Rotterdam ankommt, wissen die wo die Tonne herstammt“, erklärt Gerhard Lehr.

Auf dem Weg zur Untiefe bei Berghausen erlebt Lehr seinen persönlichen Höhepunkt der Fahrt: Ein Kolk bahnt sich seinen Weg den Rhein hinunter. „Das ist quasi eine negative Wanderdüne“, ein Loch im Boden, erklärt Lehr. „Ungefähr zehn Meter geht es da runter.“ Der Kolk entstehe durch die Strömung des Flusses im Zusammenspiel mit dem mitgespülten Kies, der von einem Hindernis aufgehalten wird und dann eben fehlt. „Wahrscheinlich durch die Staustufe Iffezheim“, sagt Lehr, werde der Kolk verursacht. Zwar würde nach dem Hindernis wieder eine gewisse Menge Kies dem Rhein zugeführt, wohl aber nicht ausreichend. „100 Meter pro Jahr“, erklärt der Wasserbaumeister, lege das mehrere Meter Durchmesser messende Loch zurück.

Bei Speyer verschwindet Kolk

Zum dritten Mal erlebe Lehr ein solches Schauspiel. Seit 1979 arbeitet er bei der WSA. Daher wisse er, dass der für die Schifffahrt ungefährliche Kolk meist bei Speyer verschwindet. „Die Autobahnbrücke erreichen die nicht“, weiß der Wasserbaumeister. Das hänge mit den Strömungsbedingungen in der Nähe der Domstadt zusammen.

Am Berghäuser Altrhein findet die MS Speyer mit Gerhard Lehr an Bord keine bedrohlichen Untiefen. „2,10 Meter“, sagt der Wasserbaumeister, müsse die Fahrrinne im Rhein mindestens betragen. Um auch dann nicht auf Grund zu laufen, müssten die Schiffe ihre Ladung anpassen. Sonst droht eine Strafe. Den Rhein wegen Niedrigwasser zu sperren, übernehme Lehr nicht. „Das übernimmt ein höhere Etage“, sagt der Wasserbaumeister, der in Speyer vom gleichnamigen Schiff wieder von Bord geht.

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