Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Apache-Produzent plant Impfzentrum in Schreinerei

Bauen ein Impfzentrum in der eigenen Schreinerei auf: Matthias Schmitt (links) und Sohn Rafael.
Bauen ein Impfzentrum in der eigenen Schreinerei auf: Matthias Schmitt (links) und Sohn Rafael.

In der Schreinerei Schmitt soll das erste private Impfzentrum in Speyer den Betrieb aufnehmen. Damit das Gesundheitsamt das genehmigt, hat Initiator Rafael Schmitt einen Probeimpftag organisiert. Er ist eigentlich Musiker und hat schon für einen bekannten Rapper produziert.

Für den Probeimpftag am Donnerstag steht alles bereit: Der Impfstoff gegen Corona liegt im Kühlschrank, die ersten Spritzen sind aufgezogen. „Ich bin schon aufgeregt“, sagt Rafael Schmitt. Mit seinem Vater Matthias will er das Impfzentrum in der Schreinerei in der Straße Im Neudeck in Speyer betreiben. „Ich freue mich, dass ich in der aktuellen Zeit etwas beitragen kann.“ Eigentlich ist Rafael Schmitt Musiker, hat unter anderem schon für den Ludwigshafener Rapper Apache 207 produziert. Mit Blick auf die immer länger andauernde Corona-Pandemie habe er allerdings den Wunsch entwickelt, etwas gegen die Folgen zu unternehmen. „Was können wir machen?“, hat Schmitt sich gefragt. „Wir Musiker leben von der Gesellschaft, möchten ihr aber auch etwas zurückgeben.“ Ein Testzentrum vor der Eingangstür der Schreinerei ist schon in Betrieb.

Da der Speyerer Ärzte im Bekanntenkreis hat und in der Schreinerei seines Vaters eher weniger Publikumsverkehr herrscht, haben sich die Schmitts dazu entschieden, den Büro- und Eingangsbereich in ein Impfzentrum umzubauen. Die Ausstattung dafür, Plexiglaswände als Spuckschutz bei der Anmeldung oder die Abtrennung der Impfkabinen, stammen aus der Werkstatt der Schreinerei, die allerdings vom Impfbereich abgetrennt ist. Mehrere Desinfektionsmittelspender sind im Gebäude platziert, um Türklinken und andere Oberflächen sauber zu halten. Eine Woche habe die Einrichtung gedauert.

Zehn Ärzte stehen bereit

In drei Kabinen können den Impflingen ihre Spritzen verabreicht werden. Übernehmen sollen das Ärzte, „je nach Bedarf“, sagt Schmitt. Er wolle die Mediziner entsprechend der Nachfrage kontaktieren. Im Bekanntenkreis habe er Ärzte rekrutieren, über einen Zwischenunternehmer Kontakte zu weiteren Medizinern knüpfen können. Zehn Ärzte stünden nun insgesamt für das Impfzentrum zur Verfügung.

Um sicherzugehen, dass es zu keinem Corona-Ausbruch kommt, müssen alle Impfwilligen einen negativen Schnelltest vorweisen. Bei Bedarf kann der Abstrich im eigenen Testzentrum vor den Türen der Schreinerei erledigt werden. „Dort erhalten die Leute innerhalb von zehn bis 15 Minuten ihr Ergebnis“, sagt der Musiker.

Den Impfstoff bezieht Schmitt über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz. Die finanziert auch das Impfzentrum. „Wir werden pro Impfung vergütet“, sagt der 27-Jährige. „Dabei ist es aber Verhandlungssache, wie viel Geld wir pro Impfung bekommen.“

Beim Probeimpftag gehe es aber auch darum, das Gesundheitsamt aus Ludwigshafen und Ärzte aus Mainz zu überzeugen, um final als Impfzentrum anerkannt zu werden. Die endgültige Zulassung zur Probeimpfung habe Schmitt am Donnerstagmorgen erhalten. „Wir werden heute definitiv keinen Gewinn machen“, prognostiziert er vor dem Impfauftakt in der Schreinerei.

Guten Eindruck hinterlassen

Vielmehr gelte es, erste Erfahrungen zu sammeln und eventuelle Fehler in Absprache mit dem Gesundheitsamt des Rhein-Pfalz-Kreises, das auch für Speyer zuständig ist, auszumerzen. „Sie sind mit der Probe und den Räumlichkeiten zufrieden, jetzt muss noch ein finales Hygienekonzept ausgearbeitet werden“, berichtet Schmitt nach dem Besuch von Vertretern aus dem Gesundheitsamt. Wenn das erledigt sei, könne der Betrieb für die Öffentlichkeit freigegeben werden.

Wie lange in der Schreinerei geimpft wird, steht noch nicht fest. „Das hängt auch von der allgemeinen Entwicklung ab“, sagt der 27-Jährige. Neben dem Infektionsgeschehen spiele auch die Impfbereitschaft in der Bevölkerung eine Rolle.

Schmitt hat keine Angst davor, dass Corona-Leugner oder Impfgegner sein Impfzentrum ins Visier nehmen. Beim Probeimpftag sei die Polizei vorab informiert worden. „Ein Anruf genügt“, sagt Schmitt. Wenn das Impfzentrum endgültig den Betrieb aufnimmt, werde ein Sicherheitsunternehmen eingestellt, das den Ablauf überwacht.

Auftakt im Impfzentrum: Sores Aslan erhält ihre Spritze vom Arzt Gerd Rudbach.
Auftakt im Impfzentrum: Sores Aslan erhält ihre Spritze vom Arzt Gerd Rudbach.
Mehr zum Thema
x